Stadenser Horst Jendrichowski trainiert Brieftauben in der östlichen Altmark

„Das ist mein Leben“

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Wie ein Fluglotse startet Horst Jendrichowski. Seine Tauben sind schneller zurück, als er mit dem Auto.

Stadensen/Räbel – Knochentrockenen Wischeboden als Startbahn am Ufer der Elbe im Werbener Ortsteil Räbel in der Altmark hat sich der Stadenser Horst Jendrichowski zum wiederholten Male für seine zweitliebsten Lebensgefährten ausgesucht.

Eine Woche nach dem offiziellen Tag der Brieftaube hat Jendrichowski fünf Kisten in seine schicke Mittelklasse-Limousine gepackt, weil seine gefiederten Schützlinge ihre Flugmuskeln aufbauen sollen.

Für die rund 110 Kilometer lange Autofahrt über die Bundesstraßen 190 und 71 hat der Züchter mehr als 100 Minuten hinterm Steuer gesessen. Seine 45 Täubchen aber werden die Distanz in knapp einer Stunde schaffen, kalkuliert Jendrichowski wenige Minuten vor dem Abflug.

Es sei bereits das zweite Mal, dass er die Elbwiese nahe des Räbeler Fähranlegers zum Ausgangspunkt für einen Trainingsflug seiner gefiederten Tiere auserkoren habe. Und da am Abflugtag kein Schubwind herrscht, rechnet der Züchter damit, dass seine Taubentruppe mit einem Durchschnittstempo von etwa 80 Stundenkilometer über die Ost- und Westaltmark in Richtung Heimatschlag in Stadensen flattert. „Meine Frau und meine Tauben – das ist mein Leben“, sagt Jendrichowski.

Als Mitglied einer Reisevereinigung bereite er mit seinen Ausfahrten die Tiere auf einen bald anstehenden Wettstreit vor. Dann werden Brieftauben verschiedener Züchter zusammen auf die Reise geschickt, damit sich am Ende die Besten der Besten besonders stolz im heimischen Schlag aufplustern dürfen – ganz so, wie es sich für gurrende Sieger auch in Taubenkreisen ziemt.

Aktuell aber befänden sich die Tiere in der Ertüchtigungsphase, da ihnen noch die lange Winterzeit mit dem Mangel an Ausfluggelegenheiten in den Federn stecke. Brieftauben zu haben sei jedenfalls, da sind sich Züchter wie Jendrichowski sicher, „das schönste Hobby der Welt“. Welcher Taubenfreund will sich da noch daran ärgern, dass das Brieftaubenwesen 2018 nach Tierschützer-Protesten nicht wie geplant nationales Kulturerbe geworden ist – anders als die Falknerei.

VON ANTJE MAHRHOLD

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