Samtgemeinde Aue plant Vererdungsanlage in Wrestedt / EU-Förderung von 95 Prozent möglich

Neue Wege in Sachen Klärschlamm

+
Diese Anlage zur Klärschlamm-Eindickung ist derzeit in der Wrestedter Kläranlage im Einsatz. Ende 2018 oder Anfang 2019 sollen aber die neuen Klärschlamm-Vererdungsbecken in Betrieb genommen werden. Dafür könnten üppige Zuschüsse fließen. 

Wrestedt. Die Samtgemeinde Aue kann für den geplanten Bau einer Klärschlamm-Vererdungsanlage in Wrestedt auf üppige Zuschüsse hoffen.

Die Gesamtinvestition belaufe sich auf 1,33 Millionen Euro, berichtete Alexander Kahlert, Leiter des Abwasser-Eigenbetriebs, jetzt in der Sitzung des Betriebsausschusses. Die NBank habe bereits eine Förderung von 665 000 Euro aus EU-Mitteln bewilligt.

Alexander Kahlert

Darüber hinaus habe die Samtgemeinde beim Amt für regionale Landesentwicklung weitere Zuschüsse beantragt. „Wenn wir Glück haben, können wir noch mal 598 500 Euro erhalten. Dann müssten wir nur fünf Prozent der Gesamt-Investitionskosten zahlen“, so Kahlert. Das würde erheblich positive Auswirkungen auf die Abwassergebühr und damit auf die Haushalte haben. Seit 2006 liegt die Gebühr in der Samtgemeinde Aue stabil bei 2,80 Euro pro Kubikmeter Schmutzwasser.

Wie berichtet, sollen auf einer Fläche neben der Wrestedter Kläranlage drei jeweils 3000 Quadratmeter große Vererdungsbecken gebaut werden. „Wir gehen davon aus, dass wir Ende 2018, Anfang 2019 damit fertig sind“, meinte Kahlert. In den mit Schilf bewachsenen und mit Kies bedeckten Becken soll der Klärschlamm durch natürliche Verdunstung entwässert werden. Das wäre eine Alternative zum bisherigen Verfahren, bei dem die Samtgemeinde ihren Klärschlamm auf Feldern ausbringt.

Doch das ist nicht mehr erlaubt, berichtete Nils Schön, technischer Betriebsleiter der Celle-Uelzen Netz, dem Ausschuss. Gemäß einer neuen Verordnung des Bundes dürfen Kläranlagen, in die Kartoffel-verarbeitende Betriebe ihr Abwasser einleiten, den anfallenden Klärschlamm nicht länger landwirtschaftlich verwerten. „Wir fallen da voll rein“, sagte Schön, denn in Soltendieck gebe es einen Kartoffelbetrieb, der ans Kanalnetz der Samtgemeinde angeschlossen sei. Grundsätzlich bestehe bei solchen Firmen das Risiko, dass der Kartoffelkrebs, eine Pilzinfektion, ins Abwasser und damit in den Klärschlamm gerät. Sollte dieser auf Feldern verteilt werden, könnte der Erreger den Boden kontaminieren, warnte Schön. „Wir versuchen daher, gemeinsam mit dem Kartoffelschälbetrieb und dem Landkreis eine Lösung zu finden. Das loten wir gerade aus.“

Joseph Zettelmaier

Allerdings stellte Soltendiecks Bürgermeister Joseph Zettelmaier (WGA) klar: „Es ist unsere Aufgabe, den Betrieben zu helfen. Das muss allererste Priorität haben.“ Dem Unternehmen dürfe deshalb nicht untersagt werden, sein Abwasser in die Kanalisation einzuleiten.

Michael Bombeck

Das sah Michael Bombeck (Grüne) genauso. „Ich halte es für fahrlässig, dem Betrieb Angst zu machen oder mit Auflagen zu drohen“, sagte er. Natürlich sei die Verwaltung darauf bedacht, die Firmen zu erhalten, erwiderte Kahlert. „Aber es geht auch darum, dass wir uns rechtlich sauber um die Klärschlamm-Verwertung kümmern.“

Von Bernd Schossadowski

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare