Wrestedter Landwirte beweisen Einfallsreichtum beim Corona-Schutz

Im Zickzack-Kurs aufs Erdbeerfeld

Andrea Seeßelberg (links) und ihre Kollegin Gillian Kaupke inmitten der Erdbeerplantage am Ortsrand von Wrestedt.
+
Andrea Seeßelberg (links) und ihre Kollegin Gillian Kaupke inmitten der Erdbeerplantage am Ortsrand von Wrestedt.

Wrestedt – Der Weg auf das Erdbeerfeld am westlichen Ortsrand von Wrestedt verläuft in Schlangenlinien. Mit Absperrband ist der Eingangsbereich trassiert. Der Zickzack-Kurs mutet wie die Wartezone vor einem Check-in-Schalter an.

„Viele Besucher fragen: ,Bin ich hier auf dem Flughafen?‘, erzählt Andrea Seeßelberg und lacht. Doch einen Reisepass muss man nicht vorzeigen, es gibt auch keine Bordkarten. Vielmehr handelt es sich um Vorkehrungen auf der Selbstpflücker-Plantage zum Schutz vor dem Coronavirus.

1996 haben Andrea Seeßelberg und ihr Mann Carsten den Betrieb von dessen Vater Christian Seeßelberg in Wrestedt übernommen. Schon seit 1992 werden dort Erdbeeren angebaut. Doch eine Situation wie in diesem Jahr haben die beiden Nebenerwerbs-Landwirte noch nicht erlebt. Die Corona-Auflagen haben zu einem völlig neuen Denken geführt – und sie machen erfinderisch.

Zwei Eimer Erdbeeren haben Fynn Luka Lorbeer und sein Vater Ingo gestern auf dem Feld gepflückt.

So haben die Seeßelbergs einen separaten Ein- und Ausgang zur Plantage geschaffen. Es gibt eine Hygienestation mit einem Handwaschbecken und Desinfektionsmittelspender. Danach geht es ins Zelt, wo der Verkaufstresen und die Laufwege durch Plastikfolien und Behelfswände abgetrennt sind. Die Zahl der Besucher im Zelt wird begrenzt, um den Mindestabstand von 1,50 Meter einhalten zu können. Zudem müssen dort Mund-Nasen-Masken getragen werden.

In Schlangenlinien führt der Weg vom Eingang bis zum Zelt, abgetrennt durch Flatterband.

Das ist auf dem 1,2 Hektar großen Erdbeerfeld aber nicht erforderlich. Dort wartet bereits Mitarbeiterin Gillian Kaupke. Sie trägt eine orangefarbene Warnweste, weist den Besuchern jeweils eine Pflückreihe zu und achtet darauf, dass sich niemand zu nahe kommt. Mit einem Funkgerät ist Gillian Kaupke mit ihrer Kollegin im Zelt verbunden. „Falls es mal einen Ansturm gibt und ich die Leute auf die andere Seite des Feldes schicken muss“, erklärt sie. Die Arbeit im Freien ist mitunter anstrengend. „Letzte Woche war es sehr heiß“, erzählt Gillian Kaupke, die sich aber zu helfen wusste: „Ich habe einfach einen Regenschirm aufgespannt, der mir Schatten gespendet hat.“

Die Pandemie habe die Atmosphäre beim Pflücken verändert, bedauert Andrea Seeßelberg. Vor Corona sei das Feld ein Ort der Begegnung gewesen. „Menschen, die sich lange nicht gesehen hatten, saßen auf den bereitgestellten Stühlen und unterhielten sich. Kinder spielten auf dem Spielplatz, Eltern picknickten, die Stimmung war gelöst“, berichtet sie. Doch in diesem Jahr sei alles viel verhaltener. Außerdem wurde der Spielplatz abgebaut – eine Vorsichtsmaßnahme im Zuge der Pandemie.

Auf der Wrestedter Plantage wird übrigens nur eine einzige Erdbeersorte angebaut. „Es ist die beliebteste, weil sie am süßesten ist“, erklärt Andrea Seeßelberg. Werbung hat sie für diese spezielle Sorte aber bewusst nicht gemacht. „Sie heißt tatsächlich Korona“, verrät Seeßelberg und fügt schmunzelnd hinzu: „Aber Gott sei Dank mit einem K.“

VON BERND SCHOSSADOWSKI

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare