Schützen suchen noch immer Gaststätten-Pächter für ihr Vereinshaus

Seit sieben Monaten ruht der Thekenbetrieb in Kallenbrock

Karsten Sauer, zweiter Vorsitzender der Kallenbrocker Schützen, steht hinter dem verwaisten Tresen in der Gaststätte des Schützenhauses. Auch nach sieben Monaten hat der Verein noch keinen neuen Pächter gefunden.
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Karsten Sauer, zweiter Vorsitzender der Kallenbrocker Schützen, steht hinter dem verwaisten Tresen in der Gaststätte des Schützenhauses. Auch nach sieben Monaten hat der Verein noch keinen neuen Pächter gefunden.
  • Bernd Schossadowski
    vonBernd Schossadowski
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Die Gläser sind akkurat in den Schränken hinter der Theke aufgereiht. Das Spülbecken ist blank geputzt. An der Wand hängt ein Schild mit der Aufschrift „Kühles Bier“.

Kallenbrock – Der Gastronomiebereich im Kallenbrocker Schützenhaus wirkt, als sei die nächste Feier nicht fern. Doch der Schein trügt. „Kein Thekenbetrieb“ ist auf einem Schild am Tresen zu lesen. Der Grund – außer der Corona-Pandemie: Es findet sich kein Betreiber für die Gastronomie des Schützenhauses.

„Wir suchen noch immer verzweifelt nach einem neuen Pächter“, sagt Karsten Sauer, zweiter Vorsitzender des Schützenvereins. Wie berichtet, haben die bisherigen Pächter Jochen und Ina Riggert Ende Juni 2020 nach mehr als 30 Jahren den Gaststättenbetrieb aufgegeben. Seitdem bemüht sich der Verein, einen Nachfolger zu finden – bislang ohne Erfolg.

Gastronomische Erfahrung ist gefragt

„Wir hatten ein paar Interessenten, die sich unser Schützenhaus angeschaut haben“, erzählt Sauer im AZ-Gespräch. Doch daraus sei letztlich nichts geworden. Die Angst vor einem längeren Lockdown und fehlenden Einnahmen habe die Interessenten wohl abgeschreckt.

Nach Ansicht von Sauer sollte ein neuer Pächter bereits Erfahrung in einem größeren Gastronomiebetrieb haben: „Es muss jemand sein, der sagt, er geht in die Selbstständigkeit, oder er will sich beruflich neu orientieren.“ Die Entscheidung der Riggerts kann Sauer mit Blick auf die Corona-Krise nachvollziehen. „Wir sind sehr traurig, dass sie aufgehört haben. Aber im Nachhinein muss ich sagen: Sie haben alles richtig gemacht.“

Anfang des Jahres wäre eigentlich die Zeit, in der die Vereine und Verbände ihre Hauptversammlungen im Schützenhaus abhalten. Doch coronabedingt wurden diese abgesagt. Möglicherweise können sie im Sommer nachgeholt werden. Die weitere Entwicklung der Pandemie ist aber noch völlig unklar. „Im Moment sehe ich auch nicht, dass wir Anfang Juli unser Schützenfest feiern können“, blickt Sauer voraus. „Ich hoffe, dass wir uns irgendwann mal in kleiner, interner Runde treffen dürfen.“

Für den Schützenverein hat das Ganze finanzielle Folgen. Keine Versammlungen und keine Gastronomie: Das bedeutet keine Einnahmen bei fixen Unterhaltungskosten für das Schützenhaus. „Wir haben bereits unser Telefon und die Mülltonne abgemeldet“, erzählt Sauer. Der Strom ist aber noch angeschaltet. Zu allem Übel ist der Brenner der bereits 37 Jahre alten Heizung ausgefallen und musste vom Verein erneuert werden. Das hat erhebliche Kosten verursacht. „Wir heizen ein bisschen. Der hölzerne Boden im Saal reagiert nämlich empfindlich auf Feuchtigkeit“, sagt Sauer.

Finanzielle Belastung für den Verein

Finanziell gehe es dem Verein zwar noch ganz gut. „Aber die fehlende Gastronomie stellt schon eine Belastung für uns dar. Wenn das mehrere Jahre andauert, wird es schwierig für uns, das Haus zu behalten“, sagt Sauer. Dabei hängt an dem Gebäude das Herz vieler Mitglieder. Sie haben es in den 1980er-Jahren mit viel Eigenleistung grundlegend saniert. Sauer freut sich, dass die Schützen weiterhin treu zu ihrem Verein stehen. Trotz anhaltender Corona-Krise gab es kaum Austritte.

Wer Interesse hat, die Gaststätte im Schützenhaus zu pachten, kann sich bei Sauer melden unter (0 58 02) 2 30 oder k.sauer@gmx.de.

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