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Weggeräumte Absperrungen und illegale Abkürzungen: Polizei ahndet Verstöße

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Von: Bernd Schossadowski

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Verkehrskontrolle in Esterholz
Verkehrskontrolle in Esterholz: Polizeibeamte haben am Donnerstagabend das Durchfahrtsverbot im Ort überwacht. Dabei wurde auch dieses Auto angehalten, der Fahrer musste ein Bußgeld von 50 Euro zahlen. © Schossadowski, Bernd

Viele Auto- und Lkw-Fahrer missachten das aktuelle Durchfahrtsverbot in Esterholz. Unter anderem räumen sie Absperrungen zur Seite. Die Polizei hat jetzt bei einer Kontrolle etwa zwei Dutzend Bußgelder wegen Verstößen verhängt.

Esterholz – Gelbe Absperrgitter mit rot-weiß gestreiften Baken, dazu das Verkehrszeichen „Durchfahrt verboten“: Eigentlich müsste klar ersichtlich sein, dass die L 270 im Bereich des Esterholzer Kreuzes derzeit voll gesperrt ist. Der Grund sind die geplanten Bauarbeiten für den Kreisverkehr. Doch immer wieder ignorieren Autofahrer das Verbot. Manche gehen dabei sogar äußerst dreist vor. Eine Polizeikontrolle am Donnerstagabend hat Haarsträubendes zutage gefördert – Wildwest in Esterholz.

Etwa zwei Dutzend Bußgelder verhängen die drei Polizeibeamten während der knapp zweistündigen Aktion. Unter anderem kontrollieren sie, ob tatsächlich nur Anlieger, wie per Verkehrsschild angeordnet, durch Esterholz fahren. Doch immer wieder nutzen Auswärtige die Abkürzung durch den Ort, weil sie sich die ausgeschilderte Umleitung über Suhlendorf, Soltendieck und Bad Bodenteich sparen wollen. Verstöße ahnden die Beamten mit jeweils 50 Euro. Für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen wird es noch teurer – bei ihnen sind 100 Euro Bußgeld fällig.

Streifenwagen nimmt die Verfolgung auf

Und dann gibt es noch völlig Unbelehrbare. „Wir haben vorhin gesehen, wie ein Autofahrer die Absperrung auf der L 270 einfach zur Seite geräumt hat und durchgefahren ist“, berichtet ein Polizeibeamter der AZ am Donnerstagabend. Als der Fahrer bemerkte, dass er dabei von der Polizei beobachtet wurde, wendete er kurzerhand und fuhr in die Richtung davon, aus der er gekommen war. Die Polizei verfolgte den Flüchtenden mit einem Streifenwagen und stoppte ihn schließlich auf einem schmalen Weg neben der L 270.

Das ist jedoch kein Einzelfall, weiß Anwohner Ralf Bartel. „Von 5 bis 5.30 Uhr morgens habe ich allein 15 Autos gezählt, die durch die Absperrung auf der L 270 gefahren sind“, sagt er. Manche räumen die Sperrgitter zur Seite, andere schlängeln sich einfach rechts daran vorbei. Das von Reifen plattgedrückte Gras im Seitenraum der Straße ist unübersehbar. „Die fahren über den Radweg und sind fast im Straßengraben drin“, ärgert sich Bartel. Sein Nachbar erzählt, er habe schon mehrfach Autofahrer auf das Durchfahrtsverbot angesprochen. Unrechtsbewusstheit hätten diese aber nicht gezeigt. „Die werden patzig und bedrohen einen.“

Manche sind mit Tempo 80 unterwegs

Doch auch auf der Anliegerstraße in Esterholz wird oft rücksichtslos gefahren, hat Anwohnerin Marion Mazouz-Sauss beobachtet. „Die jagen hier manchmal mit 80 Sachen durch.“ Es seien aber nicht nur ortsfremde Autos, sondern auch Lastwagen unterwegs. In der Nacht zum Mittwoch habe sie einen gehörigen Schreck bekommen. Um 1 Uhr früh sei sie durch ein Motorengeräusch wach geworden. „Als ich aus dem Schlafzimmerfenster schaute, fuhr gerade ein Lkw eine Handbreit von meiner Hauswand entfernt vorbei“, schildert sie. „Der hat wohl die Kurve nicht richtig gekriegt.“

Morgens und abends im Berufsverkehr sei die Verkehrsbelastung im Ort besonders schlimm, erzählt ihre Tochter Katrin Brandenburg. Sie hat am Mittwoch zwischen 7 und 8 Uhr insgesamt 23 durchfahrende Autos gezählt, deren Fahrer keine Anlieger sind. Deshalb machen sich viele Esterholzer Sorgen. „Unsere Kinder lassen wir aktuell nicht mehr auf die Straße“, sagt Torben Baucke. „Wenn die Autos wenigstens langsam fahren würden. Ich frage mich, warum so viele der Meinung sind, sie kommen hier irgendwie durch.“

Die Polizei habe die Situation in Esterholz weiterhin im Blick, betont Pressesprecherin Julia Westerhoff. „Wir werden dort auch in Zukunft stichprobenartig Kontrollen durchführen – egal zu welcher Tages- und Nachtzeit.“

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