Abschied in Nettelkamp

Pastor Siedersleben verlässt Kirchenkreis Uelzen: „Ich habe sehr gerne hier gelebt“

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Einige Umzugskartons sind schon gepackt, auch die Standuhr kommt mit: Pastor Christoph Siedersleben bereitet sich auf seinen Wechsel vom Kirchenkreis Uelzen nach Weyhe vor. Am Sonntag wird er ab 17 Uhr in der Nettelkamper Kirche verabschiedet.

Nettelkamp/Holdenstedt – Ein Stapel Umzugskartons türmt sich im Wohnzimmer. Die imposante Standuhr muss indes noch verpackt werden. Im Haus von Pastor Christoph Siedersleben in Holdenstedt deutet alles auf den bevorstehenden Auszug hin.

Nach sechsjähriger Tätigkeit wird Siedersleben den evangelisch-lutherischen Kirchenkreis Uelzen in den nächsten Tagen verlassen.

Doch zuvor wird der 58-Jährige am Sonntag, 16. Juni, ab 17 Uhr in der Nettelkamper St. -Martin-Kirche mit einem Gottesdienst gebührend verabschiedet.

Er werde die Region Uelzen mit Wehmut verlassen, verrät Siedersleben im AZ-Gespräch. „Ich habe einen netten Kreis von Kollegen im Kirchenkreis erlebt und sehr gerne hier gelebt“, erzählt er. Im Mai 2013 war Siedersleben zunächst als Gefängnisseelsorger an die Justizvollzugsanstalten Uelzen und Lüneburg gekommen. „Das war eine spannende Erfahrung“, blickt der Pastor zurück.

Drei Jahre war er dort tätig, bevor er zum „Springer“ für verschiedene Vakanzvertretungen in Kirchengemeinden wurde. Seine erste Station im Kirchenkreis war in Holdenstedt, es folgten Gerdau, St. Marien Uelzen, Nettelkamp, Bad Bevensen, Medingen und Bienenbüttel. Am längsten – mehr als ein Jahr – war er als Vakanzvertretung an der St.-Martin-Kirche in Nettelkamp tätig. Deshalb findet dort auch sein Abschiedsgottesdienst statt.

Mit dieser Station verbindet Siedersleben eine besonders schöne Erinnerung: eine Hochzeit, bei der der Bräutigam aus England und die Braut aus Deutschland kam. „In der Kirche herrschte eine unglaublich gute Stimmung, die englischen Gäste haben ganz toll gesungen“, schwärmt Siedersleben. Und weil er als Sohn eines deutschen Missionars in Südafrika geboren und aufgewachsen ist und anschließend im Nachbarland Namibia sein Abitur gemacht hat, spricht er fließend Englisch. Die zweisprachige Trauung in Nettelkamp war für ihn somit kein Problem.

Doch auch in den anderen Kirchengemeinden im Kreis Uelzen hat Siedersleben positive Erfahrungen gemacht. „Ich treffe gerne Menschen und rede mit ihnen über ihre Lebensgeschichten“, erklärt er. Dabei seien rasch enge Kontakte und eine große Nähe entstanden. „Das ist, was ich an meinem Beruf liebe.“

Nun wartet auf Siedersleben, der kürzlich sein 25-jähriges Ordinationsjubiläum feierte, eine neue Herausforderung: Er wechselt zur Kirchengemeinde Weyhe in die Nähe von Bremen, wo auch seine Tochter wohnt. Dort übernimmt er eine feste Stelle, wird also kein „Springer“ mehr sein. „Alles Vertraute hinter mir zu lassen, ist ganz schön hart“, gibt er zu. Aber der Wechsel ist für ihn nichts Neues, schließlich ist er in seinem Leben schon rund 30 Mal umgezogen.

Einen Traum hat Siedersleben noch: Als Rentner würde er gerne ein Jahr ehrenamtlich als Pastor in seinem geliebten Namibia arbeiten. „Wenn ich da abends am Feuer in der Wüste sitze“, sagt er, „bin ich wirklich zuhause.“

VON BERND SCHOSSADOWSKI

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