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Bäckereien bieten „Inflationsbrot“ an: „Es muss nicht alles teurer werden“

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Von: Helena Gries

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Die Krise macht kreativ. Einige Bäckereien in Deutschland bieten jetzt „Inflationsbrot“ an. Das soll nicht nur die Kundschaft finanziell entlasten.

Kürten – Die aktuellen Preisexplosionen bekommen auch Bäckereien in Deutschland zu spüren. Nach Angaben des Zentralverbands des Deutschen Bäckerhandwerks betreiben etwa 60 bis 70 Prozent der Bäckereien ihre Öfen mit Gas. Doch auch diejenigen, die auf Strom und Öl angewiesen sind, müssen in Zeiten der Inflation große Preissteigerungen hinnehmen, heißt es in einem Bericht der Tagesschau. Teure Rohstoffe wie Zucker, Mehl und Butter werden zusätzlich zum Problem.

Viele Bäckereien haben die Befürchtung, ihre Kundschaft an Discounter zu verlieren, wenn sie die Preise für ihre Backwaren weiter anheben müssen. Einige Betriebe wollen daher mit kreativen Ideen gegen die Energiekrise ankämpfen und verkaufen „Inflationsbrot“.

Energiekrise und Inflation trifft auch Bäckereien: „Inflationsbrot“ wird gut angenommen

Mario Fritzen beispielsweise bietet in seiner Bäckerei in Kürten (Nordrhein-Westfalen) ein „Inflationsbrot“ für 2,50 Euro an. „Es muss nicht alles teurer werden“ steht auf dem Preisschild. Das Brot wiegt 750 Gramm und kostet wesentlich weniger als die anderen Brot-Sorten in seiner Bäckerei. Die Reaktionen der Kundschaft sind positiv. „Das Angebot wird angenommen, das Brot ist jeden Tag ausverkauft“, erzählt Bäcker Mario Fritzen gegenüber HNA.de von IPPEN.MEDIA.

Bäcker Mario Fritzen mit einem „Inflationsbrot“ vor der Kürtener Landbäckerei.
Bäcker Mario Fritzen mit einem „Inflationsbrot“ vor der Kürtener Landbäckerei. © Facebook/Kürtener Landbäckerei

„Manche Menschen kommen zu uns in die Bäckerei, weil sie von dem Brot im Radio gehört haben“, so Fritzen weiter. Er sieht das „Inflationsbrot“ als Angebot für Kundinnen und Kunden mit wenig Geld, die dennoch in einer Handwerksbäckerei einkaufen wollen. Das Weizenmischbrot ist aktuell das meistverkaufte Brot in der Landbäckerei im Kölner Umland, Gewinn mache die Bäckerei damit jedoch nicht.

„Inflationsbrot“ gegen Energiekrise: Bäckereien wollen auf schwierige Lage aufmerksam machen

In Hilden bei Düsseldorf verkauft Bäcker Roland Schüren „Anti-Inflationsbrot“, welches er aus Brotresten herstellt. Der Biobäcker will so nachhaltiger produzieren. „Wir haben 20 Prozent des Mehlanteils ersetzt durch übriggebliebenes Brot, was wir natürlich getrocknet, gemahlen und geröstet haben“, sagt Schüren gegenüber der Tagesschau.

Mit ihren „Inflationsbroten“ wollen die Bäcker nicht nur gegen die steigenden Preise für Lebensmittel in Deutschland ankämpfen. Sie wollen so vor allem auf ihre schwierige Lage aufmerksam machen. Der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks warnt vor einer Pleitewelle, wenn es keine Entlastung durch den Staat geben wird. „Es muss Hilfe kommen“, betont auch Bäcker Fritzen. Er mache sich andernfalls Sorgen, irgendwann nicht mehr über die Runden zu kommen. (hg)

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