Mörderischer Aberglaube

Albinos getötet: Tansania verbietet Wahrsagerei

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Siphenati Nayekiso ist Albino. Der Südafrikaner entkam knapp einer Entführung. Wer wie er eine angeborene Pigmentstörung hat, wird auf dem schwarzen Kontinent von abergläubischen Menschen nicht selten verfolgt und sogar ermordet.

Daressalam - Weil ihre Organe angeblich magische Kräfte haben, werden in Tansania immer wieder Menschen mit einer angeborenen Pigmentstörung getötet. Jetzt greift die Polizei durch. 

Tansania will eine Sondereinheit mit der Aufklärung Dutzender Morde an Albinos beauftragen. Zu der Task Force sollen Regierungsvertreter sowie Mitglieder der Tanzania Albino Society (TAS) gehören, wie die Zeitung „Daily News“ am Mittwoch berichtete. Zudem sei Wahrsagern in dem ostafrikanischen Land die Arbeit verboten worden, um die weißhäutigen, mit einer Pigmentstörung geborenen Menschen besser zu schützen.

Allein in den vergangenen sechs Jahren wurden in Tansania nach offiziellen Angaben rund 70 Albinos getötet. Jedoch seien nur zehn Verdächtige wegen Mordes verurteilt worden, hieß es. Hexenmeister und andere Anhänger der schwarzen Magie sagen verschiedenen Körperteilen und Organen der weißen Afrikaner magische Kräfte zu, darunter etwa dem Herzen und den Genitalien. Wahrsager seien somit die Hauptverantwortlichen für die Taten, sagte Innenminister Mathias Chikawe.

Die Sondereinheit soll unter anderem sicherstellen, dass die Täter nicht mit zu milden Strafen davonkommen. Chikawe warnte aber davor, „Hexendoktoren“ mit anderen Heilern auf eine Stufe zu stellen.

Die „Daily News“ kommentierte, es sei „undenkbar, lächerlich und völlig inakzeptabel“, dass Menschen in diesem Jahrhundert noch daran glaubten, durch den Mord an einem Albino reich werden zu können.

Albinismus ist eine Erbkrankheit. Den Betroffenen fehlt das hautfärbende Pigment Melanin, weshalb sie meist eine sehr helle Haut und weiße Haare haben. Häufig haben Albinos auch eine Sehstörung.

dpa

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