Gewerkschaft im Arbeitskampf

Deutsche Bahn: GDL-Streik trifft auch das Wochenende – Nur jeder dritte Fernzug fährt

Auch am Wochenende wird bei der Bahn weiter gestreikt – im Fernverkehr fährt nur jeder dritte Zug. Dennoch fordern viele Seiten die GDL zur Rückkehr zum Verhandeln auf.

Berlin/Frankfurt am Main - Zum dritten Mal in nur wenigen Wochen sind am Donnerstag auf Initiative der Lokführergewerkschaft GDL mehr als 9500 Beschäftigte der Deutschen Bahn* in den Streik getreten, rund 7000 von ihnen Lokführer:innen. Das führte auch am Wochenende zu ausfallenden Verbindungen, verspäteten und vollen Zügen. Statt eines neuen Kompromissangebots seitens der Bahn erntete die GDL aber vermehrt Kritik, selbst vonseiten des Deutschen Gewerkschafts-Bunds (DGB).

Deren Chef Reiner Hoffmann warf der GDL nach dem abgelehnten Bahn-Angebot vom Mittwoch Partikularinteressen vor und rief die Gewerkschafter:innen auf, nach monatelangen Verhandlungspausen wieder in Gespräche mit der Deutschen Bahn einzusteigen. Hoffmann kritisierte, dass seitens der GDL die Interessen der Lokführer:innen gegen das Gesamtinteresse aller anderen Bahn-Beschäftigten durchgesetzt würden. Obwohl die Differenzen zwischen Gewerkschaft und Bahn nicht sehr groß seien, weigere sich GDL-Chef Claus Weselsky, an den Verhandlungstisch zurückzukehren, sagte Hoffmann der „Rheinischen Post“.

Am letzten Ferienwochenende in Thüringen und Sachsen trifft der Streik erneut zahlreiche Reiserückkehrer.

Tarifstreit zwischen GDL und Deutscher Bahn: Kritik am Bahnstreik von vielen Seiten

Auch der Hauptgeschäftsführer des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen, Oliver Wolff, sagte: „Wir erleben, dass die Fahrgäste keinerlei Verständnis mehr für die Dauer der Streiks und die Beharrlichkeit der GDL haben*, nicht an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Der Geschäftsführer des Verkehrsbündnisses Allianz pro Schiene, Dirk Flege, sagte: „Sowohl im Interesse der Millionen Bahnkunden als auch des Klimaschutzes kann ich nur hoffen, dass dieser Arbeitskampf bald beendet ist.“ Nach den Worten von Grünen-Fraktionsvize Oliver Krischer ist die Heftigkeit des Streiks für die meisten Außenstehenden nicht nachvollziehbar. „Ich hoffe nicht, dass durch den Streik Kunden vergrault werden und diese in Zukunft vermehrt auf Bus und Auto ausweichen.“

Immerhin war es der Bahn am ersten Streik-Wochenende der Tarifrunde gelungen, statt rund einem Viertel jeden dritten Fernzug an den Wochenendtagen des Reiserückkehrwochenendes in Sachsen und Thüringen auf die Schienen zu bringen. Im Nah- und S-Bahnverkehr waren es etwa 40 Prozent. Am schlimmsten betroffen seien die Regionen im Osten Deutschlands gewesen, genau wie die deutschen Metropolregionen, in denen zahlreiche Verbindungen zusammenlaufen.

Am Wochenende fuhr bei der Deutschen Bahn rund jeder Dritte Fernzug. Im Nah und S-Bahn-Verkehr waren es etwa 40 Prozent der Züge.

Bahnstreik: GDL lehnt Angebot von Deutscher Bahn ab - Klage des Unternehmens scheitert

Die GDL fordert 3,2 Prozent mehr Geld bei einer Laufzeit von 28 Monaten sowie eine Corona-Prämie von 600 Euro. Zum Streikauftakt hatte die Bahn ein verbessertes Angebot vorgelegt. Der Konzern stellt etwa eine Corona-Prämie für 2021 von bis zu 600 Euro in Aussicht sowie eine Tarifvertrags-Laufzeit von 36 Monaten. Die Löhne sollen in zwei Stufen um 3,2 Prozent steigen. Weselsky hatte dies abgelehnt.

Die GDL will für weitere Berufsgruppen verhandeln, etwa für Werkstattbeschäftigte sowie Angestellte in Verwaltung, Infrastruktur oder Stellwerken. Laut Bahn beteiligen sich nur wenige Beschäftigte aus diesen Gewerken am Streik. Die GDL nennt höhere Zahlen. Die Deutsche Bahn war am Donnerstag sowie am Freitag in zwei Instanzen mit einer Einstweiligen Verfügung gegen den Streik vor Arbeitsgerichten in Frankfurt gescheitert. Sie wirft der GDL vor, mit dem Ausstand auch rechtliche und politische Ziele zu verfolgen. Der Streik soll bis Dienstag, 2 Uhr morgens, andauern. (ska/dpa) *fr.de und fnp.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA

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