Chinesischer Dissident wieder aufgetaucht

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Dissident Gao st nach einem Jahr Verschwinden wieder aufgetaucht.

Peking - Nach mehr als einem Jahr hat sich der vermisste chinesische Dissident Gao Zhisheng am Sonntag wieder in der Öffentlichkeit zurückgemeldet.

Der Menschenrechtsanwalt, für den sich EU und USA bei den chinesischen Behörden eingesetzt hatten, meldete sich telefonisch bei der Nachrichtenagentur AP und anderen Medien. Einer seiner Kollegen sagte, nach seinem Eindruck könne sich Gao nicht frei bewegen und äußern. Gao sagte aber im Gespräch mit der AP, er sei “zur Zeit frei“ und lebe im Norden des Landes. Er wolle dort in Ruhe Zeit mit seiner Familie verbringen, sagte Gao. Mit seinen Angehörigen sei er lange nicht zusammengewesen, und “diesen Fehler will ich wiedergutmachen“.

Sein Verschwinden am 4. Februar 2009 löste international Besorgnis aus, vor allem wegen früherer Berichte, er sei gefoltert worden. Gao sagte am Sonntag, er dürfe und wolle keine Interviews geben. Verschiedene seiner Freunde und Kollegen erklärten, sie hätten seit langer Zeit nichts von ihm gehört. Die EU und die USA hatten die Regierung in Peking aufgerufen, Ermittlungen zu seinem ungewöhnlich langen Verschwinden aufzunehmen.

Weiter unter Kontrolle der Behörden

Ein Freund Gaos, Menschenrechtsanwalt Li Heping, sagte, auch er habe ein kurzes Telefongespräch mit dem lange Vermissten führen können. Er vermute, dass er weiter unter Kontrolle der Behörden sei. “Ich glaube, er ist nicht frei“, sagte Li. “Ersten, als wir telefonierten hörte er sich an, als ob er aufhängen wolle. Er sagte mir, um ihn herum seien Freunde. Ich bin sicher, diese Leute um ihn herum begrenzten das, was er sagen konnte.“ Zum zweiten habe Gao nicht sagen wollen, wo er sei, als Li vorgeschlagen habe, ihn zu besuchen. “Wir sind über seine Lage sehr besorgt“, fügte er hinzu.

Gao hat immer wieder Menschenrechtsverletzungen in China angeprangert. Er vertrat unter anderem Mandanten, deren Land beschlagnahmt wurde, und setzte sich für Anhänger der verbotenen Falun-Gong-Bewegung ein. Anfang vergangenen Jahres hatte Gao erklärt, er sei 2007 im Gefängnis gefoltert worden. Er wurde im August 2006 festgenommen, im Schnellverfahren verurteilt und unter Hausarrest gestellt. Staatlichen Medienberichten zufolge wurde ihm Subversion vorgeworfen, weil er mehrere Artikel auf ausländischen Websiten veröffentlicht hatte. Seine Frau und seine Kinder flüchteten im Januar vergangenen Jahres und leben in den USA.

DAPD

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