Brände wieder nahe an russischer Atomanlage

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Die Feuer in Russland bedrohen erneut das atomare Forschungszentrum in Sarow.

Moskau - Ein Feuer, dass durch einen Blitzeinschlag verursacht wurde, ist noch nicht unter Kontrolle und bedroht nun das atomare Forschungszentrum im russischen Sarow.

Die russische Atomforschungsanlage Sarow wird erneut von einem Waldbrand bedroht. Die Flammen breiteten sich rasch aus, die Feuerwehren baten um Verstärkung aus umliegenden Gegenden, wie die Behörden am Freitag mitteilten. Rund 500 Kilometer westlich brachten heftige Regenfälle unterdessen den unter Smog leidenden Moskauern die ersehnte Abkühlung. In der Atomanlage befindet sich Gefahrgut, das nach einem früheren Waldbrand zunächst davongeschafft, nach einer scheinbaren Beruhigung der Lage aber wieder zurückgebracht worden war. Es gebe derzeit keine dringende Notwendigkeit, das Material wieder wegzubringen, erklärte ein Sprecher der Atombehörde Rosatom. “Es gibt derzeit keine Gefahr für das Atomzentrum“, sagte Sergej Nowikow der Nachrichtenagentur AP. Der Waldbrand nahm am Mittwoch in einem nahe gelegenen Naturschutzgebiet nach einem Blitzschlag seinen Anfang, wie der Leiter der örtlichen Katastrophenschutzbehörde der Nachrichtenagentur Itar-Tass sagte. “Jetzt hat er sich ausgebreitet und stellt eine gewisse Gefahr dar.“

Verheerende Waldbrände in Russland

Verheerende Waldbrände in Russland

Über 2.600 Feuerwehrleute kämpften derzeit rund um die Uhr gegen den Brand. Erstmals seit Tagen wieder tief durchatmen konnten am Freitag die rund zehn Millionen Einwohner Moskaus. Nach Wochen ohne Niederschläge fiel der ersehnte Regen, reinigte und kühlte die Luft. Von dem dichten Smog, der die größte Stadt Europas mehrere Tage lang eingehüllt und bei Bewohnern zu Atemnot und Hustenanfällen geführt hatte, war kaum noch etwas zu spüren. Doch ist die Erleichterung möglicherweise nur von kurzer Dauer: Wetterexperten zufolge könnte der Wind wieder drehen und erneut Smog in die Stadt treiben. Die beispiellose Hitzewelle, unter der Russland in letzter Zeit zu leiden hatte, soll nächste Woche zu Ende gehen. Trotz der leichten Entspannung loderten auch am Freitag in der Umgebung der russischen Hauptstadt noch fast 30 Wald- und Torfbrände. Nach Angaben des Ministeriums für Notlagen waren dort rund 14.000 Feuerwehrleute im Einsatz. Die Zahl der Waldbrände landesweit gab das Ministerium mit mehr als 500 an. Allerdings sei es gelungen, ihre Fläche einzudämmen.

Wetterdienst misst Radioaktivität

Eine potenzielle Gefahr stellen weiterhin Waldbrände in Gebieten dar, die bei der Atomkatastrophe von Tschernobyl 1986 verseucht wurden. Nach offiziellen Angaben wurden alle Brände schnell bekämpft. Erhöhte Strahlungswerte seien nicht festgestellt worden, hieß es. Der russische Wetterdienst erklärte am Freitag, er habe Strahlungsexperten in die von der Tschernobyl-Katastrophe am stärksten betroffene Region Briansk entsandt, um dort ständig die Lage zu überwachen. Ministerpräsident Wladimir Putin hat unterdessen in seiner Rolle als oberster Brandbekämpfer der Nation eine strenge Bestrafung all derjenigen angedroht, die die Krise ausnutzen, um die Brotpreise in die Höhe zu schrauben. “Die sollen sich lieber ans Gesetz halten, sonst drohen ihnen Strafen, die ihre Profite bei weitem übersteigen“, sagte er am Freitag. Die Hitzewelle hat Russland über ein Drittel seiner Weizenernte gekostet. Die Regierung verhängte ein Exportverbot für Weizen bis Jahresende, die Weizenpreise in Russland sanken aber trotzdem nicht. Nach offiziellen Angaben wurde Brot in den vergangenen Wochen in Moskau um rund zehn Prozent teurer.

dapd

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