Rotmilan statt Rotor-Riesen?

Nachweis seltener Tiere könnte weitere Windräder bei Langenbrügge stoppen

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Gegen den Bau weiterer Windräder im Langenbrügger Windpark ist der Gemeinderat Lüder. Mit einem Schallgutachten soll die mutmaßliche Überschreitung der Dezibel-Grenzwerte nachgewiesen werden. Würden dort seltene Tiere wie der Rotmilan nachgewiesen, könnte das den Bau weiterer Windkraftanlagen stoppen. 

Langenbrügge – Die Auswirkungen der drei Windräder südöstlich von Langenbrügge bekommt Marie-Luise Stünkel immer wieder zu spüren.

„Die Lärmbelästigung ist sehr schlimm“, berichtete die Langenbrüggerin, die zugleich WGA-Abgeordnete ist, jetzt im Gemeinderat Lüder. „Ich muss nachts meine Fenster schließen, weil ich sonst nicht schlafen kann – so laut ist das.“

So wie ihr geht es vielen Einwohnern des Ortes. Daher ist es für den Lüderaner Rat auch nicht hinnehmbar, dass im Windpark nicht nur eine vierte, sondern sogar eine fünfte Anlage entstehen soll. Zwar werden die gesetzlichen Mindestabstände zur Wohnbebauung eingehalten, dennoch setzt sich der Rat seit Jahren dafür ein, dass die Windräder nicht so nah an der Ortslage gebaut werden.

Bürgermeister Jürgen Schulze (CDU) war von den Plänen des Kieler Projektentwicklers „getproject“ für ein fünftes Windrad überrascht. „Das kam aus heiterem Himmel“, sagte er in der Ratssitzung. Bis Ende September hat die Gemeinde nun Zeit, dazu eine Stellungnahme abzugeben. Ablehnen könne sie das Vorhaben aber nicht, betonte Gemeindedirektor Hendrik Kunitz. „Aus Sicht der Verwaltung gibt es keinen rechtlichen Spielraum, das zu versagen.“ Ein Veto seitens der Gemeinde würde vom Landkreis als Genehmigungsbehörde unweigerlich kassiert.

Und so herrschte im Rat auch eine Mischung aus Wut und Resignation. „Ich sehe da keine Chancen als Gemeinde“, erklärte Wolfgang Schulze (SPD). Thomas Lampe (CDU) war „enttäuscht, dass wir da so wenig Einflussmöglichkeiten haben“. Und Madushani Monard (Grüne) meinte: „Ich denke, dass der Kampf gegen die Windräder verloren ist, weil man es auf höheren Ebenen so will, dass da Windräder stehen.“

Vor allem die Dimension des geplanten fünften Rotor-Riesen bereitete den Politikern Kopfzerbrechen. Er soll eine Nabenhöhe von 160 Metern haben und die übrigen Anlagen damit um 60 Meter überragen. Aber welchen Handlungsspielraum hat der Rat überhaupt noch? Ein Ansatz wäre, wenn vor Ort besonders schützenswerte Tiere nachgewiesen würden. Deshalb appellierte Thomas Lampe an die Naturschutzverbände, intensiv zu prüfen, ob es im Umfeld des Windparks zum Beispiel Sichtungen des Rotmilans gebe.

Andreas Wilczak (CDU) schlug vor, eine Nachtabschaltung der Windräder zu beantragen, um den Langenbrüggern einen ungestörten Schlaf zu ermöglichen. Letztlich folgte der Rat einem Antrag von Mienold Eilers, der die SPD im Rat vertritt. Er sprach sich für die Erstellung eines schalltechnischen Gutachtens aus, um mutmaßliche Überschreitungen der Dezibel-Grenzwerte nachzuweisen. Die Verwaltung soll nun die Kosten für eine solche Untersuchung ermitteln.

Unabhängig davon gab Gemeindedirektor Kunitz zu bedenken, dass im Langenbrügger Windpark mittelfristig weitere Anlagen entstehen könnten: „Vielleicht werden wir in zwei Jahren über das siebte Windrad sprechen.“

VON BERND SCHOSSADOWSKI

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