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US-Forschern gelingt Durchbruch: System erkennt Corona am Husten

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Von: Felix Durach

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Forscher des MIT in Boston haben eine künstliche Intelligenz entwickelt, welche Corona-Infektionen allein am Hustgeräusch automatisch erkennen soll.

Boston - Wie stoppt man die Ausbreitung des Coronavirus*? Wie unterbricht man Infektionsketten so schnell wie möglich? Wie verhindert man die Entstehung von Infektionsherden? Es sind Fragen wie diese, welche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler seit Beginn der Coronavirus-Pandemie im Frühjahr 2020 rumtreiben und auf die es wohl - wie in der Wissenschaft üblich - keine perfekten Antworten gibt.

Coronavirus: Keine Tests mehr nötig? KI soll Corona-Infektionen am Husten erkennen

Um festzustellen, ob sich ein Mensch mit Sars-CoV-2 infiziert hat, ist beispielsweise noch ein Corona-Test* nötig, der je nach Art mehrere Tage dauern kann, bis er zu einem Ergebnis kommt. Umso spannender ist deswegen eine neue wissenschaftliche Veröffentlichung von Forschern des Massachusetts Institut of Technology (MIT) in Boston, die eine neue Möglichkeit proklamiert, wie Corona-Infektionen erkannt werden können.

Die Forscher beziehen sich in ihrem Ende September veröffentlichten Papier auf die Hypothese, dass eine Infektion mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 zu Veränderungen in der Lunge der Patienten führt. Diese Veränderung führt demnach dazu, dass Corona-Infizierte beim Husten ein anderes Geräusch produzieren, als beispielsweise bei einer Influenza-Infektion. Der Unterschied ist jedoch für Menschen nicht zu vernehmen, weswegen die MIT-Forscher eine Künstliche Intelligenz (KI) entwickelt haben, die Muster in den Hustgeräuschen von Patienten entdecken und einordnen kann.

Coronaviurs-Infektion am Husten erkennen: Forscher planen Smartphone-App für alle

Bei den durch die Forscher durchgeführten Tests konnte die KI demnach mit einer Genauigkeit von 98,5 Prozent Corona-Infizierte erkennen. „Unser System könnte die Ausbreitung der Pandemie* verringern, wenn jeder es nutzt, bevor er in ein Klassenzimmer, eine Fabrik oder ein Restaurant geht“, sagte Mit-Autor Brian Subirana auf der Universitäts-Website.

Das ultimative Ziel sei es nun, das Computerprogramm in eine Smartphone-App umzuwandeln, sodass die Technologie für jeden zugänglich werden würde. Wie lange die Entwicklung einer solchen Anwendung dauern soll, ist jedoch nicht bekannt. Die KI wurde von den US-Forschern ursprünglich dazu entwickelt, um Veränderungen in der Sprache festzustellen, die bei Patienten auf eine Alzheimer-Erkrankung hinweisen könnten.

KI soll Corona-Infektionen erkennen können: Lungenartz sieht trotz Skepsis Potenzial

Zumindest skeptisch zeigt sich der deutsche Lungenarzt Dr. Holger Woehrle, Medizinischer Direktor des Lungenzentrums Ulm, im Gespräch mit bild.de. „Wie man allerdings asymptomatische Patienten, die gar nicht husten, von Patienten, die auch nicht husten, weil sie keine COVID19-Infektion haben, unterscheiden will, entzieht sich unserer Kenntnis und wir sehen hier auch keine Differenzierungsmöglichkeit über den Husten.“ Grundsätzlich würdigt der Mediziner aber das große Potenzial, das intelligente Geräuscherkennung für die Medizin mit sich bringt. (fd) *merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

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