Wird Gebühr um 20 Prozent erhöht?

Stederdorf: Kostensteigerung bei Klärschlammanlage könnte Abwasserkunden treffen

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Der Erdaushub für den Bau der Klärschlamm-Vererdungsanlage bei Stederdorf läuft auf Hochtouren. Allerdings werden sich die Gesamtkosten voraussichtlich auf 2,62 Millionen Euro erhöhen.

Stederdorf – Eine Hiobsbotschaft gab es jetzt für die Mitglieder des Betriebsausschusses der Samtgemeinde Aue. Der Bau der Klärschlamm-Vererdungsanlage neben der Kläranlage bei Stederdorf wird deutlich teurer als erwartet.

Im März hatte Abwasser-Betriebsleiter Alexander Kahlert die Gesamtkosten noch mit 1,7 bis 1,8 Millionen Euro beziffert (AZ berichtete). Jetzt stellt sich heraus, dass das Vorhaben voraussichtlich etwa 2,62 Millionen Euro kosten wird.

Die Gründe sind vielschichtig. Zum einen seien kurzfristig technische Umbauarbeiten auf der Kläranlage, die in Verbindung mit den Vererdungsbecken stünden, notwendig geworden, erläutert Kahlert. Zum anderen gebe es steigende Preise aufgrund der Baukonjunktur. „Die ursprünglichen Kosten beruhten nur auf einer Grobplanung. Sie war von einem Ingenieurbüro im Rahmen eines Zuschussantrages erstellt worden“, sagt Kahlert im AZ-Gespräch. Damals habe aber die technische Detailplanung gefehlt. Angesichts der nun erwarteten Kostenexplosion gibt er zu: „Man hätte die Detailplanung eher machen und die Politik frühzeitiger informieren müssen. Das ist nicht glücklich gelaufen.“

Zu diesen Kosten kommen noch einmal geschätzte 1,5 Millionen für die weitere technische Modernisierung der Kläranlage hinzu. „Das hat aber originär nichts mit der Klärschlamm-Vererdungsanlage zu tun“, betont Kahlert. „Das wäre auch bei einer anderen Form der Klärschlamm-Verwertung nötig gewesen.“ Die Gesamtausgaben summieren sich somit auf etwa 4,1 Millionen Euro.

Um das finanzieren zu können, steht eine Erhöhung der Abwassergebühr im Raum. Sie liegt in der Samtgemeinde Aue seit 2006 bei 2,80 Euro pro Kubikmeter. Ein beauftragter Wirtschaftsprüfer hält eine Anhebung um 15 bis 20 Prozent für denkbar.

Der Betriebsausschuss reagierte darauf überrascht. „Ich habe immer vermisst, dass gesagt wurde: Der Bau der Klärschlamm-Vererdungsanlage wird sich in irgendeiner Form auf die Gebühren auswirken“, sagt Ausschussvorsitzender Michael Bombeck (Grüne). „Ich bin enttäuscht, dass das nicht viel früher angesprochen wurde.“ Seiner Meinung nach wird eine Erhöhung um 15 bis 20 Prozent nicht ausreichen, um eine nachhaltige Finanzierung sicherzustellen. Es gelte, Investitionsrücklagen zu bilden und die Folgekosten der Klärschlamm-Entsorgung in 15 Jahren zu berücksichtigen.

Es gebe aber noch viele Unwägbarkeiten, sagt Peter Ramünke (SPD). So sei bislang unklar, wie umfangreich die Umrüstung der Kläranlage sein solle und wie das Ausschreibungsergebnis ausfallen werde. „Aber wenn man das alles umsetzt, werden wir um eine Gebührenerhöhung voraussichtlich nicht herumkommen“, glaubt Ramünke.

Joseph Zettelmaier (WGA) hält sich mit einer Einschätzung noch bedeckt. Eine Gebührenerhöhung müsse erst diskutiert und genau berechnet werden. „Es wäre verfrüht, dazu jetzt schon eine Aussage zu treffen“, sagt er.

Das sieht Gerhard Pollehn (CDU) genauso. Zur Kläranlagen-Umrüstung gebe es bisher nur Planzahlen, erklärte er. Eine Gebührenerhöhung um 15 bis 20 Prozent sei Spekulation. „Das sind noch ungefangene Fische“, meint er. Edgar Staßar (CDU) sieht es pragmatisch: „Lieber jetzt die Gebühren erhöhen, damit wir für die nächsten Jahre kostenmäßig Ruhe haben.“

VON BERND SCHOSSADOWSKI

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