Ein Stück Wrestedter Geschichte

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Das Gebäude der ehemaligen Möbelfirma Thörmer in Wrestedt wird derzeit abgerissen. Dafür soll dort ein Netto-Markt entstehen.

Wrestedt - Von Jörn Nolting. Das Möbelhaus Thörmer war mal der größte Gewerbesteuerzahler und Arbeitgeber der Gemeinde Wrestedt. „Von den Gewerbesteuern waren wir in der Lage, das Jugendzentrum zu bauen“, schwelgt Wrestedts Samtgemeindebürgermeister Harald Benecke in der Vergangenheit. Ein Teil dieses Stücks Vergangenheit gegnüber der Grundschule wird derweil mit Baggern zerstört. Ein großer Teil der Hallen macht Platz für einen Netto-Markt.

Seit rund vier Wochen wird das alte Möbelhaus abgerissen. „Das gesamte Gelände stand seit Jahren in der Zwangsversteigerung“, schildert der Wrestedter Verwaltungschef. Nun hat ein Investor zugeschlagen und auf einem rund 800 Quadratmeter großen Teil des Geländes entsteht ein Netto-Markt. Der Bauantrag liegt bereits vor. „Wenn die Baugenehmigung erteilt wird, dann geht es los“, sagt Benecke. Er rechnet im Februar oder März mit dem Baubeginn.

Dass dieser Markt durchaus eine Notwendigkeit darstellt, hat das Nahversorgungskonzept ergeben, das im Namen der Samtgemeinde und des Landkreises aufgestellt wurde. Der Ort Wrestedt zeigte Defizite auf, der Kaufkraftabfluss anch Uelzen ist zu groß. So hätte entweder der bestehende Edeka-Markt um eine erhebliche Fläche erweitert werden müssen oder eben ein neuer Markt gebaut werden. Der Samtgemeindebürgermeister rechnet damit, dass der Discounter im Sommer steht. „Gerade für ältere Leute im Ort, die nicht mehr so mobil sind, ist ein solches Geschäft vor Ort ein Vorteil“, schätzt Benecke ein.

Mit dem Schulsportplatz und der Fleischerfachschule standen zwei weitere Standorte zur Wahl. Doch fiel die Wahl schnell auf das alte Möbelfabrikgelände. Somit ist das alte Thörmer-Gelände in drei Teile unterteilt. Den einen Gebäudetrakt nutzt derzeit ein Zeltverleihbetrieb, in der alten Trockenhalle wird Heu und Stroh gelagert. Aus eben diesen Hallen wurden noch vor zehn Jahre Möbel in alle Welt geliefert. So belieferte die Wrestedter Firma das Palace-Hotel in Berlin, aber auch Hotels in Dubai und den Sultan von Brunei.

Von ehemals rund 300 Arbeitsplätzen waren Mitte der 90er Jahre nur noch 180 über. 2001 wurde ein Antrag auf Insolvenz gestellt. Übrigens resultiert auch das alte Kino in Wrestedt aus einer Zeit, in der das Möbelhaus florierte. Es wurde damals für die Angestellten gebaut und es gleichzeitig als Austellungsraum genutzt. Mit dem Abriss des Gebäudes verschwindet ein Stück Wrestedter Geschichte und für manchen wohl auch die Erinnerung an bessere Zeiten.

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