Familie und Kreis streiten über fehlende Infos beim Elterngeld-Antrag / Sorge um Kinderversorgung

Noch zwölf Tage ohne Geld

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Familie Schülbe aus Wrestedt (Sebastian, Enrico mit Noah-Manuel und Anja mit Johanna-Sophie) hat Unstimmigkeiten mit dem Kreis über das Elterngeld. Knapp zwei Wochen muss die Familie nun ohne eingeplantes Geld aushalten.

Wrestedt/Landkeis. Enrico Schülbe schnaubt vor Wut hörbar durchs Telefon. „Ich kann ja meine Kinder ins Kreishaus bringen. Dann können die da ja meine Kinder ernähren, bis der 15. August ist. “ Der Wrestedter und seine Frau Anja sind am 11. Juli zum dritten Mal Eltern geworden.

Und Schülbe hat derzeit kein Geld, die drei satt zu bekommen, sagt er. Dabei braucht eines seiner Kinder spezielles Essen, es ist krank, das kostet umso mehr Geld. Die Schuld gibt er der Elternstelle des Landkreises, wo er Elterngeld beantragt hatte. Die will, so der letzte Stand, der jungen Familie erst Mitte des laufenden Monats sein Elterngeld zahlen. Vorher nicht, denn etwas ist schief gelaufen. Enrico Schülbe meint, weil seine Sachbearbeiterin ihm nicht rechtzeitig erklärt habe, was er für den Elterngeldantrag für Formulare benötigt. Der Landkreis widerspricht: Schülbe sei mitgeteilt worden, was er braucht. Für die Zeit ohne Geld solle er sich an das Job-Center wenden.

Zuvor hatte Schülbe zwei Mal das Kreishaus besucht. Schon am Tag der Geburt seiner Tochter Johanna-Sophie hatte er für seine Elternzeit die ersten Bescheinigungen eingereicht. Zwei Monate Elternzeit waren geplant, danach sollten drei Monate für seine Frau kommen. Seine Bankverbindung, Bescheid über Mutterschaftsgeld, seine Gehaltsabrechnung für den Juli und sein Wohngeldbescheid fehlten noch, er reichte sie nach. Weitere Bescheinigungen, meint Schülbe, seien nicht verlangt worden. Am vergangenen Sonnabend nun kam der Bescheid. „Beim Durchlesen fiel ich fast vom Stuhl“, sagt Schülbe. 160 Euro würde die Familie bekommen. Für seine Frau Anja, für einen Zahlmodus auf ein Jahr bewilligt. „Das hat kein Mensch so beantragt!“, ärgert sich Schülbe. Und das, was der Elterngeldstelle fehlte, war der Bewilligungsbescheid von Schülbes Arbeitgeber über die Eternzeit. Den hat er nun nachgereicht.

Dennoch: Bis Mitte des Monates, wenn dann nachträglich das Elterngeld kommt, stimmt seine Haushaltsrechnung hinten und vorn nicht: Eigentlich hätte Schülbe mit etwa 800 Euro Elterngeld für ihn gerechnet. Soll heißen: In der Haushaltsplanung war das Geld fest eingerechnet, einkalkuliert, eingeplant. 160 Euro sind es geworden, vor drei Tagen sind die laufenden Kosten abgebucht worden, Schülbes Konto ist in den Miesen. Zwölf Tage lang hat er noch zu warten auf das tatsächliche Elterngeld, das ihm – nachträglich – bewilligt wurde. Einen früheren Zahltermin gibt es nicht.

Schülbe: „Und was sollen meine Kinder bis dann essen?“ Sein Problem wird verschärft dadurch, dass sein zweites Kind, Noah-Manuel, an Zöliakie leidet. Deshalb muss er glutenfreie Kost essen. Gluten, das „Klebereiweiß“, das hauptsächlich in Weizenprodukten steckt, sorgt bei Zöliakie-Patienten mindestens für eine Entzündung der Dünndarmschleimhaut und kann bei Kindern dazu führen, dass sie nicht altersgemäß wachsen.

Soweit Enrico Schülbes Version der Geschichte. Die vom Landkreis weicht da ab, vor allem im wichtigen Punkt, wann wer wem gesagt hat, was man für einen Antrag brauche. Schülbe habe den Antrag am 17.7. persönlich in der Elterngeldstelle abgegeben. „Im Rahmen des Beratungsgespräches wurde ihm mitgeteilt“, so eine Stellungnahme durch Pressesprecher Martin Theine, „welche Unterlagen zur Antragsbearbeitung noch nachzureichen sind. Hierbei wurde entgegen der Darstellung des Herrn S. auch die Bescheinigung des Arbeitgebers über die Elternzeit genannt“. Weitere noch fehlende Unterlagen habe Schülbe am 23.7. nachgereicht – außer der Arbeitgeber-Bescheinigung.

Zwischenzeitlich, so Theine, lägen auch alle Unterlagen für die Antragsbearbeitung für Schülbe vor, der entsprechende Bescheid wurde Anfang August erstellt, die Auszahlung erfolge – wie schon von Schülbe beklagt – zum 15. August.

Bleibt die Frage danach, wie Schülbes Kinder Sebastian, Noah-Manuel und Johanna-Sophie nun über die Runden kommen sollen, genauso wie Anja und Enrico selbst. Die Position des Kreises: „Eine vorzeitige bzw. kurzfristige Auszahlung ist seitens des Landkreises nicht möglich, da es sich beim Elterngeld um Bundesmittel handelt, die direkt von der Bundeskasse ausgezahlt werden.“ Dabei gebe es feste Auszahlungstermine, jeweils zum 1. und 15 eines Monats. Theine weiter: „Zur Überwindung der finanziellen Notlage müsste sich Familie S. nach den gesetzlichen Bestimmungen an das Jobcenter Uelzen wenden, da für bedürftige erwerbsfähige Personen im Alter von 18 bis 65 Jahren das SGB II (Sozialgesetzbuch, die Red.) maßgeblich und damit das Jobcenter zuständig ist.“

Schülbe kann damit nicht viel anfangen. SGB II bedeutet: Hartz IV. Er hat aber einen Job, er ist Busfahrer. „Das geht gar nicht“, meint er. Selbst wenn er sich an das Jobcenter wenden würde – bis da Anträge durch sind, sei das Elterngeld da und die Kinder sehr, sehr hungrig. „Das gefährdet meine Kinder!“, ärgert er sich. Eine Beschwerde hat er nicht nur an den Kreis, sondern auch gleich an das Bundesfamilienministerium geschickt. Bisher kam keine Antwort.

Von Kai Hasse

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