Schwarze Schafe in Wintersportgebieten

Corona: Österreich kämpft mit Ansturm in Skigebieten - Jetzt wird Polizei auf Pisten geschickt

Besucher und Wintersportler stehen Schlange an der Gondelstation im Skigebiet am Kreischberg.
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Corona in Österreich: Chaos an der Talstation im Skigebiet am Kreischberg (Steiermark) sorgt für Polizeieinsatz.

Trotz Corona-Lockdown sind in Österreich Skilifte und Gondeln geöffnet. Der Andrang ist in einigen Wintersportorten zu groß. Fotos sorgen für Kritik, jetzt soll hart durchgegriffen werden.

  • In Österreich haben Skigebiete unter strengen Corona-Auflagen seit Weihnachten geöffnet.
  • Mit drastischen Maßnahmen will die Alpenrepublik jetzt gegen Verstöße vorgehen.
  • Die Corona*-Fallzahlen in Österreich sind trotz Lockdown weiter hoch.

Update vom 12. Januar, 12.19 Uhr: Der Wintertourismus spaltet Österreich. Skilifte und Gondeln sind seit Weihnachten offen, trotz Lockdown. Der Spagat zwischen Infektionsschutz und Tourismusindustrie groß. Am vergangenen Wochenende eskalierte die Situation. Die Regierung in Wien drohte gar den Skigebieten mit der Schließung (siehe Erstmeldung vom 10. Januar 2021).

Gedränge ohne Abstand und Masken an einigen Liften sorgen für Zündstoff. Die Polizei solle jetzt für das Einhalten der Corona-Regeln an den Skiliften sorgen, kündigte der Österreichische Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) am Sonntag an.

In der Steiermark war das dagegen schon Tags zuvor der Fall. Im Skigebiet am Kreischberg war schon am Samstagfrüh die Hölle los. An der Talstation im Liftbereich sei gegen 9 Uhr eine „größere Staubildung“ entstanden, teilte das Land Steiermark mit.

Die Polizei sperrte alle Zufahrten zum Skigebiet ab. Polizisten vor Ort hätten „mittels Lautsprecherdurchsagen sowie durch persönliche Ansprache mehrfach auf die Corona-Maßnahmen und deren Einhaltung hingewiesen“, heißt es in einer Stellungnahme der Landespolizeidirektion.

Die sogenannte „Alpinpolizei“ sei demnach schon ab 8.15 Uhr vor Öffnung der Skilifte um 8.30 Uhr im Einsatz gewesen. Um 11 Uhr habe sich die Lage an der Talstation entspannt, der Stau aufgelöst. Die sogenannte Gästeobergrenze liege in dem Skigebiet bei 4000 Personen. Um 12 Uhr hätten sich rund 2.500 Wintersportbegeisterte am Kreischberg aufgehalten.

Corona in Österreich: „Katastrophale Bilder aus den Skigebieten“ - Kurz-Minister droht jetzt mit Konsequenzen

Erstmeldung vom 10. Januar 2021

Wien - Es ist schon etwas paradox. Ausgangssperre und Skifahren passen eigentlich kaum zusammen. In Österreich sind Gondeln und Lifte in einigen Wintersportorten jedoch geöffnet. Abstand und das Tragen von FFP-2-Masken wird jedoch nicht überall eingehalten.

Liftbetreibern drohen jetzt drastische Maßnahmen. Mehr Kontrollen durch die Gesundheitsbehörden auch mit Unterstützung der Polizei sollen für das Einhalten der Corona-Regeln sorgen. Liftbetreibern droht im schlimmsten Fall eine komplette Sperre. Der österreichische Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) und Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) kündigten dies am Sonntag an, berichtet das ORF.

Wenn notwendig, kann auch der Liftbetrieb eingestellt werden

Österreichs Innenminister Karl Nehammer

„Wenn notwendig, kann auch der Liftbetrieb eingestellt werden“, sagte Nehammer demnach in einer Mitteilung. Nehammer will „gegen Schwarze Schafe unter den Liftbetreibern“ rigoros gemeinsam mit den Gesundheitsbehörden vorgehen. „Sie dürfen aus ihrer Verantwortungslosigkeit keinen Profit schlagen“, so der Innenminister laut ORF. Der Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit habe alle Landespolizeidirektionen angewiesen, die Gesundheitsbehörden mit voller Kraft durch verstärkte Polizeipräsenz zu unterstützen.

„Gestern erreichten uns zum Teil wieder katastrophale Bilder aus einigen Skigebieten, und ich warne eindringlich vor einem erneuten Ansturm am heutigen Sonntag“, sagte der neue Gesundheitsminister Anschober, wie standard.at berichtet.

Coronavirus in Österreich - „Kein Verständnis für ‚schwarze Schafe‘ in Wintersport-Gebieten

Auch Österreichs Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) fordert ein hartes Vorgehen bei Verstößen: „Wenn es immer wieder Bilder von einzelnen Skigebieten gibt, wo Sicherheitskonzepte nicht umgesetzt und Maßnahmen nicht eingehalten werden, dann müssen die Behörden in solchen Fällen hart durchgreifen.“

Corona in Österreich: Skifahren trotz Lockdown (Symbolfoto).

„Ein Großteil der Skigebiete und Skilift-Betreiber“ unternehme aber alles, „um Sicherheitsmaßnahmen und -konzepte auf Punkt und Beistrich umzusetzen“, so Köstinger in einer Stellungnahme vom Sonntag. Die Tourismusministerin appelliert an die Wintersportler sowie an die Betreiber die Regeln einzuhalten. Für „schwarze Schafe“ habe sie kein Verständnis.

Schon im Dezember hatte das Öffnen der Skigebiete in Österreich unter den strengen Auflagen, wie das Tragen einer FFP2-Maske für Debatten gesorgt. Aber auch in Deutschland wurden Skigebiete trotz Lockdown überrannt.

Coronavirus: Die aktuelle Lage in Österreich

In Österreich sind die Corona-Infektionszahlen „noch deutlich zu hoch“, teilte der Gesundheitsminister Anschober am Sonntag mit. In den vergangenen 24 Stunden wurden 1.651 Neuinfektionen und 36 Todesfälle verzeichnet. Die Zahl der aktiven Corona-Fälle liegt nach Angaben der Gesundheitsbehörden derzeit bei 20.250.

Die 7-Tage-Inzidenz liegt bei 170,3, teilt die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) mit (Stand: 10. Januar, 14 Uhr).

Corona-Infektionen in Österreich auf die Bundesländer verteilt (Stand: 10. Januar, 14 Uhr)

  • Burgenland: 52
  • Kärnten: 119
  • Niederösterreich: 369
  • Oberösterreich: 201
  • Salzburg: 180
  • Steiermark: 190
  • Tirol: 115
  • Vorarlberg: 93
  • Wien: 332

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