Letzter Stichtag für bunte Tattoos?

Tätowierer aus Kattien schlägt Alarm: EU verbietet ab 2022 viele Farben

Uwe Pook zeigt zwei Blau- und Grüntöne, die ab dem 4. Januar 2022 in der EU nicht mehr als Tätowierfarben verwendet werden dürfen. Der 54-Jährige betreibt nebenberuflich ein Tattoo-Studio in Kattien.
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Uwe Pook zeigt zwei Blau- und Grüntöne, die ab dem 4. Januar 2022 in der EU nicht mehr als Tätowierfarben verwendet werden dürfen. Der 54-Jährige betreibt nebenberuflich ein Tattoo-Studio in Kattien.
  • Bernd Schossadowski
    VonBernd Schossadowski
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Ist die Zeit der bunten Tattoos bald vorbei? In der EU werden ab 2022 viele Tattoo-Farben verboten, weil sie im Verdacht stehen, Allergien oder Krebs auszulösen. Tätowierer wie Uwe Pook aus Kattien fürchten um ihre Existenz.

Kattien – Unter seine E-Mails schreibt Uwe Pook gerne „Bunte Grüße“. Und das ist nicht nur im übertragenen Sinn gemeint. Denn der 54-Jährige aus Kattien ist nebenberuflicher Tätowierer und verwendet bunte Farben auf der Haut seiner Kunden. Doch damit dürfte schon bald Schluss sein. Denn zum 4. Januar 2022 ändert die EU ihre Chemikalienverordnung REACH.

Dann dürfen die allermeisten Tattoo-Farben nicht mehr verwendet werden, weil sie im Verdacht stehen, krebserregend zu sein oder Allergien auszulösen. Ab 2023 wird die EU-Verordnung noch verschärft: Auch die sehr gebräuchlichen Pigmente Blau 15 und Grün 7 werden dann in Tattoos verboten.

„Es wird vermutlich nur noch schwarze und weiße Farbtöne geben“

„Wenn die Farbhersteller nicht darauf reagieren und Alternativen anbieten, macht das eine ganze Branche platt“, warnt Pook, der hauptberuflich in einem Maschinenbaubetrieb arbeitet. Er befürchtet, dass ab dem kommenden Jahr keine bunten Tätowierungen mehr möglich sind: „Es wird dann vermutlich nur noch schwarze und weiße Farbtöne geben, weil diese noch konform sind.“ Auch Permanent-Makeup-Artists und Frisöre bekämen Probleme, wenn sie bestimmte Farben nicht mehr verwenden dürfen.

Die Pigmente Blau 15 und Grün 7 sind bereits für die Verwendung in Haarfärbemitteln verboten. Weil die EU Tattoo-Farben als Kosmetikprodukte werte, werde das Verbot auch Tätowierer treffen, erklärt Pook. „Ohne Blau und Grün wird es keine Farbnuancen mehr geben. Tattoos im japanischen Stil sind dann nicht mehr möglich.“ Er selbst müsse als Nebenberufler zwar nicht um seine Existenz bangen. Doch die etwa 300 000 hauptberuflichen Tätowierer in der EU werde es finanziell hart treffen, glaubt Pook.

Vorgaben der Verordnung kommen einem Verbot gleich

Neben Pigmenten sind von der REACH-Verordnung auch Konservierungsmittel betroffen. Diese dürfen bald nur noch in Konzentrationen von weniger als 0,02 Prozent in Tattoo-Farben enthalten sein. Das mache die Nutzung dieser Inhaltsstoffe so gut wie unmöglich und komme somit einem Verbot gleich, kritisiert Pook.

Auch aus einem weiteren Grund kann der Kattiener die neue Verordnung nicht nachvollziehen: In der EU gebe es etwa 54 Millionen Menschen mit Tätowierungen. Im Vergleich dazu sei die Zahl der nachgewiesenen Allergien durch Tattoo-Farben verschwindend gering. Das Verbot werde die Branche „um viele Jahre zurückwerfen“, meint Pook und warnt vor einer Grauzone. „Es wird Leute geben, die auf verbotene Sachen zurückgreifen.“

116.000 Unterschriften unter Online-Petition „Save the Pigments“

Sie könnten zum Beispiel unseriöse Tätowierer aufsuchen oder die Farben online aus Ländern außerhalb der EU, etwa aus Fernost, erwerben. Aus Pooks Sicht ist das riskant. Daher unterstützt er auch die aktuelle Online-Petition „Save the Pigments“ zum Erhalt der Pigmente Blau 15 und Grün 7. Mehr als 116.000 Menschen haben diese bereits unterzeichnet.

Wie es für ihn ab dem 4. Januar 2022 weitergeht, vermag Pook noch nicht zu sagen. Sicher ist nur, dass er sämtliche angebrochenen Farben bis dahin entsorgen muss – aufgebraucht werden dürfen sie nicht. Auf seine Frage, was denn mit angefangenen Tattoos passiert, die bis zu diesem Stichtag noch nicht beendet sind, habe er eine vielsagende Antwort bekommen, erzählt Pook: „Einfach schneller fertig werden.“

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