Der querschnittsgelähmte Thomas Schulz bildet Kollegen zum Behinderten-Tauchlehrer aus

Tauchlehrer werden trotz Behinderung

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Der querschnittsgelähmte Tauchlehrer Thomas Schulz bildet im Sommerbad Stadensen Tauchlehrer weiter und bringt Behinderten das Tauchen bei.

Stadensen/Heuerstorf. „Hier bin ich der eine am Beckenrand im Rollstuhl, im Wasser aber bin ich einer von vielen“, sagt der querschnittsgelähmte Tauchlehrer Thomas Schulz im Sommerbad Stadensen.

Dort legen gerade zwei Tauchlehrer aus Freiburg und Lüneburg ihre Prüfung ab – damit sie künftig Behinderten das Tauchen beibringen können.

„Die Herausforderung ist jedes Mal eine andere“, erklärt Thomas Schulz, während der taube Holger seinem Tauchlehrer Jens von den Lippen liest und auf seine Handzeichen achtet. Die Umstellung unter Wasser sei in diesem Fall nicht groß, da man sowieso unter Wasser Zeichen benutzt. Doch bei einem Blinden geht das nicht, da bleiben nur Berührungen. Dann heißt zum Beispiel zweimal drücken: „Alles in Ordnung.“

„Tauchen ist einfach ein tolles Gefühl. Die Schwerelosigkeit ist faszinierend“, schwärmt Schulz. Diese Freude will er mit anderen Menschen mit Handicap teilen. Deshalb bringt er ihnen das Tauchen bei. „Wenn ich sehe, dass ein Vater am Beckenrand vor Freude weint, weil seine Tochter taucht, gibt es doch nichts Schöneres“, sagt der 51-Jährige, der weltweiter Leiter des Sachgebiets Handicap Tauchen bei der International Diving Association (IDA) – einem internationalen Tauchsportverband – ist. Dabei sei es vor allem wichtig, dem Schüler soviel wie möglich selbst machen zu lassen und nur wirklich dann einzugreifen, wenn es nötig ist. Dafür habe er im Laufe der Zeit ein Gefühl entwickelt.

Schulz, der seit einem Unfall vor acht Jahren querschnittsgelähmt ist, betreibt zusammen mit seinem Bruder Christian eine Tauchschule in Heuerstorf. „Ich bin zwei Wochen nach meiner Entlassung zusammen mit meinem Bruder wieder tauchen gewesen“, schildert er. In Heidelberg habe er dann einen Kurs zum Behinderten-Tauchlehrer gemacht. Jetzt ist er einer von weltweit 51 mit dieser Qualifikation.

Leider sei vielen Menschen gar nicht bewusst, dass auch Behinderte lernen können zu tauchen. „Ich kann gar nicht mehr zählen, wie oft ich die Frage gehört habe, wie ich das eigentlich in der Praxis mache“, berichtet Schulz. „Dabei schwimme ich, wie jeder andere Brustschwimmer auch, mit den Armen.“ Das größte Problem sei es nicht Teilamputierten, Tauben, Blinden oder Querschnittsgelähmten das Tauchen beizubringen, sondern die Kosten des Lehrgangs. Deshalb hat sich Schulz Sponsoren gesucht, welche die Kurse bezuschussen. Schulz sagt zu seinem Motiv: „Daran hängt mein Herzblut.“

Von Lars Lohmann

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