Kinder bangen um ihre Sicherheit

Raser gefährden Einwohner in Müssingen – Behörden reagieren bisher nicht

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Eine gefährliche Kreuzung: Der 13-jährige Sebastian (2. von links) und seine Freunde sind oft mit einem mulmigen Gefühl in Müssingen unterwegs. Der Grund sind die zahlreichen Raser, die durch den Ort fahren. 

Müssingen –Die Szene wirkt wie gestellt, doch sie entspringt allein dem Zufall: Der 13-jährige Sebastian und ein paar seiner Freunde stehen unweit der Ortsdurchfahrt von Müssingen, als plötzlich ein Trecker den Wiewohler Weg mit rasantem Tempo hinunterfährt.

Kurz vor dem Kreuzungsbereich muss der Fahrer kräftig auf die Bremse treten, denn von rechts rauscht ein vorfahrtsberechtigter Lastwagen durch den Ort. Mit einem kreischenden Geräusch kommt der Trecker zum Stehen.

„Das ist der tägliche Wahnsinn hier“, sagt Anwohner Werner Sawinski, der die Szene kopfschüttelnd beobachtet hat. Für ihn bestätigt das wieder einmal, wie gefährlich der Straßenverkehr in dem südöstlich von Soltendieck gelegenen Ort ist. „In und durch Müssingen wird gerast – auch zu Zeiten, zu denen Schüler wegen nicht vorhandener Fußwege auf der Straße in Richtung Bushaltestelle unterwegs sind“, schimpft Sawinski. Schuld daran seien vor allem Pendler, aber auch rücksichtslose Lkw-Fahrer. Viele nutzen die Strecke aus Richtung Salzwedel zur B 4, um nicht durch Uelzen fahren zu müssen.

Auch der Wiewohler Weg sei eine wahre Rennstrecke, beklagt der 63-Jährige. „Hier wohnen viele Kinder, auf die keinerlei Rücksicht genommen wird.“ Dabei hat Anwohnerin Anna-Maria Kubczyk, die drei Kinder hat, vor ihrem Haus extra zwei Bobbycars und das Warnschild „Achtung! Spielende Kinder“ aufgestellt. Doch das bringt bislang nicht viel.

„Ich war mal mit meinem Fahrrad unterwegs und habe Zeitungen ausgetragen“, erzählt der 13-jährige Sebastian. „Da wurde ich fast von einem Auto angefahren.“ Auch der neunjährige Heinrich hat seine Erfahrungen mit Rasern gemacht: „Die fahren hier mit Vollgas durchs Dorf.“ Morgens und nachmittags im Feierabendverkehr sei es am schlimmsten, ebenso während der Erntezeit, hat Nicole Krebel festgestellt. Auch sie hat drei Kinder und bangt um deren Sicherheit. „Hier muss man echt aufpassen. Meine Kinder kriegen jeden Tag eine Standpauke, dass sie nicht auf der Straße Fahrrad fahren“, sagt sie.

Zum Glück sind im Ort noch keine Menschen verletzt worden. Doch vor einem Monat gab es einen dramatischen Zwischenfall. Ein Auto mit auswärtigem Kennzeichen krachte in einen neben der Ortsdurchfahrt stehenden Stromverteilerkasten. „Wir hatten hier stundenlang keinen Strom im Ort“, berichtet Nicole Krebel. Und Werner Sawinski ergänzt: „Der Fahrer hat noch Glück gehabt, dass er im Verteilerkasten kein Kurzschluss-Feuerwerk erlebt hat.“

Sawinski kann nicht verstehen, warum die Behörden nichts gegen die Raser unternehmen. Zudem müsse die unübersichtliche Einmündung des Wiewohler Wegs in die Ortsdurchfahrt unbedingt umgebaut werden. Er habe bereits Beschwerdebriefe an die Samtgemeinde Aue, den Landkreis und die Polizei geschrieben, aber keine Antwort erhalten, ärgert sich der 63-Jährige. Er wünscht sich, wie auch viele Müssinger Kinder, dass es im Ort regelmäßige Geschwindigkeitsmessungen gibt. „Die sollten hier mal einen festen Blitzer aufstellen“, schlägt Sebastian vor. „Ich will vernünftig Fahrrad fahren, ohne Angst zu haben.“

VON BERND SCHOSSADOWSKI

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