Paintball in einer ehemaligen Möbelfabrik in Wieren: Betreiber Michael Nilson erklärt seinen Sport

„Wer getroffen wird, muss raus“

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Paintball-Spieler auf dem Kunstrasenspielfeld in der ehemaligen Wierener Möbelfabrik. Das Gewehr heißt Markierer, die Kleidung der Profis – rechts Betreiber Michael Nilson – schützt vor blauen Flecken.

Wieren. Michael Nilson stürmt vor. Seine Deckung lässt er hinter sich, sprintet – das Gewehr im Anschlag – zehn Meter weit, lässt sich hinter einem niedrigen Wall fallen. Sein Atem geht schwer unter der Maske.

„Wer getroffen wird, muss raus“, fasst der 27-Jährige die Spielregeln zusammen. Ein Farbklecks zeigt den Treffer. Die kleinen Gummikugeln des Kalibers 68 liegen überall auf dem Kunstrasen-Spielfeld verteilt. Am 23. August eröffnet Nilson offiziell die neue Paintball-Anlage in der ehemaligen Möbelfabrik in Wieren. Von Kriegsspielen mag der ehemalige Zeitsoldat, gelernte Autohändler und Feuerwerker nichts wissen: „Weil wir uns markieren und nicht beschießen“, sagt Nilson. Das in Neonfarben lackierte Gewehr heißt deshalb Markierer. „Einzelspieler-Rambos haben keine Chance. Das ist das Schöne, dass man nur im Team zusammen was erreichen kann."

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Die Mannschaften, die aus jeweils drei Spielern bestehen, versuchen, ausgehend von der Grundlinie, der Base, die andere Seite der Industriehalle zu erreichen. Dabei nutzen sie geschickt die aufblasbaren Deckungen. „Zwei kümmern sich um die Gegner, und der andere läuft“, erklärt Nilsons Frau Swantje (24), die Strategie ihrer Mannschaft Paintball Animals. Nach 20 Sekunden kann eine Partie entschieden sein.

Wie alles Gute kommt die schnelle Sportart aus den USA. „Die Farmer haben damals ihre Kuhherden mit den Farbpatronenen markiert“, weiß Nilson, der über fünf Jahre Paintball-Erfahrung. „Daraus ist die Sportart entstanden.“

So ein Farbbällchen kann ordentlich zwiebeln. Der Gesichtsschutz ist deshalb Pflicht, die Profis tragen Schutzkleidung mit Polstern an Ellenbogen und Beinen, die vor blauen Flecken schützen. „Man sollte weite Kleidung tragen. Sie fängt die Wucht auf“, empfiehlt Michael Nilson.

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Die Besucher seiner Anlage sind nach Nilsons Auskunft bunt gemischt – vom Selbstständigen bis zum Hartz-IV-Empfänger. Der älteste Spieler ist 57 Jahre alt. Sie alle suchen den Kick des schnellen Spiels, das Adrenalinspiegel und Blutdruck in die Höhe treibt.

Nach Wieren verschlug es Nilson, nachdem seine Paintball-Anlage in Klein Süstedt im vorigen Jahr durch einen Brand in Mitleidenschaft gezogen worden war. „Es ist nicht leicht, eine so große, stützenfreie Halle zu einem erschwinglichen Preis zu finden“, sagt Nilson. Seit vor zwei Wochen die Baugenehmigung vom Landkreis eintraf, hat er bereits die Spielfläche mit Fangnetzen für die Farbgeschosse fertiggestellt. „Hier wurden früher die Möbel lackiert“, weiß der 27-Jährige. Und er hat noch große Pläne auf dem 1200 Quadratmeter großen Komplex, der eine der größten Paintball-Anlagen Norddeutschlands werden soll: Unter anderem sind noch drei Außenspielfelder geplant. Sogar Teams aus Wolfsburg und Salzgitter trainieren in Wieren.

Am Sonnabend, 23. August, lädt Nilson ab 11 Uhr zum Tag der offenen Tür ein. Die Besucher können ab 15 Uhr mit ihren Autos auch am Lautstärke-Wettbewerb teilnehmen. Auch hier sind die Regeln einfach: Wer mit seiner Anlage am meisten Druck macht, gewinnt.

Von Gerhard Sternitzke

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