Gegner sehen Ortolan als große A39-Hürde / Rastplatz: Standort-Prüfung dauert an

Der Zugvogel und die Autobahn

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Vogel contra Verkehrsprojekt: Der Ortolan ist nach Auffassung von Autobahngegnern ein gewichtiges Argument gegen den Bau der A39. Die Planer sehen das gelassen.

Wittingen. „Scheitert die A 39 jetzt auch am Ortolan?“ Das fragt der Landesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (LBU) in einer seiner jüngsten Pressemitteilungen zu der geplanten Autobahn.

Bisher war zwar nicht bekannt, dass das Bauvorhaben überhaupt scheitert, doch der LBU glaubt offenbar fest daran, dass der Zugvogel aus der Familie der Ammern dem Projekt nun den Todesstoß versetzen wird.

Wenn dem so sein sollte, dann lässt man es sich bei der Planungsbehörde in Lüneburg zumindest nicht anmerken. Deren Leiter Dirk Möller gibt jedenfalls zu Protokoll, dass die Sache mit dem Ortolan nichts Neues ist – das Vorkommen des Vogels im Planungsgebiet zwischen Uelzen und Bad Bodenteich sei bereits seit dem Raumordnungsverfahren bekannt. Dieses ist seit mehr als vier Jahren abgeschlossen.

Der LBU verweist nun darauf, dass die Autobahntrasse rund 70 Brutpaare im Landkreis Uelzen vom Rest der Population abtrenne und in ihrer Existenz bedrohe – der Kreis Lüchow-Dannenberg und der östliche Kreis Uelzen gelten als Schwerpunkte der Ortolan-Brut in Norddeutschland.

Das Bundesumweltministerium habe auf die Problematik hingewiesen, betont LBU-Sprecher Eckehard Niemann, der früher für den Dachverband der Bürgerinitiativen gegen die A39 gearbeitet hat, und auch die EU werde die Ortolan-Trennung nicht hinnehmen.

Chefplaner Möller sagt dazu, dass seine Behörde längst an einer Lösung arbeite. Man wolle sicherstellen, dass der Bestand der Population „trotz der A 39 gesichert bleibt“. Dafür sei im Vorfeld des Autobahn-Baus ein Konzept gefordert. Darin werde es um zwei wesentliche Maßnahmen gehen: Zum einen sollen für den Ortolan Gehölzstreifen geschaffen werden, zum anderen strebe man Vereinbarungen mit Landwirten über extensive Bewirtschaftung von Ackerrandstreifen an.

Der LBU sieht das skeptisch: Die Bauern hätten solche Verträge bisher nicht unterschrieben, weil die Folgen zu unrentabler Bewirtschaftung führten, die im Gegenzug angebotenen Prämien seien nicht attraktiv genug, und die Landwirte fürchteten auch Beeinträchtigungen beim Bau von Biogasanlagen. Zudem, so Günter Schäfers als Sprecher der LBU-Regionalgruppe Ostheide, hätten die Verantwortlichen versäumt, das neue Programm bei der EU genehmigen zu lassen, weshalb eventuell sogar bereits abgeschlossene Verträge rückgängig gemacht werden müssten.

Unterdessen gibt es bei der konkreten Ausgestaltung der A39 im Wittinger Raum noch keine neuen Fakten. In einem Radio-Beitrag soll gestern die mögliche Verlegung der Rastplätze bei Uelzen und bei Wittingen thematisiert worden sein. Laut Möller sind in dieser Hinsicht aber nach wie vor keine Würfel gefallen. Die Verlegung werde noch geprüft, man werde dieses Verfahren „in den nächsten Monaten abschließen“.

Hinsichtlich der in die Kritik geratenen Abrückung der Autobahntrasse vom Kanal um rund 100 Meter gibt es ebenfalls keine Veränderungen – der größere Abstand ist weiterhin Planungsstand. Mit Blick auf den künftig möglicherweise gekappten Verbindungsweg von Glüsingen nach Hahnenberg ist auch alles beim Alten: Stadtbürgermeister Karl Ridder hat dazu „keine neuen Informationen“ erhalten.

Gegenstand von Spekulationen bleibt derweil auch der Baubeginn der A 39: Der Landtagsabgeordnete Klaus Schneck geht unter Berufung auf Informationen aus dem Bundes-Verkehrsausschuss davon aus, dass nicht vor 2015 gebaut wird – entgegen Ankündigungen, die im Spätsommer aus dem Verkehrsministerium kamen. Auch der SPD-Bundestagsabgeordnete für Gifhorn, Hubertus Heil, hat diesen Informationsstand: Bis 2015 werde es angesichts der Unterfinanzierung des Verkehrshaushaltes wohl keine neuen Projekte geben.

Allerdings: Das Bundesverkehrsministerium plant für 2012 ein 1,2 Milliarden Euro schweres Konjunkturprogramm Straßenbau, zudem ist nach Informationen der Allgemeinen Zeitung Uelzen für die A39 eine neue Wirtschaftlichkeitsrechnung geplant. Beides sind Faktoren, die eine verlässliche Prognose zum Baubeginn derzeit erschweren.

Von Holger Boden

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