1. az-online.de
  2. Verbraucher

Einkaufen: So tricksen Hersteller Kunden aus – diese Fallen erkennen

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Lisa Klein

Kommentare

Lebensmittelhersteller arbeiten mit fiesen Tricks, um mehr Inhalt zu suggerieren. Viele Kunden fallen beim Einkaufen auf „Mogelpackungen“ rein. 

Die Preise in Deutschland steigen – nicht nur für Sprit, Gas und Strom. Auch die Lebensmittelpreise schießen in die Höhe, wie echo24.de berichtet. Gründe gibt es dafür viele, die aktuell zusammenkommen und sich teilweise gegenseitig bedingen: Schlechte Ernten, Lieferschwierigkeit, der Krieg in der Ukraine, steigende Mindestlöhne und allgemein die Inflation sorgen dafür, dass Einkaufen immer teurer wird. Doch damit nicht genug: Hersteller nutzen außerdem fiese Tricks, um Verbraucher zu täuschen. Die Verbraucherzentrale warnt vor Mogelpackungen.

Mogelpackungen: Mit diesen fiesen Tricks täuschen Lebensmittelhersteller Kunden

Wer kennt es nicht: Die riesige Chipstüte wird aufgerissen – und ist eigentlich nur zur Hälfte voll. In den Karton würden eigentlich viel mehr Teebeutel oder Schokoriegel passen, in der Verpackung befindet sich allerdings mehr Luft als alles andere. Nein, das liegt nicht daran, dass die Produktion von kleineren Verpackungen aufwendiger, teurer oder gar unmöglich ist – das ist alles genau so von vielen Herstellern gewollt.

Denn für den Kunden im Supermarkt oder Discounter bei Kaufland, Aldi, Lidl und Co. sieht die große Verpackung auf den ersten Blick natürlich attraktiv aus. Viele wollen den Einkauf so schnell wie möglich hinter sich bringen – und versäumen dabei, genau hinzuschauen. Und darauf pokern die Lebensmittelhersteller, denn ein genauer Blick auf die Gewichtsangabe oder die Stückzahl kann oftmals schnell Aufschluss darüber geben, ob es sich womöglich um eine Mogelpackung handelt.

Mogelpackungen im Supermarktregal: Mit diesen Tricks arbeiten die Hersteller

„Um mehr Inhalt vorzugaukeln, umgeben Lebensmittelhersteller ihre Produkte oftmals mit unverhältnismäßig viel Luft, operieren mit doppelten Böden, großen Deckeln, dicken Wandungen oder schlicht überdimensionierten Umkartons“, schreibt die Verbraucherzentrale. Laut Mess- und Eichgesetz sind solche Verbraucher-Täuschungen prinzipiell verboten, oftmals fehlen jedoch konkrete Bestimmungen, ab wann eine Mogelpackung als solche gilt.

Zumindest gibt eine Richtlinie vor, dass nicht mehr als 30 Prozent Luft in der Packung sein sollten. Wem eine Mogelpackung in die Hand fällt, der kann diese der Verbraucherzentrale seines Bundeslandes oder den örtlichen Eichämtern melden.

„Verpackungsärger“: Mogelpackungen werden bei Stiftung Warentest angeprangert

Stiftung Warentest hat sogar eine komplette Seite, auf der regelmäßig die neusten Mogelpackungen vorgestellt werden. Wer sich vor dem Einkauf mit den täuschenden Verpackungen vertraut machen möchte – um im Supermarkt oder Discounter Produkte, bei denen getrickst wurde, schneller zu erkennen – kann sich die Mogelpackungen ganz bequem vor dem Einkauf schon mal vom Sofa aus anschauen.

Blick in geöffnete Chipstüte
Mogelpackungen: Lebensmittelhersteller arbeiten mit fiesen Tricks, um mehr Inhalt zu suggerieren. Viele Kunden fallen beim Einkaufen darauf rein. © picture alliance / Zoonar | DesignIt

Einige Produzenten beziehen in der Kategorie „Verpackungsärger“ bei Stiftung Warentest zudem Stellung. In manchen Fällen sollen die großen Verpackungen tatsächlich einen Zweck erfüllen – zumindest laut den eigenen Angaben der Hersteller. „Technische Hintergründe“, „Produktschutz“ und „Qualitätssicherung“ werden oft als Gründe für zu große Packungen genannt. Wie viel Wahrheit darin steckt, muss jeder selbst für sich beurteilen.

Fiese Tricks von Lebensmittelherstellern: Geringere Füllmenge, selber Preis

Richtig fies wird es, wenn die Verpackung die gleiche Größe behält, Hersteller aber still und heimlich weniger Inhalt reinfüllen. Die Grammzahl oder Stückzahl muss zwar auf der Verpackung angegeben sein, doch vielen Verbraucher entgeht schnell, wenn 10, 50 oder 100 Gramm weniger als früher in der Packung sind. Die Verbraucherzentrale rät daher: Genau auf die Füllmenge schauen, vor allem bei Produkten, die bereits seit Jahren gekauft und mittlerweile „blind“ in den Einkaufskorb geworfen werden.

Zusätzlich kann natürlich gespart werden, indem Produkte im Supermarkt verglichen werden. Seit diesem Jahr ist es auch einfacher, den Grundpreis von Markenprodukten mit „No-Name“-Produkten zu vergleichen. Denn: Auf dem Preisschild muss seit dem 28. Mai 2022 einheitlich der Kilopreis angegeben werden.

Kunden sollten vor allem gängige Einkaufstricks kennen. Wer nicht so leicht auf die Maschen von Supermärkten, Discountern und Lebensmittelherstellern reinfällt, kann am Ende jede Menge Geld sparen – trotz allgemein steigender Preise. Diese 7 Tipps helfen beim Einkaufen.

Mogelpackungen: Verbraucherzentralen fordern strengere Richtlinien

Die Verbraucherzentralen fordern unter anderem, dass jede Verpackung „bis zum Rand oder zur Naht gefüllt sein“ sollte, „sofern keine nachweislich technischen Gründe dagegen sprechen“. Zumal unnötig große Packungen auch nicht gerade umweltfreundlich sind.

Im September 2021 wurden die Ergebnisse einer Studie im Auftrag der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) veröffentlicht. Für Umweltschützer dürfte das Ergebnis besonders ärgerlich sein: Jedes Jahr könnten bis zu drei Millionen Mülltonnen in Deutschland eingespart werden, würden Hersteller auf Mogelpackungen und unnötige Zusatzverpackungen verzichten.

„Strengere gesetzliche Regeln könnten einige Verpackungen um bis zu 27 Prozent schrumpfen lassen“, schreibt die Verbraucherzentrale. Das Thema Mogelpackungen betrifft übrigens nicht nur abgepackte Lebensmittelprodukte, sondern auch bei Kosmetik, Putzsachen und vielem mehr wird gemogelt.

Auch interessant

Kommentare