Deutscher verhaftet: Waffenschmuggel in den Iran?

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Der Verdächtige soll 115 Tonnen Thiodiglycol für die Senfgasproduktion in den Iran geschmuggelt haben.

Wien - Ein Deutscher ist in Österreich festgenommen worden: Er steht unter dem Verdacht des Waffenschmuggels. Der 67-Jährige wurde in einem Hotel in Hall in Tirol von österreichischen Beamten verhaftet.

Der Terrorverdächtige soll Ende der 1980er Jahre Chemikalien für die Herstellung des Kampfstoffes Senfgas in den Iran geliefert haben. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft in Innsbruck haben die USA seine Auslieferung verlangt. Nach dem Verdächtigen, der unter mindestens sechs falschen Namen gelebt haben soll, wurde jahrelang gefahndet. Den Ermittlern zufolge lieferte er 1988/89 in drei Chargen insgesamt 115 Tonnen Thiodiglycol für die Senfgasproduktion von den USA aus nach Griechenland und Singapur. Bei der zweiten Lieferung hätten misstrauisch gewordene Zollbeamte die Chemikalie dann aus den 450 Fässern entfernt, diese mit Wasser aufgefüllt und deren Weg nach Singapur und weiter über Pakistan bis in den Iran verfolgt. Daraufhin sei ein Haftbefehl erlassen und der Waffenschmuggler festgenommen worden.

In Deutschland unbehelligt geblieben

Vor einem amerikanischen Gericht habe er sich schuldig bekannt, erklärte der Leiter der Zielfahndung des österreichischen Bundeskriminalamtes, Helmut Reinmüller, gegenüber der Nachrichtenagentur APA. Der Mann habe sich aber vor dem Schuldspruch nach Deutschland abgesetzt. 1994 sei er in Zagreb festgenommen worden und vier Monate in Kroatien in Haft gewesen. Da aber kein gültiges Auslieferungsabkommen bestanden habe, sei er wieder entlassen worden. Danach ist der Verdächtige laut Reinmüller unter falschem Namen viel gereist. Auch in Deutschland habe er sich häufig aufgehalten, doch hätten ihn die Behörden wegen des verfassungsrechtlichen Schutzes für Deutsche vor einer Auslieferung nicht festnehmen können. Zurzeit befinde sich der Mann in der Justizanstalt Innsbruck. Der Auslieferungsantrag der US-Behörden werde zurzeit geprüft. “Wir haben ein Auslieferungsverfahren eingeleitet und die Auslieferungshaft beantragt“, teilte die Staatsanwaltschaft Innsbruck mit. Eine Richterin werde darüber noch am Mittwochnachmittag entscheiden.

apd

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