Bergleute über langwierige Rettung informiert

Chile - Die Euphorie ist weg: Nun haben die in Chile verschütteten Bergleute erfahren, dass ihre Rettung noch Monate dauern wird. Der Gesunheitsminister befürchtet nun "Depressionen, Angst und Niedergeschlagenheit“.

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Der Gesundheitsminister Chiles, Jaime Mañalich, rechnet nun damit, dass die Stimmung bei den Arbeitern schlechter wird. "Es wäre naiv anzunehmen, dass sie fähig sein werden, ihren unglaublichen Lebensmut zu bewahren, den sie jetzt schon so lange gezeigt haben."

Auf der Maschine mit dem umständlichen Namen “Raisbore Strata 950“ liegt die ganze Hoffnung. Das mehr als 30 Tonnen schwere Bohrgerät soll sich jeden Tag 8 bis 15 Meter tiefer ins Erdreich graben, bis das unterirdische Verlies der Bergarbeiter in Chile erreicht ist. Es könnte Weihnachten werden, bis die 33 Kumpel wieder die Sonne sehen. Bis dahin steht die Truppe unter einem enormen physischen und psychischen Druck. Möglicherweise wissen sie noch gar nicht, dass die Bergungsaktion in der Gold- und Kupfermine San José Monate dauern wird.

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Rechnerisch würde es “nur“ zwischen 46 und 86 Tagen dauern, bis der Bohrkopf im Tunnelgewölbe bei den Minenarbeitern ankommt. Der Schacht hätte dann aber nur einen Durchmesser von etwa 40 Zentimetern. Da würde vielleicht ein Kind, aber kein ausgewachsener Minenarbeiter durchpassen. Deswegen klappt sich nach dem Durchbruch ein Bohrkopf aus, der sich dann rotierend nach oben schraubt und den Kanal auf 66 bis 70 Zentimeter ausweitet. Das dürfte reichen, um die Männer in einem Korb nach oben zu holen. Bis dahin werden 120 Tage veranschlagt.

“Unter einem Meer von Felsen hoffen wir, dass sich ganz Chile anstrengt, um uns aus dieser Hölle rauszuholen“, sagte der 54-jährige Schichtführer der Truppe, Luis Urzúa, in einem Telefongespräch mit Staatschef Sebastián Piñera. Der Präsident weiß, wie lange es dauert wird. Es könnte Weihnachten werden. Bis zu dem glücklichen Tag dürfen die Kumpel - 32 Chilenen und ein Bolivianer - nicht an Gewicht zulegen, sonst passen sie nicht durch die enge Öffnung. “Sie müssen Übungen machen, damit sie in Form sind für die Rettungsaktion“, rät der Arzt Javier Brand, der bei der Aktion hilft.

Die seit 5. August festsitzenden Bergleute richteten sich indes in ihrem Verlies ein. Anders als anfangs befürchtet, sind sie nicht in dem nur 52 Quadratmeter großen Schutzraum eingeschlossen. Sie können ein offenbar zwei Kilometer langes Tunnelsystem nutzen. Den Bereich haben sie in drei Zonen aufgeteilt: Essen, Schlafen und einen Bereich, wo sie die Notdurft verrichten. Sie bekommen mittlerweile täglich Nachrichten von ihren Familien und werden durch den Austausch mit den Rettungskräften auf dem Laufenden gehalten.

In der Tiefe von 688 Metern - zum Vergleich: der Kölner Dom ist rund 157 Meter hoch - herrscht extreme Hitze mit bis zu 36 Grad und einer sehr hohen Luftfeuchtigkeit von bis zu 85 Prozent. Über die Sonden werden die Kumpel mit Wasser versorgt. Es kommen auch Spezialnahrungsmittel in Gel-Form und Medikamente an und vor allem: Briefe von Ehefrauen, Eltern und Kindern.

Zuspruch und moralische Unterstützung sind in dieser Situation aus Sicht der Psychologen extrem wichtig. Das weiß auch Chiles Präsident. “Wir sind alle stolz auf Sie. Ich weiß, dass ich damit für jeden Chilenen spreche“, sagte er den Arbeitern. Die Kumpel sind zu nationalen Helden geworden und auch wenn sie es noch nicht sehen können: Vor dem Präsidentenpalast in Santiago wehen seit Anfang der Woche 32 chilenische Nationalflaggen und eine bolivianische.

dpa

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