Esterholz: Studierende der Bereitschaftspolizei übten gestern den Ernstfall

Promis, Polizei, Protest und Panik

Abgeführt: Zwei der 96 Studierendn der Polizei-Fachakademie führen einen „Demonstranten“ ab.

Esterholz. „Scheibe runterdrehen und Motor aus“, schallt es im Befehlston über den Parkplatz der Esterholzer Schleuse. Im Auto: Zwei vermummte Gestalten. Um das Fahrzeug herum stehen gleich acht Bereitschaftspolizisten in gelben Warnwesten.

Dann zieht einer der Vermummten ein Messer. Die Situation wird brenzlig. Doch die Polizisten überwältigen die beiden Übeltäter.

„Wir machen eine kleine praktische Übung für 96 Studierende der Fachakademie“, erklärt Polizeihauptkommissarin Sabine Hoffmann. Sie ist zuständig für die Pressearbeit der Zentralen Polizeidirektion und ist aus Hannover nach Esterholz angereist. Sie war es auch, die das Szenario entworfen hat: die fiktive Schleuseneinweihung in Esterholz mit Gästen wie Bundesverkehrsminister Dr. Peter Ramsauer und Ministerpräsident David McAllister. Die Ausgangslage: In der dreijährigen Bauzeit kam es immer wieder zu Störaktionen durch regionale Gegener und außerdem kündigte der Verkehrsminister an, dass über die Schleuse schwachradioaktive Nukleartransporte stattfinden sollen. Deshalb haben Gruppen wie Greenpeace und X-tausenmal quer ihren Protest angekündigt. „Seit Montag sind die vier Züge in Lüchow untergebracht“, erläutert Hoffmann. Dort haben sie sich auf den Einsatz am gestrigen Donnerstag vorbereitet. Erst gab es Theorie, jetzt die Praxis. Die eine Hälfte der Studierenden stammt aus Nienburg, die andere aus Hann. Münden. „Das Studium dauert insgesamt drei Jahre“, sagt Hoffmann. Die Demonstranten haben das bereits hinter sich und geben mit dem nötigen Ernst die Statisten.

Bilder von der Polizeiübung

Schleuseneinweihung in Gefahr

Auch ein Pressevertreter mit überdimensionalem Presseausweis behindert die Studierenden bei ihrer Arbeit. „Es wird auch der Umgang mit der Presse trainiert“; erklärt die Pressesprecherin. Die Polizei wolle schließlich transparent sein.

Beim Eingreifen der Polizisten geht sehr viel vor allem über die Teamarbeit. Jeder Griff muss sitzen, die Kollegen müssen sich gut absprechen. „In den Übungen soll eben simuliert werden, dass es nicht so einfach ist“, erläutert Hoffmann. „Es geht vor allem um den Übungseffekt. Wir besprechen das Vorgehen gleich vor Ort“, erklärt Gruppenführer Carsten Bauck aus Böddenstedt, der bei der Hundertschaft in Lüneburg stationiert ist.

Um 500 Bereitschaftspolizisten werden zum 1. Oktober in Niedersachsen eingestellt. Eine der Hundertschaften befindet sich in Lüneburg. Regelmäßig rückt sie zu Einsätzen auch außerhalb der Landesgrenze aus.

Eine große Analyse des Einsatzes in Esterholz gibt es für den Polizei-Nachwuchs heute in Lüchow.

Von Jörn Nolting

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