Kinderbetreuung in Pandemie-Zeiten wird für Eltern zur Herausforderung

Wohin mit den Kindern?

Ein Schulranzen steht auf dem Boden in einem Klassenraum.
+
Angie Lippert-Thieme und ihr Mann Waldemar Lippert stehen vor einem Problem, das viele Eltern während der Corona-Pandemie erleben: Wie soll die Betreuung der Kinder organisiert werden?
  • Lars Lohmann
    vonLars Lohmann
    schließen

Die Pandemie bereitet schon seit geraumer Zeit vielen Eltern großes Kopfzerbrechen, denn je länger Schulschließungen und Einschränkungen anhalten, desto schwieriger wird es, Arbeit und Kinderbetreuung unter einen Hut zu bringen. 

Abhilfe sollen in diesen Fällen eigentlich Notbetreuungen in Schulen und Kitas bieten, doch auch diese haben manchmal nicht genügend Platz für alle Kinder, wie nun auch Angie Lippert-Thieme feststellen musste.

Der Lockdown ging an der Friseurin keineswegs spurlos vorbei: Durch Salon-Schließungen verlor sie Mitte Dezember ihren Job, musste sich nach einem neuen Arbeitsplatz umschauen und konnte erst im März erneut in Wriedel anfangen. Aus diesem Grund wollte sie ihren achtjährigen Sohn in der Notbetreuung, die von der Grundschule Wrestedt bereitgestellt wird, unterbringen. Doch dort konnte man ihr nur einen Platz auf der Warteliste anbieten. Die Kapazitäten seien schlichtweg ausgelastet: Nach zwölf Schülern in der Notbetreuung könnten keine weiteren Kinder aufgenommen werden – für Angie Lippert-Thieme und ihren Mann eine Hiobsbotschaft: „An den Tagen, an denen mein Sohn nicht zur Schule geht, kann ich ihn nicht acht Stunden alleine lassen. Es muss nur mal passieren, dass er die Treppe herunterfällt und dann nicht aufstehen oder zum Telefon gehen kann.”

Bis jetzt hatte die 29-Jährige noch gerade so eine Lösung finden können und konnte zuletzt ihre beiden Kinder einige Tage pro Woche bei einer Freundin unterbringen. Doch diese steht ab Juni nicht mehr zur Verfügung. „Ich habe hier niemanden, mein Mann ist in Vollzeit beschäftigt, mein Vater wohnt in Braunschweig und die Eltern meines Mannes sind in Dannenberg.”

Ratlos blieb Familie Lippert so nur übrig, sich erneut an die Samtgemeinde Aue und die Zuständigen zu wenden oder im Notfall Arbeitszeiten zu kürzen und so große Einkommenseinbußen in Kauf zu nehmen. „Ich wüsste auch gar nicht, wie das mit der Versicherung läuft, wenn mein Sohn zu Hause bleibt. Ich würde sicher meine Aufsichtspflicht verletzen und mich vermutlich sogar strafbar machen”, sagt Angie Lippert-Thieme.

Das Dilemma scheint jedoch nur schwer lösbar, denn auch der Samtgemeinde sind durch rechtliche Auflagen die Hände zum Teil gebunden. „Vom Gesetzgeber ist vorgegeben, wie viele Kinder in der Notbetreuung aufgenommen werden dürfen. Das liegt auch an den Abstandsregeln, dem Personal und den räumlichen Kapazitäten”, erklärt Michael Müller, Bürgermeister der Samtgemeinde Aue. Ebenso könne man natürlich den Eltern, die bereits einen Platz erhalten haben, diesen nicht absprechen. Müller kann die Zwangslage nachvollziehen: „Ich bin da ganz bei Frau Lippert, aber kann leider auch nur sagen, dass ich nur begrenzte Möglichkeiten habe.” Dennoch wolle die Samtgemeinde zusammen mit der Grundschule Wrestedt alles daran setzen, um der Familie den Platz in der schulischen Notbetreuung ab Juni, wenn er dringend nötig ist, zu ermöglichen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare