News-Ticker zur Pandemie

Corona in Österreich: Kritik nach Impf-Panne wird lauter - Landeschefs attackieren Bundesregierung heftig

In Österreich steigen die Corona-Zahlen - trotz Lockdowns. Gesundheitsminister Rudolf Anschober gerät unter Druck. Länderchefs proben den Aufstand. Der News-Ticker.

  • Coronavirus-Pandemie in Österreich: Die Corona*-Zahlen steigen wieder an.
  • In einigen Städten kommt es zu Demonstrationen gegen die Lockdown*-Maßnahmen. Die Kritik an der Regierung wegen der schleppend laufenden Impf-Kampagne wird lauter.
  • Dieser News-Ticker ist beendet. Die aktuellen Nachrichten zu Corona in Österreich finden Sie hier.

Update vom 8. Januar, 16.12 Uhr: Die Impf-Kampagne in Österreich wird zu einem immer größeren Problem für die Regierung von Bundeskanzler Sebastian Kurz. Besonders im Fokus steht dabei Gesundheitsminister Rudolf Anschober. Die Neos hatten am Donnerstag seinen Rücktritt gefordert. Doch der Grünen-Politiker wies auf einer Pressekonferenz die Forderungen zurück. Es gebe „null Notwendigkeit für personelle Konsequenzen“, sagte Anschober. In der Regierung gebe es „ein wirklich gutes Teamwork“.

Doch die Kritik reißt nicht ab. Vor einer Videokonferenz von Bund und Ländern über das Vorgehen bei den Corona-Impfungen* forderten drei Landeschefs, dass die Länder die Verteilung des Impfstoffs künftig selbst koordinieren. „Es darf nicht sein, dass Impfdosen in Wiener Lagern herumstehen - wir müssen so rasch wie möglich alle vulnerablen Gruppen durchimpfen“, sagte Tirols Landeshauptmann Günther Platter, der wie sein Voralberger Kollege Markus Wallner den Bund scharf kritisierte. „Weg mit dieser sinnlosen Zentral-Bürokratie, denn da ist uns das Gesundheitsministerium ordentlich auf die Nerven gegangen“, wird Wallner in den Voralberger Nachrichten zitiert.

„Durch den aktuellen bürokratischen Bestellvorgang haben die Länder kaum Übersicht, wer bereits bestellt hat und wie viel Impfstoff noch verfügbar ist“, kritisierte Platter. Bestellungen müssten bei den Ländern zusammenlaufen und auch durch sie verteilt werden.

Landeschef Hermann Schützenhofer der Steiermark bemängelte die zeitverzögerte Weiterleitung von Zahlen: „Wie viele sich gestern gemeldet haben, erfahren wir heute von der Bundesbeschaffung. Da sind wir oft mit verschiedenen Zahlen konfrontiert“, sagte er.

Corona in Österreich: Twitter brodelt wegen strittigem Inserat von Pandemie-Leugnern - Zeitung torpediert

Update vom 8. Januar, 12.12 Uhr: In Österreich ist die Zahl der Corona-Neuinfektionen weiter hoch. Von Donnerstag auf Freitag sind 2.063 Fälle registriert worden. 73 Menschen starben im Zusammenhang mit COVID-19.

Das beherrschende Thema an diesem Tag ist aber ein anderes. In den Tageszeitungen Kurier und Österreich ist ein Inserat von Gegnern der Anti-Coronamaßnahmen abgedruckt worden. Und ebenjenes sorgt nun für Wirbel in den sozialen Medien.

In dem Inserat, das den Titel „Offener Brief an die österreichische Bundesregierung und an die österreichische Bevölkerung“ trägt, wird unter anderem behauptet, dass „Masken nutzlos und gesundheitsschädlich“ seien. Eine genaue wissenschaftliche Quelle fehlt, es heißt lediglich, dass „zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen“ vorliegen.

Adressat des Briefs ist eine Gruppe, die sich „Außerparlamentarischer Corona Untersuchungsausschuss Austria“ nennt. Einer der Initiatoren ist Andreas Sönnichsen, Leiter der Abteilung für Allgemein- und Familienmedizin an der Meduni Wien. Sönnichsen ist kein Unbekannter. Er ging in der Vergangenheit bereits mehrmals medial gegen die Anti-Coronamaßnahmen vor.

Tageszeitung „Kurier“ erntet heftige Kritik für Abdruck von fragwürdigem Inserat

Nun ist eine Kontroverse darüber entbrannt, ob man so einen Brief nun veröffentlicht oder nicht. So lehnte etwa Heute-Chefredakteur Christian Nusser den Abdruck ab, wie er in einem Kommentar eines Tweets schrieb. In Österreich und im Kurier erschien es hingegen. Horizont sagte er: „Wir sollten nicht um den heißen Brei herumreden: Wer so etwas abdruckt, will keinen Beitrag zur freien Meinungsäußerung leisten oder den Diskurs anschieben, sondern er will das Geld.“

Kurier-Chefredakteurin Martina Salomon verteidigte die Veröffentlichung mit der freien Meinungsäußerung. Das Inserat sei weder strafrechtlich relevant noch beleidigend. Interessanterweise findet sich gleich auf der nächsten Seite ein Interview mit der Virologin Dorothee von Laer. Darin stellt die Professorin klar, dass eine „erdrückende Zahl von Studien“ beweise, dass das Tragen von Masken die Ausbreitung des Coronavirus reduziere.

Der Kurier erntete heftige Kritik für die Veröffentlichung. Eine Twitter-Userin etwa schrieb, dass nicht alles etwas wert sei, das Geld bringe. Ein anderer kommentierte den offenen Brief als „weirde Partie.“

Corona in Österreich: Zehntausende Impfdosen lagern ungenutzt - Kurz-Vertrauter muss jetzt um Job bangen

Update vom 7. Januar, 21.45 Uhr: Gibt es in Österreich nach dem zähen Impf-Start gegen Corona politische Konsequenzen?

Die Kritik an Gesundheitsminister Rudolf „Rudi“ Anschober wird lauter - und auch über einen möglichen Rücktritt des Grünen-Politikers wird spekuliert.

Coronavirus-Pandemie in Österreich: Gesundheitsminister Anschober gerät wegen vermasseltem Impf-Start scharf in die Kritik

„Es wird enger. Viel mehr kann sich ein Gesundheitsminister nicht leisten“, sagte SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner an diesem Donnerstag. Die SPÖ sprach von einem „Impfchaos“ und fordert laut Kleine Zeitung aus Graz eine Sondersitzung des Nationalrates.

Impfen heiße, Menschenleben retten, „und da können wir uns keinen einzigen Tag Pause leisten“, meinte Rendi-Wagner weiter. Zum Hintergrund: Beim symbolischen EU-Impf-Start am 27. Dezember hatte es nur 6000 Corona*-Impfungen in der Alpenrepublik gegeben - zeitgleich wurden diese von der Bundesregierung prominent dargestellt. Zum Beispiel mit Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP), wie dieser sich in Wien mit der ersten in Österreich geimpften Frau unterhielt.

Auch in der österreichischen Bundesregierung soll es wegen des verzögerten Impf-Starts Ärger gegeben haben. So habe der Impf-Koordinator des Gesundheitsministeriums, Clemens Martin Auer (ÖVP), laut oe24.at darauf beharrt, dass der 12. Januar der offizielle Starttermin für die Impfungen gegen das Coronavirus bleibe.

In der Corona-Krise gefordert: Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz (re.) und Gesundheitsminister Rudolf „Rudi“ Anschober.

Kanzler Kurz soll jedoch Druck gemacht haben, die Impfungen vorzuziehen, weil demnach 53.000 Impfdosen von Pfizer ungenutzt in Österreich lagerten.

Schließlich sprach der Wiener Boulevard von einer Entmachtung Anschobers. Kann sich der Gesundheitsminister dennoch im Amt halten? Spannende Tage in Wien.

Coronavirus-Pandemie in Österreich: Zahl der Corona-Neuinfektionen steigt weiter

Erstmeldung vom 7. Januar: München/Wien - In Österreich setzt sich der besorgniserregende Trend der vergangenen Tage fort. Von Mittwoch auf Donnerstag ist die Zahl der Corona-Neuinfektionen* erneut angestiegen.

Insgesamt wurden 2540 neue Fälle verzeichnet. Hinzu kommen 43 neue Todesfälle im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion innerhalb eines Tages.

Die 7-Tage-Inzidenz für Österreich lag gestern bei einem Wert von 169,1 - deutlich höher als die Regierung es nach den Lockdown-Maßnahmen gehofft hatte.

Corona in Österreich: Droht eine Lockdown-Verschärfung - Demos in mehreren Städten

Folgt nun auch in Österreich eine Lockdown-Verschärfung wie in Deutschland? Vom Ziel, das Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) kurz vor Silvester ausgegeben hat, ist man derzeit deutlich entfernt. „Bei den Intensivstationen unter 200 zu kommen und wir wollen deutlich unter 100 bei der 7-Tage-Inzidenz“, sagte er damals. Neben der zu hohen Inzidenz ist auch die Zahl der Intensivpatienten mit 368 deutlich zu hoch. Sollten die Zahlen nicht sinken, könnte es also möglicherweise zu einer Lockdown-Verlängerung über den 24. Januar hinaus kommen.

Am Mittwoch kam es in Österreich zu mehreren Demonstrationen gegen die aktuellen Corona*-Beschränkungen. Die größte Demonstration fand in der Wiener Neustadt statt, wo sich nach Polizeiangaben etwa 2500 Menschen versammelten.

Mehrere Menschen wurden wegen Verstößen gegen die Corona-Auflagen* festgenommen. In Amstetten demonstrierten rund tausend Menschen. Kleinere Proteste fanden auch in anderen Städten statt.

Corona in Österreich: Kurz greift bei Impfungen durch - und will über 500.000 Menschen bis Ende März impfen

Auch bei den Corona-Impfungen* läuft es in Österreich noch nicht rund. Nachdem es in den vergangenen Tagen heftige Kritik am Impfplan* gegeben hatte, hat Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) durchgegriffen und den offiziellen Impfbeginn vorgezogen. Es gehe um Schnelligkeit und Menschenleben, stellte der Kanzler klar. Demnach sollen noch in dieser Woche 21.000 Impfdosen verimpft werden.

„Das Impfen ist der Gamechanger im Kampf gegen die Pandemie. Die vorhandenen Impfdosen müssen daher rasch ausgeliefert und verimpft werden. Es darf keine Impfdosis in den Lagern liegen bleiben“, erklärte Kurz gegenüber oe24. „Wir werden bis Ende Januar 250.000 Dosen von Pfizer/Biontech* bekommen. Die sollen alle verimpft werden“, kündigte der Bundeskanzler an.

Zudem erwarte er erste Lieferungen des Corona-Impfstoffs von Moderna, der gestern für die EU zugelassen wurde. Im ersten Quartal könnten somit über 500.000 Menschen in Österreich geimpft werden, teilte Kurz auf Twitter mit.

Die Beschaffung des Impfstoffs erfolge zunächst über die EU, die auch Gespräche über weitere Lieferungen führe. Allerdings stellte Kurz klar: „Wir befinden uns auch in Gesprächen über Lieferungen für die Zeit nach der EU-Beschaffung.“ (ph) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

Rubriklistenbild: © Roland Schlager/dpa

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