Neuer Regenrückhalte-Speicher in Wrestedter Baugebiet: Bürger warnen vor Risiken für Kinder

Lebensgefahr im Lehmbecken?

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Dieses Regenrückhaltebecken entsteht derzeit im Wrestedter Baugebiet „Vor den Lehmkuhlen“. Die Gemeinde und das Ingenieurbüro sehen keine akuten Gefahren, doch einige Bürger befürchten, dass Kinder dort ertrinken oder zu Tode stürzen könnten.

Wrestedt. Es ist mehr als 1300 Quadratmeter groß und etwa zwei Meter tief: Das Regenrückhaltebecken im Wrestedter Baugebiet „Vor den Lehmkuhlen“ ist nicht nur imposant, sondern schürt bei einigen Bürgern auch große Bedenken.

Diese wurden jetzt im Bauausschuss der Gemeinde laut. In dem Niederschlagsspeicher könnten möglicherweise Kinder ertrinken, befürchtete Peter Ramünke (SPD). Sein Fraktionskollege Klaus Cichy warnte vor einer Sturzgefahr an der Böschungskante. „Da kann man sich das Genick brechen“, sagte er bei einer Ortsbesichtigung.

In dem Becken soll sich das Regenwasser aus dem derzeit entstehenden Baugebiet sammeln. Über einen Sandfang und Rohre werden die Niederschläge anschließend dosiert in die Kanalisation eingeleitet. Das soll verhindern, dass bei Starkregen große Mengen Wasser ungedrosselt in die Kanäle gelangen, erklärten Thomas Hinz und Martin Kilian vom Suderburger Ingenieurbüro „iTH“ dem Bauausschuss. Eine Versickerung des Regenwassers auf den örtlichen Baugrundstücken sei aufgrund des lehmigen Untergrunds dagegen nicht möglich.

Derzeit haben sich im Lehmboden des Rückhaltebeckens nur einige Pfützen gebildet. Sollte das Gebiet „Vor den Lehmkuhlen“ einmal vollständig bebaut sein, erwarten Hinz und Kilian einen Wasserstand von maximal 30 bis 40 Zentimetern – und das auch nur in seltenen Fällen.

Laut einem Urteil des Oberlandesgerichts Celle müssen Kommunen bei einer ständigen Wassertiefe von mindestens 40 Zentimetern Vorsorge treffen, dass niemand zu Schaden kommt. „Deshalb wäre solch ein Becken dann dauerhaft mit einem nicht überkletterbaren Zaun von mindestens einem Meter Höhe einzufrieden“, sagt Wrestedts Vize-Gemeindedirektor Alexander Kahlert. Er verweist darauf, dass sich das Becken noch im Bau befindet und das Profil der Sohle nach Fertigstellung anders aussehen werde.

Das Becken sei kein Wasserspielplatz für Kinder, stellt Kahlert klar. Eltern seien in der Pflicht, auf ihren Nachwuchs aufzupassen. „Wir nehmen diese Gefahr als Gemeinde ernst, können aber nicht für eine hundertprozentige Sicherheit sorgen. Die hat kein Mensch im Leben“, betont Kahlert. Auch wenn er keinen akuten Handlungsbedarf sieht, verspricht er: „Wir werden das Becken nach der Baufertigstellung beobachten.“

Ramünke hinterfragt indes die Vorgaben des Celler Gerichts. „Es sind schon Kinder in Becken ertrunken, die nur 10 oder 20 Zentimeter tief sind“, warnt er. Auch Anwohner Karsten Huhnke betrachtet das Becken mit gemischten Gefühlen. „Das birgt schon Gefahren“, meint er. Huhnke, der mit seinem zweijährigen Enkel Jannik ab und zu am Becken spazieren geht, hat dort schon Kinder spielen gesehen. „Ab einem gewissen Wasserstand darf man sie hier nicht ohne Aufsicht lassen“, sagt er.

Von Bernd Schossadowski

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