Sechsjähriger soll Linien- anstatt Schulbus nutzen

Simon darf nicht mitfahren

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Simon Rosenhagen schaut traurig drein: An dieser Bushaltestelle an der Bahnhofstraße in Wrestedt soll er mittags allein in den Linienbus nach Nienwohlde einsteigen, weil der Landkreis die Fahrt im Schulbus zu seiner Tagespflegestelle ablehnt.

Wrestedt. Wenn Frauke Rosenhagen aus Wrestedt auf die Uelzener Kreisverwaltung zu sprechen kommt, kann sie ihren Unmut nur mühsam unterdrücken. „Es ärgert mich, dass sich der Landkreis so unkooperativ zeigt“, sagt die zweifache Mutter.

Sie hatte beim Landkreis beantragt, dass ihr sechsjähriger Sohn Simon, der seit kurzem die erste Klasse der Wrestedter Grundschule besucht, mittags von dort mit dem Schulbus ins acht Kilometer entfernte Nienwohlde fahren darf. Dort leben Simons Großeltern, die sich nachmittags als Tagespflegepersonen um ihn und seine vierjährige Schwester Tabea kümmern. „Wir beide Elternteile sind Vollzeit berufstätig, weil es finanziell anders nicht möglich wäre“, erklärt die Wrestedterin, die als Erzieherin in Uelzen arbeitet – häufig bis um 18.30 Uhr. Ihr Mann ist freiberuflich tätig und oft auf Dienstreisen unterwegs.

Doch der Landkreis hat den Antrag von Frauke Rosenhagen abgelehnt. Daraufhin bot sie an, Simons Schulbus-Fahrten zu den Tageseltern zu bezahlen. Aber auch das hat die Kreisverwaltung zurückgewiesen. Stattdessen schlägt der Kreis vor, dass Simon den Linienbus nutzen soll.

„Das Ganze ärgert uns sehr. Unser Sohn kann ja wohl noch nicht am Tag allein zu Hause sein. Er ist auch noch zu klein, um allein im Linienbus zu fahren. Im Schulbus wäre er dagegen viel sicherer unterwegs“, meint seine Mutter. Somit bleibe ihren Eltern bislang nichts anderes übrig, als Simon mittags von der Grundschule zu sich nach Nienwohlde zu bringen. Dort holt Frauke Rosenhagen ihn abends nach der Arbeit wieder ab.

Das Verhalten des Landkreises sei unflexibel, kritisiert die Wrestedterin: „Der Staat verlangt von den Müttern, dass sie berufstätig sind, möglichst in Vollzeit. Und dann wird noch nicht einmal der Weg bis zur Tagespflege unterstützt. Wenn der Schulbus sowieso dort hinfährt und noch so viele Plätze frei sind.“

Der Landkreis weist die Kritik zurück. Ein Anrecht auf Schülerbeförderung bestehe nur für den Weg zwischen der Wohnung und der Schule und zurück, nicht aber von der Schule zu einer anschließenden Betreuung, betont Kreissprecher Martin Theine auf AZ-Anfrage. Simon habe „grundsätzlich keinen Anspruch auf Schülerbeförderung, da die Entfernung zwischen Wohnung in Wrestedt und der Schule weniger als zwei Kilometer beträgt“.

Selbst wenn die Eltern für die Schulbusfahrt den Preis für eine vergleichbare Linienbus-Karte zahlen würden, wäre das für den Landkreis „nicht annähernd kostendeckend“, sagt Theine. Zudem könne der Sechsjährige seinen Betreuungsort in Nienwohlde mit den bestehenden ÖPNV-Verbindungen erreichen. Für Frauke Rosenhagen ist das kein Trost, zumal in zwei Jahren ihre Tochter eingeschult wird. „Dann gibt es die gleiche Debatte wieder“, ahnt sie.

Von Bernd Schossadowski

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