Warnung vor langen Schließzeiten in Wieren / SPD/Grüne/Dr. Hintze fordern Umgehungsstraße

Wenn die Schranken sich senken

Wenn die Schranken sich auf der Landesstraße 270 in Wieren schließen, bildet sich schnell ein Stau von mehreren Fahrzeugen. Die Gruppe SPD/Grüne/Dr. Hintze fordert eine Umgehungsstraße.

Wieren. Alltag in Wieren. Die Schranken senken sich. Bis der Regionalexpress aus Salzwedel am Bahnhof wieder anfährt, haben sich auf der Landesstraße 270 neun Fahrzeuge in Richtung Uelzen aufgestaut.

Bislang warten Autofahrer pro Zug zwei Minuten und 40 Sekunden, hat die Bahn ermittelt. 2030, nach dem geplanten zweigleisigen Ausbau der Strecke Uelzen-Stendal, wird es eine Minute mehr sein (AZ berichtete). Die gesamte Schließzeit summiert sich dann sogar auf 35 bis 36 Minuten tagsüber (jetzt: neun bis zehn Minuten), nachts sind es dann 42 bis 43 Minuten. Diese Zahlen rufen jetzt auch die Kommunalpolitik auf den Plan.

„Diese Zahlen machen betroffen, bedeutet dies doch, dass Wieren faktisch geteilt wird“, meint Sylvia Meier, Sprecherin der Gruppe SPD-Grüne-Dr. Hintze im Rat der Samtgemeinde Aue. „Der Straßenverkehr kommt damit quasi zum Erliegen. Rettungsdienste und Feuerwehr stehen im Einsatzfall vor einer unüberwindlichen Barriere.“

Da der Bau einer Brücke über die Gleise oder eines Tunnels kaum möglich sei, fordert die Gruppe eine Ortsumgehung mit einer Bahnüber- oder -unterführung. Dabei müssten auch die Bemühungen des Fleckens Bodenteich um eine Ortsentlastungsstraße berücksichtigt werden. Mit den Bewohnern der Orte solle diskutiert werden, welche Alternative die Samtgemeinde weiterverfolgen soll. Und diese Probleme könnten auch Stederdorf, Drohe, Soltendieck, Könau oder Niendorf II betreffen.

„Es ist fünf vor zwölf!“, mahnt Sylvia Meier. „Der Zeitdruck entsteht vor allem dadurch, dass die für eine Lösung notwendigen Planungsverfahren mindestens acht bis zehn Jahre bis zur Realisierung in Anspruch nehmen werden.“

Für eine Befragung setzen sich auch die Gruppe CDU/WGA im Wrestedter Gemeinderat und der Verein Wieren 2030 ein. Dieser fragt sich zudem, ob eine Warteschlange überhaupt bis zur nächsten Schließung der Schranken abgebaut wird. Der Arbeitskreis Handel, Handwerk und Gewerbe hat auf seiner Vollversammlung beschlossen, alle Gewerbebetriebe zu befragen, welche Verkehrsführung sie sich wünschen, denn eine Umgehung könnte sie auch von ihren Kunden abschneiden.

Auch Samtgemeindebürgermeister Michael Müller macht sich Sorgen – vor allem um den Rettungsdienst. „Was ist, wenn ich mit Herzinfarkt oder Schlaganfall ins Krankenhaus muss?“, fragt Müller, der in Stadensen wohnt. Der Landkreis müsse sein Rettungsdienstkonzept an den Bahnausbau anpassen. Die gesetzliche Hilfsfrist, innerhalb derer ein Krankenwagen in 95 Prozent der Fälle am Einsatzort eintreffen muss, beträgt in Niedersachsen 15 Minuten.

Die Sprecherin des Landkreises, Dr. Julia Baumgarten, verweist darauf, dass der Baubeginn für das zweite Gleis erst 2025 vorgesehen ist. „Der Landkreis wird insbesondere mögliche Auswirkungen auf den Rettungsdienst im Landkreis Uelzen intensiv prüfen ebenso wie mögliche Handlungsnotwendigkeiten.“

Von Gerhard Sternitzke

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