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Zivilklage um unglücklichen Sturz beim Anschiebevorgang eines Motorrades

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Von: Lars Becker

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Am Amtsgericht trafen sich ein Motorradfahrer und ein Mann, der ihn vor mehr als einem Jahr angeschoben hatte und dabei gestürzt war, im Zivilprozess wieder.
Am Amtsgericht trafen sich ein Motorradfahrer und ein Mann, der ihn vor mehr als einem Jahr angeschoben hatte und dabei gestürzt war, im Zivilprozess wieder. © Lars Becker

Weil er beim Anschieben gestürzt ist und sich am Knie verletzt hat, hat ein Mann aus dem Landkreis einen Motorradfahrer auf Schmerzensgeld und Schadensersatz verklagt. Der Fall ist aber knifflig.

Uelzen – Trifft einen Motorradfahrer eine (Mit-)Schuld, wenn eine Person, die ihn anschiebt, dabei stürzt und sich verletzt? Mit dieser Fragestellung hat sich jetzt Richterin Ohl am Amtsgericht Uelzen in einem Zivilprozess befassen müssen. Nachdem eine gütliche Einigung gescheitert war, fordert der Kläger ein Schmerzensgeld in Höhe von 500 Euro sowie einen Schadenersatz in Höhe von 50 Euro für eine kaputte Hose – der Beklagte beantragte, die Forderungen abzuweisen. Die Entscheidung wird Ende des Monats verkündet.

Am 20. Februar 2021 hatte der Motorradfahrer aus dem Landkreis Uelzen auf einem Tankstellengelände in Wrestedt seine Maschine nicht mehr starten können und deshalb einen Mann um Hilfe gebeten. Der willigte ein, schob das Zweirad an, fiel aber zu Boden und verletzte sich an Knie wie Hand. Der genaue Ablauf wird von den Streitparteien unterschiedlich geschildert – und die Ursache des Sturzes konträr bewertet: Gab der Motorradfahrer zu viel Gas oder war der „Anschieber“ selbst unachtsam?

Zeugen-Devise: Nichts gehört - nichts gesehen

Drei Zeugen wurden gehört, nachdem der letzte Versuch einer Einigung gescheitert war, die Richterin Ohl („Die Sache ist ganz blöd gelaufen. Sagt man da nicht, wir kommen zueinander? Der Kläger wollte doch helfen.“) angestrebt hatte.

Hilfreich waren die Zeugenaussagen indes kaum: Eine Frau konnte sich fast an nichts mehr erinnern, die Lebensgefährtin des gestürzten Mannes hatte mit dem Rücken zur Szenerie gestanden und auch dessen Tochter hatte nichts gesehen und erst reagiert, als der Vater auf allen Vieren am Boden lag.

„Wenn er nicht richtig laufen kann, kann ich doch nichts dafür“

Der beklagte Motorradfahrer verstand im Gerichtssaal die Welt nicht mehr. Es habe sich um einen lapidaren Anschiebevorgang gehandelt, den er zuvor erklärt habe: „Wenn er nicht richtig laufen kann, kann ich doch nichts dafür. Ich hätte mich ja geeinigt und wollte die Hose ersetzen. Aber dass er sich jetzt an der Sache bereichern will, passt mir gar nicht.“

Die Klägerseite – anwaltlich beraten – schilderte die Abläufe anders. Der Gestürzte, der nie zuvor ein Motorrad, sondern nur Autos angeschoben hatte, behauptete, der Fahrer sei „volle Pulle losgefahren“, deshalb sei er „ins Straucheln geraten“. Die Lebensgefährtin hatte den Motor „aufheulen“ hören, die Tochter vernahm, „dass er halt Gas gegeben hat“.

Ausgang des Prozesses völlig offen

Das bestritt der Motorradfahrer nicht – er habe aber wenige Meter weiter an der Straße anhalten müssen und dann erst bemerkt, dass der Helfer gestürzt war. Es folgte wohl eine Einigung, dass der Fahrer die kaputte Hose ersetzen sollte – Personalien wurden ausgetauscht. Dazu sollte womöglich die Versicherung eingeschaltet werden.

Strittig war die Summe. Es gab Briefe vom Rechtsanwalt und nun den Prozess – Ausgang offen. Richterin Ohl: „Es gibt Risiken, die ich auf beiden Seiten sehe.“ Der Kläger müsse eine Rechtsgutverletzung beweisen. Fraglich sei aber auch, ob der Fahrer den Helfer korrekt aufgeklärt habe und eine Mitschuld trage.

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