Anwohner der Bollenser Straße wollen Autofahrer sensibilisieren

Stederdorf: Mit Spielzeug und Warnschild gegen Raser

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Julian Krieger und seine Frau Janna, hier mit ihren Töchtern Elisa (4, stehend) und Greta (2) sowie Kater Watson, haben zusammen mit weiteren Anwohnern Spielzeug und ein Warnschild an der Bollenser Straße aufgestellt. 

Stederdorf – Oft ist schon aus der Ferne lautes Motorengeräusch zu hören. Dann wissen Julian Krieger und seine Frau Janna, dass wieder mal ein Fahrzeug deutlich zu schnell auf der Bollenser Straße in Stederdorf unterwegs ist.

Das junge Paar, dessen Haus direkt an der Straße steht, sorgt sich um seine beiden Töchter, zwei und vier Jahre alt. Die Zahl der Raser hat dort nach ihrer Einschätzung spürbar zugenommen.

Doch jetzt sind die Kriegers und einige andere Anwohner mit kleinen Kindern in die Offensive gegangen: Sie haben gebrauchte Kinderfahrzeuge, Spielzeug und ein Warnschild mit der Aufschrift „Achtung Kinder“ am Straßenrand aufgestellt, um die Autofahrer zum Langsamfahren zu animieren.

„Die fangen schon 200 Meter vor dem Ortsausgangsschild an, Gas zu geben. Auch aus der anderen Richtung wird in den Ort hineingerast. Manche bremsen hier erst 100 Meter nach dem Eingangsschild ab“, ärgert sich Krieger. „Auch die Trecker rauschen hier ganz schön durch“, berichtet seine Frau.

Tanja Haupt, die gegenüber von Familie Krieger wohnt, klagt ebenfalls über Raser. Ihren drei Kindern hat sie eingeschärft, Abstand zur Straße zu halten und nur bis zu einer bestimmten Markierung auf der Garageneinfahrt zu spielen. „Es ist hier insgesamt mehr Verkehr geworden“, sagt Tanja Haupt. „Wenn man draußen mit den Nachbarn steht, schütteln manche nur den Kopf darüber.“

Vor Kurzem haben nun einige Anwohner ein kleines Fahrrad, einen Minibagger und ein Bobbycar neben den Bäumen abgestellt, die die Gemeinde vor einigen Jahren zur Verkehrsberuhigung am Fahrbahnrand gepflanzt hat. Auch einen leuchtend orangen „Street Buddy“, die Figur eines Männchens, haben die Eltern dort drapiert. „Fünf Familien aus der Nachbarschaft haben dafür Geld zusammengelegt und ihn gekauft“, erzählt Julian Krieger.

Die anderen Spielzeuge wollte er im Internet kaufen. Durch Zufall wurde Melanie Schabert, Leiterin der DRK-Kita Wrestedt, auf seine Suchannonce aufmerksam. Für sie war es eine Selbstverständlichkeit, den betroffenen Eltern zu helfen. Und so stellte sie ihnen mehrere ausrangierte Spielsachen kostenlos zur Verfügung. Ob die Aktion etwas bringt, muss sich noch zeigen. Falls der erhoffte Effekt ausbleibt, will Julian Krieger bei der Verwaltung die Einführung von Tempo 30 auf der Bollenser Straße beantragen.

Gemeindedirektor Michael Müller hat dafür Verständnis. Er gibt aber zu bedenken: „Wenn man das anordnet, muss man es auch regelmäßig überwachen, zum Beispiel durch Blitzer.“ Der Verwaltungschef kann sich aber vorstellen, an der Straße einige Wochen lang eine Tempomesstafel zu installieren und die Daten danach auszuwerten. „Wenn da Ausschläge nach oben sind, würde ich das an den Landkreis weiterleiten und fragen, ob man dort ein Tempo-30-Schild aufstellen kann“, erklärt Müller. Die beste Verkehrsberuhigung sei aber, wenn die Anwohner, wie bereits geschehen, ihre Autos am Straßenrand parkten.

VON BERND SCHOSSADOWSKI

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