Aues ehemaliger Verwaltungschef Harald Benecke genießt Ruhestand und blickt zufrieden zurück

Sachbücher statt Aktenstudium

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Harald Benecke, bis Ende November 2017 Bürgermeister der Samtgemeinde Aue, genießt seinen Ruhestand – unter anderem mit der Lektüre einer Biografie über Gerhard Schröder. 

Wrestedt. Auf ihn warten, Helmut Schmidt, Peter Struck, Helmut Kohl und Gerhard Schröder. Natürlich nicht persönlich, aber in Form von Biografien im Bücherregal. Auf diese Lektüre freut sich Harald Benecke schon sehr.

Denn der ehemalige Bürgermeister der Samtgemeinden Wrestedt und Aue hat nach seiner Verabschiedung in den Ruhestand am 30. November (AZ berichtete) nun endlich die nötige Zeit, um ausgiebig zu lesen und nach 49 Berufsjahren im öffentlichen Dienst die Seele baumeln zu lassen.

„Ich befinde mich gefühlt noch in der Phase des Urlaubs“, sagt der 68-jährige Wrestedter und schmunzelt. Entspannt sitzt er an so manchem Tag in seinem Wohnzimmersessel und schmökert. Sachbücher statt Aktenstudium – für Benecke ist das eine willkommene Abwechslung. „Ich bemühe mich, Abstand zu gewinnen. Man muss auch loslassen können“, erklärt er.

Trotzdem ist dem langjährigen Verwaltungschef, der nur einen Steinwurf vom Wrestedter Rathaus entfernt wohnt, seine Arbeit noch immer sehr präsent. Wie auf Knopfdruck schüttelt er Daten, Namen und Kosten der großen Projekte während seiner Amtszeit aus dem Ärmel. Höhepunkte waren für ihn der Neubau der Sporthalle in Wrestedt 1992 und des Wrestedter Rathauses 1993, nicht zu vergessen die Erweiterung des dortigen Kindergartens sowie der Bau des Wierener Kindergartens und des Wrestedter Jugendzentrums zwischen 1990 und 1995. „Das waren Sternstunden, bei denen wir vielfach auch Glück hatten, weil wir hohe Zuschüsse vom Landkreis und dem Land bekommen haben“, erinnert sich Benecke, der übrigens nie einer Partei angehört hat.

Ein prägendes Erlebnis war für ihn auch der Mauerfall im November 1989, nur wenige Tage vor seinem 40. Geburtstag. Tausende DDR-Bürger kamen in jenen Wochen über den Grenzübergang zwischen Schafwedel und Schmölau in die Bundesrepublik. Das sei wie ein Wunder gewesen. „Damals hatte ja keiner daran geglaubt, dass es mit der deutschen Einheit noch etwas werden würde“, sagt Benecke.

Nun also ist er im Ruhestand. Wird er da nach so vielen Berufsjahren nicht wehmütig? Benecke schüttelt lächelnd den Kopf: „Nein, in meinem Kopf sind eher die Erinnerungen, und die sind alle positiv.“ Seinem Nachfolger Michael Müller, der am 1. Dezember Samtgemeindebür-germeister geworden ist, wünscht er alles Gute. Eine wichtige Aufgabe sei, das Zusammenwachsen der beiden früheren Samtgemeinden Bodenteich und Wrestedt zu beflügeln. „Da gibt es noch Luft nach oben. Aber ich bin zuversichtlich, dass ihm das gelingen wird“, sagt Benecke.

Bei Fragen seiner ehemaligen Mitarbeiter stehe er gerne mit Rat und Tat zur Verfügung. Doch im Wrestedter Rathaus wolle er nicht mehr vorbeischauen. „Ich will da nicht als graue Eminenz im Hintergrund auftauchen“, betont er. Denn für ihn gebe es jetzt andere Prioritäten: zum Beispiel mehr Zeit mit seiner Ehefrau verbringen, Fahrrad fahren oder schwimmen. Und dann steht für ihn ja noch die eine oder andere literarische Begegnung mit Schmidt, Struck, Kohl und Schröder an.

Von Bernd Schossadowski

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