Uelzener haben Friedhöfe in Stadt und Kreis Uelzen erforscht

Zwischen Trauer und Erholung

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Ein Grabstein auf dem alten Friedhof in Wriedel weist auf ein tragisches Schicksal hin: Fünf Kleinkinder aus Flüchtlingsfamilien haben im Februar und März die Strapazen eines Trecks nicht überstanden.

Uelzen/Wriedel. „Auf Friedhöfe zu gehen, kann ein schönes Erlebnis sein“, sagt Friedrich Brüning anlässlich des morgigen Totensonntags. Dass viele Menschen diese Anlagen und somit auch Begräbnisse als eine Art Tabu betrachten, hält er nicht mehr für zeitgemäß.

„Ich glaube, das Tabu baut sich ab. “ So bieten viele Friedhöfe seiner Ansicht nach eine angenehme Erholungslandschaft. Und der Uelzener spricht aus Erfahrung: Gemeinsam mit Uwe Harnack und Angelika Weber hat er im jüngsten Band der vom Museums- und Heimatverein des Kreises Uelzen e. V. herausgegebenen „Uelzener Beiträge“ über mehr als 90 Friedhöfe in Stadt und Kreis Uelzen berichtet.

Einer der Friedhöfe ist für Brüning ein ganz besonderer: Der älteste, der in Wriedel liegt. „Die erste Wriedeler Kirche stammt aus dem Jahr 1325 und wurde 1544 vergrößert“, beschreibt das Autorentrio. Auf dem umgebenden Friedhof seien Bestattungen durchgeführt worden, und offenbar auch in der alten Kirche. Eine Eintragung im Kirchenbuch von Wriedel dokumentiere, dass dort drei Offiziere beigesetzt wurden, die bei Kämpfen des Siebenjährigen Krieges 1757 in der Nähe von Wriedel ums Leben kamen. Der Grabstein von Oberstleutnant Friedrich-Wilhelm von Alvensleben steht heute noch im Turmraum der neuen Kirche.

Das Langhaus der alten Kirche wurde im Laufe der Zeit abgerissen und 1827 bis 1829 durch einen Neubau ersetzt. Gleichzeitig habe der Friedhof seine Kapazitätsgrenze erreicht, 1828 wurde er erweitert. An dem alten Friedhof ist auch eine Grabstele zu finden, die auf das tragische Schicksal von fünf Kleinkindern im Alter von einem und zwei Jahren hinweist, die im Februar und März 1945 gestorben sind. „Es waren Kinder von Flüchtlingsfamilien, die die Strapazen des Trecks nicht überstanden hatten“, erläutern Brüning, Harnack und Weber. Bestattet wurden die Kinder auf dem neuen Friedhof der Kirchengemeinde Wriedel.

Das Buch „Friedhöfe in Stadt und Kreis Uelzen“ ist beim Museums- und Heimatverein im Schloss Holdenstedt und im Handel erhältlich.

Von Diane Baatani

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