Allianz und WWF befürchten Klimakatastrophe vor 2050

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Allianz und WWF befürchten schon bis 2050 eine Klimakatastrophe.

München - Europas größter Versicherungskonzern Allianz und die Umweltstiftung WWF haben vor einer plötzlichen Klimakatastrophe schon vor dem Jahr 2050 gewarnt.

Bei einer weiteren Erderwärmung drohe in vielen Regionen ein Umkippen mit nicht mehr umkehrbaren Schäden, erklärten sie in einer am Montag in München vorgestellten gemeinsamen Studie. In Südeuropa könnten dann Dürren das Klima bestimmen, in Deutschland könnte es zu wochenlangen Stromausfällen kommen, weil die Kraftwerke kein Kühlwasser mehr hätten.

Es werde zu Dominoeffekten kommen. “Keine Region bleibt verschont“, sagte WWF-Klimaexpertin Regine Günther und appellierte an die Teilnehmer des Klimagipfels in Kopenhagen im Dezember, ein rechtsverbindliches Abkommen zur Senkung der Treibhausgase zu schließen. Angesichts von Schäden in Billionen-Höhe wäre das auch wirtschaftlich für alle von Vorteil. “Auch die USA müssten im Eigeninteresse ihre Treibhausgas-Emmissionen massiv reduzieren“, sagte Günter.

An den Küsten 136 Millionenstädte bedroht

Das Eis an den Polen schmelze “in einem Tempo, das alle erstaunt“. Das könnte den Meersspiegel schon vor 2050 um einen halben Meter steigen lassen, bedrohe 136 Millionenstädte an den Küsten und gefährde Vermögenswerte von über 18 Billionen Euro, erklärten Allianz und WWF. Allein an der Nordostküste der USA stiegen die bedrohten Werte von knapp einer Billion auf 5,6 Billionen Euro. Sturmfluten oder Wirbelstürme wie Katrina, der 2005 New Orleans verwüstete, könnten auch New York treffen. In Kalifornien sagte die Studie eine Verzehnfachung der Waldbrand-Schäden auf 1,6 Milliarden Euro voraus.

Versicherung teurer

In Deutschland drohten nicht nur mehr Stürme, Überschwemmungen und Ernteausfälle. Es könne auch zu wochenlangen Stromausfällen kommen, sagte Michael Bruch von der Allianz-Industrieversicherung. Schon im heißen August 2003 hatten mehrere deutsche Atomkraftwerke ihre Leistung mangels Kühlwasser herunterfahren müssen. Den Versicherten drohen mit steigenden Risiken auch steigende Preise. Baugrundstücke am Rhein in Köln könnten billiger werden, aber überhaupt nicht mehr versichert werden können, sagte Allianz-Rückversicherungschef Clemens von Weichs.

Polschmelze und Regenwaldsterben als Kipppunkte

Wenn die Erderwärmung zwei Grad überschreite, drohe die Entwicklung von den Polen bis zum Amazonas schlagartig umzukippen. In Südeuropa und in Kalifornien könnten Dürren spätestens ab Mitte des Jahrhunderts das regionale Klima bestimmen, warnten Allianz und WWF. Zu den Kipp-Punkten, die den Klimawandel unumkehrbar machen und beschleunigen würden, zählte die Studie die Eisschmelze an den Polen, das Absterben des Regenwalds am Amazonas, das Schmelzen der Himalaya-Gletscher und die Veränderung des Sommermonsuns in Indien.

Hunderte Millionen Menschen seien dadurch existenziell gefährdet. “Wir haben nur noch ein kleines Fenster, wo wir reagieren können, um diese Kipppunkte nicht auszulösen“, sagte WWF-Klimaexpertin Günther. Die Entwicklungsländer seien stärker betroffen, vor allem in Asien. Aber keine Region werde verschont bleiben. “Wir müssen von einem veränderten Planeten ausgehen“, sagte Günther. “Wenn die Himalaya-Gletscher abgeschmolzen sind, sind eine Milliarde Menschen von Wassermangel bedroht. Bleiben die dann da, oder schicken wir das Rote Kreuz hin?“ sagte die WWF-Expertin.

AP

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