Air France entlässt nach Absturz Sicherheitschef

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Air-France-Konzernchef Pierre-Henri Gourgeon glaubt nicht, dass die Piloten am Flugzeugabsturz vor fünf Monaten schuld waren.

Paris - Fünf Monate nach dem Absturz einer Air-France-Maschine über dem Atlantik hat der Konzern seinen Chef für Flugsicherheit entlassen.

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Außerdem äußerte Konzernchef Pierre-Henri Gourgeon seine “intime Überzeugung“, dass die Piloten nicht an dem Absturz des Airbus mit 228 Insassen schuld seien. Damit kam der Konzern Forderungen der Pilotengewerkschaften nach, die in dem Streit um die Flugsicherheit mit Streiks gedroht hatten. “Die Piloten haben eine Runde gewonnen“, kommentierte der Pariser “Figaro“ (Donnerstag).

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Der Airbus A330 war am Pfingstmontag auf dem Nachtflug von Rio de Janeiro nach Paris in ein Unwetter geraten und in den Atlantik gestürzt. Die Ursache und der Ablauf des Unfalls, der mit dem Ausfall der Geschwindigkeitssonden seinen Ausgang nahm, sind noch unklar.

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Kleine Pilotengewerkschaften beschuldigten Air France, die Sonden trotz Empfehlungen nicht ausgetauscht zu haben. Air France warnte seinerseits mit Hinweis auf mehrere Vorfälle bei anderen Flügen die Piloten vor “übermäßigem“ Selbstvertrauen. Manche Piloten erlaubten sich “große Abweichungen“ von den Vorschriften, “weil sie glauben, die Risiken zu beherrschen“. Der Konflikt eskalierte vor dem Hintergrund von Sparprogrammen und Tarifkonflikten.

Die Gewerkschaften scheiterten mit der Forderung, zwei Manager zu entlassen, die die Kritik an den Piloten formuliert hatten. Gourgeon sicherte den Piloten am Mittwoch aber eine “Überprüfung der Flugsicherheit in seiner Organisation und Praxis ohne Tabus“ zu. Er akzeptierte zudem die Bildung einer Kommission, die die Sicherheitsüberprüfung überwachen soll.

Vor der Einigung hatte Éric de Rivery von der Pilotengewerkschaft SNPL erklärt: “Die Lage ist klar: Wir haben eine echte Managementkrise bei der Flugsicherheit. Dieser Vertrauensbruch schafft unfallträchtige Bedingungen.“ Jetzt hofft das Unternehmen, dass der Konflikt entschärft ist.

dpa

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