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Uelzen: Zuschauer-Reihen bleiben leer, Kulturveranstaltungen kaum gefragt

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Von: Theresa Brand

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Leere Reihen vor der Bühne
Leere Zuschauerrreihen, abgesagte Vorstellungen – der Kulturbetrieb leidet unter den Auswirkungen der Pandemie und den vielen Krisen, die das Publikum fernhält. © Reuter, Norman

Absagen, Auftritte vor fast leeren Zuschauer-Reihen und aufgeschobene Veranstaltungen – obwohl die meisten Einschränkungen durch die Pandemie nicht mehr gelten, kommen viele Kulturbetriebe nicht wieder auf einen grünen Zweig.

Uelzen/Landkreis – „Guten Tag, aufgrund der schlechten Buchungslage sehen wir uns gezwungen, folgende Veranstaltung abzusagen und zu verschieben.“ Eine Nachricht, wie sie in den vergangenen Monaten immer wieder zu lesen ist. Auch für diesen Sonnabend muss das Neue Schauspielhaus in Uelzen den geplanten Auftritt des Kabarettisten Holger Paetz absagen, denn der Vorverkauf läuft so schlecht, dass sich die Veranstaltung nicht rentieren würde.

„An Kultur wird als Erstes gespart“

„Seit 2020 hat sich für unser Haus eine Menge verändert“, erklärt Johannes Vogt-Krause, erster Vorsitzender des Neuen Schauspielhauses. Waren die Veranstaltungen bis dahin pro Jahr etwa zu rund 60 Prozent ausgelastet, so sind es nun noch knapp 30. Als Grund für diese Entwicklung vermutet Vogt-Krause mehrere Faktoren: „Neben der Furcht vor einer Infektion stellen sich zur Zeit vermutlich viele die Frage: Kann ich mir das leisten?“ Denn Inflation und Energiekrise treffen besonders diejenigen, die „finanziell nicht gerade auf Rosen gebettet sind“, wie der Vorsitzende sagt. „Es ist ein alter Hut, wenn ich sage: An Kultur wird als erstes gespart – auch von öffentlicher Hand.“

Was ihn verwundert, ist der starke Unterschied von Veranstaltung zu Veranstaltung: „Schauen Sie sich Fußballstadien an oder die Shows von Helene Fischer. Die sind völlig ausverkauft. Auch bei uns gibt es immer wieder Aufführungen, die für volles Haus sorgen.“ So war beispielsweise die Bohlser Bühne mit ihrem neuen Stück im Neuen Schauspielhaus und konnte sogar die Karten für einen kurzfristigen Zusatztermin innerhalb weniger Tage komplett an den Mann bringen.

Doch das ist eine Ausnahme. Oft werden im Voraus so wenige Karten verkauft, dass sich Vogt-Krause zwei Wochen vor dem Termin mit den Agenten oder Künstlern treffen muss, um zu besprechen, wie man weiter vorgeht. Schließlich kostet es auch Geld, ein Theater zu betreiben – und die Künstler wollen ihre Gage sehen, übernachten, essen, haben Fahrtkosten. Die Absagen fallen Vogt-Krause schwer: „Es ist ein Geständnis des Scheiterns“.

Verantwortung auch für Künstler

Hinzu kommt für Vogt-Krause ein weiterer Faktor, der Absagen schwierig macht. „Wir sind nicht nur für das Theater verantwortlich, wir wollen auch den Künstlern eine Bühne bieten“, sagt er. Schließlich bestreiten sie ihren Lebensunterhalt mit Auftritten. Um dieser doppelten Verantwortung weiter nachzukommen, hat das Neue Schauspielhaus vor einigen Wochen eine Spendenaktion ins Leben gerufen. Dieses Geld ermöglicht ihm nun, dass auch weiterhin Auftritte mit geringer Auslastung stattfinden können und die Arbeiten am Brandschutz weitergehen.

Ein Teufelskreis

Ähnliches berichtet auch die Geschäftsführerin des Uelzener Kulturkreises, Birte Ebermann. Im Theater an der Ilmenau sind zum Beispiel Veranstaltungen für Familien oft gut besucht, andere hingegen kaum. „Vielleicht ist durch die Nachrichten über Krieg auch die Lust gedämpft, ins Theater zu gehen, vermutet sie. Was Corona betrifft, glaubt sie eher an ein diffuses Gefühl, das die Menschen verunsichert. Trotz geringer Auslastung hat sie bislang aber noch keine Veranstaltung abgesagt: „Wir möchten dem Publikum Verlässlichkeit bieten, auch wenn es manchmal schmerzlich ist.“ Denn auch bei wenigen Zuschauern und wirtschaftlichen Verlusten ist sie der Ansicht, dass Absagen einen Teufelskreis in Bewegung setzen. „Nach einer Absage sind die Vorverkäufe für die nächste Veranstaltung zögerlich, sodass die dann auch abgesagt wird – also machen wir weiter“, erklärt sie.

Der Blick in die Zukunft ist ungewiss. Fest steht aber, dass beide weiter versuchen, die Kultur zu erhalten.

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