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Aldi, Lidl und Co. umgehen Plastiktüten-Verbot: Supermärkte nutzen umstrittenen Trick

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Von: Stefan Ruhl

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Ein Mann hält zwei gefüllte Plastiktüten in der Hand.
Einige Handelsketten umgehen das Plastiktüten-Verbot. © Sebastian Gollnow/dpa

Die Bundesregierung führt am 1. Januar 2022 ein Plastiktüten-Verbot ein. Aldi, Lidl und Co. umgehen die Regelung und nutzen dafür einen einfachen Trick.

Frankfurt – Trotz des erst am 1. Januar 2022 eingeführten Verbots für Plastiktüten, umgehen Supermärkte wie Aldi, Lidl & Co. und Drogerien die Regulierung für den Verkauf. Hierbei nutzen die Hersteller einen einfachen Trick, der gleichzeitig auch eine große Lücke in der Gesetzgebung aufzeigt.

Einweg-Plastiktüten gehören an den Kassen von Supermärkten und Discountern eigentlich der Vergangenheit an, doch das Tütensortiment ist wieder angewachsen. Grund dafür ist, dass Supermärkte und Discounter, darunter bekannte Namen, wie Aldi oder Lidl, ihre Plastiktüten einige Mikrometer dicker machen und diese damit nicht mehr unter die gesetzliche Einschränkung fallen. Somit kann das muntere Verkaufen weitergehen.

„Das geltende Recht an der Nase herumzuführen, indem sie Einwegtüten einfach minimal dicker machen, schadet der Umwelt. Ich hoffe, dass es nicht schon wieder eine gesetzliche Regelung braucht.“

Umweltministerin Steffi Lemke (Grüne) zur Deutschen Presse-Agentur (dpa)

Verbot von Plastiktüten im Supermarkt: Umweltverbände kritisieren Aldi, Lidl und Co.

Umweltverbände, wie die Deutsche Umwelthilfe (DUH), kritisieren die Praxis von Aldi, Lidl und Co. aufs Schärfste. Man entscheide sich vorsätzlich, Kundinnen und Kunden zu täuschen und die Umwelt weiter zu belasten, nur um eine Einnahmequelle weiter nutzen zu können, so die DUH. Man sehe Handlungsbedarf für eine Nachjustierung des Gesetzes und nötigenfalls die Einführung neuer Beschränkungen. Auch andere Änderungen der Discounter, wie die Beschränkung zur Rücknahme von Pfandflaschen, wird kritisch gesehen.

Die Umwelthilfe wirft Märkten vor, Tüten mit Wandstärken zwischen 50 und 60 Mikrometern anzubieten, um die gesetzliche Regelung zu umgehen. Eine Umfrage unter 13 deutschen Lebensmitteleinzelhändlern und Drogerien hat ergeben, dass dies Praxis sei, hieß es in einer am Donnerstag (16. Juni) veröffentlichten Erklärung. Zuvor hatten RTL und ntv über den Vorgang berichtet.

Gesetz zur Regulierung des Verkaufs von Plastiktüten

Die gesetzliche Regelung zur Regulierung des Verkaufs von Plastiktüten ist eine von vielen Neuerungen, die am 1. Januar 2022 für Supermärkte und Discounter eingeführt wurde. Das Gesetz wurde im Jahr 2020/21 ausgearbeitet und beschlossen und sollte den Verkauf von Plastiktüten im Bereich von Wandstärken von 15 bis maximal 49 Mikrometern regeln. Ausnahme: Das Verbot trifft nicht die sehr leichten Plastiktüten, die bei Obst- und Gemüse oder an Frischetheken genutzt werden. Das Gesetz regelt außerdem keinen Verkauf von Plastiktüten im Bereich von Wandstärken zwischen 50 und 60 Mikrometer oder größer. Ziel ist es, den Plastikmüll bis 2025 deutlich zu reduzieren. Am 1. Januar 2022 trat das Gesetz in Kraft.

Plastiktüten-Verbot bei Aldi, Lidl & Co.: EU-Recht schränkt Handlungsrahmen ein

Aktuell verbietet das EU-Recht die Einschränkung von dickwandigen Plastiktüten. Um weitere Regulierungen einführen zu können, müsste somit ein langwieriger Prozess im EU-Parlament und der EU-Kommission angestoßen werden. Erst danach kann ein nationaler Handlungsspielraum vergrößert werden.

In Deutschland wurden 2019 laut Bundesumweltamt, noch vor der Einführung des Plastiktüten-Verbots, 1,5 Milliarden leichte Plastiktüten mit Wandstärken unter 50 Mikrometern in Umlauf gebracht. Eine Dimension, die nachdenklich macht. (stru)

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