"Barfuß-Bandit" macht die Bahamas unsicher

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Im Juli 2009 entstand dieses Selbstportrait des sogenannten Barfuss-Banditen Colton Harris-Moore.

Marsh Harbour/Bahamas - Ein jugendlicher Seriendieb aus den USA hat sich mit gestohlenem Flugzeug ins Inselparadies abgesetzt. Jetzt ist ihm das FBI auf den Fersen.

Ein Langfinger von Kleinauf, immer wieder entwischt, vom FBI gesucht und jetzt auch noch das: Ein 19-jähriger Seriendieb aus den USA hat sich mit einem gestohlenen Sportflugzeug auf die Bahamas abgesetzt und macht jetzt das Inselparadies unsicher. Die Fahnder sind ihm auf den Fersen. “Wenn er hier ist, wird unsere Polizei ihn erwischen“, versichert Sicherheitsminister Tommy Turnquest. Von der Südspitze der Insel Great Abaco, wo Colton Harris-Moore mit der gestohlenen Cessna eine Bruchlandung hinlegte, folgten die Ermittler einer Spur von Einbrüchen 80 Kilometer weit bis in die Inselhauptstadt Marsh Harbour. Dort wurde der Flüchtige von der Überwachungskamera eines aufgebrochenen Restaurants gefilmt.

Fanclub und Facebook-Gemeinde

In ihrem Fahndungsaufruf warnt die Polizei, er sei womöglich bewaffnet und gefährlich. Zu Hause in den USA ist der diebische Teenager fast so etwas wie ein Volksheld: Er hat einen Fanclub, der T-Shirts mit seinem Bild vertreibt, seine Untaten werden in Liedern besungen, und auf Facebook hat er Zehntausende Anhänger. Der “Barfuß-Bandit“, wie der Tunichtgut genannt wird, setzte die einmotorige Maschine am Sonntag an einer kaum bewohnten Ecke der Insel ins knietiefe klare, blaue Meer. Dann marschierte er offenbar eine Landzunge entlang bis zur Ortschaft Sandy Point. Dort soll er etwa um die Zeit gesehen worden sein, als nachts in einer Tankstelle eingebrochen wurde.

Getränk, Kartoffelchips und ein Auto

Der Dieb entwendete ein Sportgetränk und zwei Tüten Kartoffelchips, wie Tankstellenbesitzer Dwight Pinder berichtet. Einen Haufen Sachen zu essen und zu trinken ließ er auf der Theke liegen - offenbar hatte er es eilig. Der Dieb sei so geschickt gewesen, staunt Pinder, das geknackte Schloss habe nicht einmal einen Kratzer. Auch in einem Haus in der Nähe wurde eingebrochen. Dort wurde ein Auto gestohlen, das sich später verlassen in Marsh Harbour wiederfand. Am frühen Dienstagmorgen zeichnete dort das Überwachungsvideo eines Restaurants am Jachthafen den ungebetenen Gast auf. Der junge Mann habe einmal direkt in eine Kamera gesehen, sie dann mit einer Taschenlampe geblendet und dann alle drei Überwachungskameras zur Wand gedreht, erzählt Inhaber Alistair McDonald: “Er schien ziemlich locker und entspannt.“ Er vermutet, dass der Dieb Geld suchte oder von einem Wachmann gestört wurde, denn er nahm nichts mit - nicht einmal eine Flasche Wasser. McDonald brachte das Video zur Polizei.

Deckung im Wald und unter Seglern

Die Ermittler verdächtigen Harris-Moore, mindestens sieben Einbrüche in Wohnhäusern und Geschäften auf Great Abaco verübt zu haben, einer der größten Inseln des Archipels zwischen Florida und Kuba. Das Eiland mit 16.000 Einwohnern ist so groß nicht, aber dicht bewaldet, so dass sich ein erprobter Naturbursche wie Harris-Moore leicht verstecken kann. Horden von Besuchern der jährlichen Regatta bieten zusätzlich Deckung. “Hier kennt jeder jeden. Aber es sind eine Menge Segler in der Stadt, da könnte er sich leicht darunter mischen“, vermutet ein Einwohner. Die örtliche Polizei hat auf der ganzen Insel sein Fahndungsfoto verbreitet, mögliche Fluchtpunkte gesichert und arbeitet eng mit dem FBI zusammen, das für Hinweise zur Ergreifung des Flüchtigen 10.000 Dollar (8.000 Euro) Belohnung ausgesetzt hat.

Mutter wünscht ihn “je weiter weg, desto besser“

Harris-Moore wuchs auf der Insel Camano im Puget Sound nördlich von Seattle auf. Seine Mutter sagt, er habe schon als kleiner Junge gerne gestohlen. Mit zwölf Jahren wurde er zum ersten Mal verurteilt, wegen Besitzes von Diebesgut. Mit 13 waren es schon drei weitere Verurteilungen. Jede brachte ihm zehn Tage Arrest oder gemeinnützige Tätigkeit ein. 2007 wurde er in einem leeren Haus erwischt und zu fast vier Jahren Jugendhaft verurteilt. In den offenen Vollzug verlegt, entkam er vor zwei Jahren durch ein offenes Fenster. Seitdem werden ihm Dutzende Diebereien einschließlich mehrerer Flugzeugdiebstähle zugeschrieben. Das Fliegen brachte er sich selber bei. Seine Mutter Pam Kohler sagt, es überrasche sie nicht, dass er es mit der in Indiana gestohlenen Cessna über 1.600 Kilometer weit bis auf die Bahamas geschafft hat. Sie verteidigt ihren Sohn und findet die Vorwürfe gegen ihn übertrieben. Ihr wäre lieber gewesen, er hätte sich in ein Land abgesetzt, das kein Auslieferungsabkommen mit den USA hat. “Je weiter er von den USA wegkommt, desto besser“, sagte sie der AP. “Ich freue mich ja, dass er schöne Inseln genießen kann, aber die liefern aus. Das macht die Sache überhaupt nicht besser.“

DAPD

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