„Wir stehen an der vordersten Front“

Wrestedter Mediziner Dr. Horst Rennekamp fordert rasche Corona-Impfungen für Praxisärzte

Dr. Horst Rennekamp aus Wrestedt
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Dr. Horst Rennekamp aus Wrestedt kritisiert die Corona-Impfverordnung des Landes und die Umsetzung im Kreis Uelzen. Er fragt sich, warum nicht alle Praxisärzte und deren Personal in der ersten Gruppe geimpft werden.
  • Bernd Schossadowski
    vonBernd Schossadowski
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Wrestedt – Er ist seit 1983 niedergelassener Facharzt für Allgemein- und Innere Medizin in Wrestedt und hat in seiner beruflichen Laufbahn schon vieles gesehen. Doch eine solche Situation wie während der aktuellen Corona-Pandemie hat Dr. Horst Rennekamp noch nie erlebt.

„Wir Hausärzte und das medizinische Personal stehen an der vordersten Front. Aber beim Impfen werden wir nicht berücksichtigt“, ärgert sich der 74-Jährige im AZ-Gespräch.

Rennekamp kann die Impfpraxis des Landes Niedersachsen nicht verstehen. Wie berichtet, sollen zunächst nur Bewohner von Alten- und Pflegeheimen sowie über 80-Jährige gegen Corona geimpft werden. Niedergelassene Ärzte und deren Angestellte, die wegen des Kontakts mit Patienten täglich dem Risiko einer Corona-Infektion ausgesetzt seien, würden aber außen vor gelassen.

Kritische E-Mails an zwei Ministerien

„Dabei sind wir Ärzte hochgradig gefährdet. Wir können uns jeden Tag in der Praxis anstecken“, warnt Rennekamp. „Wenn wir nicht geschützt werden, bricht das gesamte Rettungssystem zusammen.“ Der Mediziner erzählt, er habe ältere Patienten, die zu ihm gesagt hätten: „Lass du dich lieber impfen. Mit über 80 Jahren brauche ich das nicht mehr.“

Rennekamp hat daher vor Kurzem eine E-Mail an Niedersachsens Sozialministerin Carola Reimann (SPD) und Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) geschickt und darin die Impf-Priorisierung des Landes kritisiert. Eine Antwort hat Rennekamp bisher nicht erhalten.

Auch der Virchowbund, der Verband der niedergelassenen Ärzte in Deutschland, übt scharfe Kritik an der aktuellen Impfverordnung des niedersächsischen Sozialministeriums. Dass Ärzte in der ambulanten Versorgung vorerst keine Corona-Schutzimpfung erhalten sollen, habe sie „zutiefst schockiert“, sagt Dr. Frauke Wulf-Homilius, Vorsitzende der Landesgruppe Niedersachsen/Bremen im Virchowbund. „Der Beschluss des Ministeriums ist fahrlässig und muss sofort zurückgenommen werden.“ Die ambulant tätigen Ärzte bildeten „den Corona-Schutzwall, der die Krankenhäuser entscheidend entlastet“.

Die Impfpraxis hält er für unübersichtlich

Rennekamp richtet seine Kritik aber auch an den Landkreis Uelzen. Dessen Impfpraxis sei unübersichtlich. Manche Alten- und Pflegeheime hätten noch einzelne Impfdosen übrig, die sie den Ärzten verabreichten. Doch die Vergabe des Vakzins müsse viel gleichmäßiger gesteuert werden, fordert Rennekamp. Er fragt sich: „Warum hat der Landkreis nicht den Mut, alle niedergelassenen Ärzte zu impfen?“

Der Landkreis orientiere sich an der aktuellen Coronavirus-Impfverordnung, sagt Kreissprecher Martin Theine auf AZ-Anfrage. Darin sei die Reihenfolge der Anspruchsberechtigten für eine Schutzimpfung klar festgelegt. „Viele Personengruppen – wie auch die niedergelassenen Hausärzte – haben aufgrund der Vielzahl täglicher Kontakte ein erhöhtes Ansteckungsrisiko. Die Verfügbarkeit des Impfstoffes macht jedoch eine Priorisierung erforderlich“, betont Theine. Die Impfung aller Hausärzte sei in der Verordnung nicht vorgesehen. Die Vorgaben von Bund und Land seien eng und ließen „grundsätzlich kein Überspringen von Prioritätsstufen der höheren in die höchste Priorität zu“, erklärt Theine mit Blick auf die niedergelassenen Ärzte.

Rennekamp selbst hatte unterdessen Glück: Ihm wurde am Mittwoch kurzfristig eine Corona-Impfung im Altenheim in Lüder angeboten. Dort sei noch eine einzelne Dosis vorhanden, er müsse aber sofort vorbeikommen, hieß es. „Ich nahm diese Empfehlung natürlich an. Somit bin ich gegen Covid-19 geimpft worden“, sagt er.

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