Hamburger Unternehmen will ihre Geräte testen

30 Kilometer lange Drohnen-Flüge in Wriedel

Die Drohne im Flug über Bäume.
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Die Drohne im Flug über Bäume.

Wriedel – Der Raum Wriedel als Teststrecke für Drohnenflüge: Das kann bald Realität sein.

Denn das Hamburger Start-up „Beagle Systems GmbH“, welches seine Drohnen zum großen Teil selbst im 3D-Drucker herstellt, will dort Langstreckenflüge über 30 Kilometer durchführen. Dass die Wahl dabei auf Wriedel fiel, ist kein Zufall, denn einer der Firmengründer, Mitja Wittersheim, ist dort aufgewachsen.

„Ich kenne die Gegend. Hier ist ausreichend Platz für unsere Flüge“, sagt der 25-Jährige, der zusammen Oliver Zöller und Xuejun Tang das Unternehmen in Hamburg-Wandsbek gegründet hat. Da man auch eine Starterlaubnis vom Grundstückseigentümer braucht, sei die natürlich auch leichter zu erhalten, wenn man die Leute kennt. Eine Fluggenehmigung für Niedersachsen besitzt das Unternehmen.

Bisher fanden die Testflüge laut Mitja Wittersheim entweder in Quickborn in Schleswig-Holstein oder in einer Baumschule im Seevetaler Ortsteil Woxdorf im Landkreis Harburg statt. Das Problem: In Quickborn durfte nur in Sichtkontakt geflogen werden und in der Baumschule ist das Fluggebiet durch die Nähe zu Hamburg, Autobahnen, Industriegebiete und Dörfer stark eingeschränkt.

Die Flüge der Drohnen werden vom Boden aus überwacht. Im Zehntelsekundentakt werden beispielsweise Daten zur Flughöhe oder Batterieladung aktualisiert.

Ziel des Unternehmens ist es laut Wittersheim, Drohnen zu entwickeln, die medizinische Transporte etwa von Laborproben oder Blutkonserven übernehmen oder zur Inspektion von Stromleitungen und Pipelines eingesetzt werden können. „Wir haben weltweit viele Fachmessen zum Thema Drohnen besucht, da wir uns länger privat dafür interessiert haben“, berichtet der gebürtige Wriedeler. Dabei sei ihnen dann aufgefallen, dass viele Kunden nach Langstreckenflügen fragen, es aber noch keinen Hersteller und Dienstleister dafür gebe, so sei die Idee zur Unternehmensgründung entstanden.

Entwickelt werden die Drohnen in Hamburg, und auch der Großteil der Bauteile wird dort hergestellt. Einzelne Komponenten werden hinzugekauft. Dabei werden sogenannte Flächenflugzeuge gebaut, die auch bei einem Motorenausfall sicher zu Boden gleiten können. „Also nicht Quadcopter, wie man sie aus dem Spielwarenladen kennt“, erklärt Mitja Wittersheim.

Dabei gelten auch besondere Sicherheitsstandards, ohne die hätte das Unternehmen auch keine Genehmigung für Flüge ohne Sichtkontakt in Niedersachsen erhalten. So landet die Drohne automatisch auf einem vorher programmierten Platz, wenn die Mobilfunkverbindung zu ihr abreißt. Dass sich ein Sportflugzeug der Drohne nähert, sei in Anbetracht der Flughöhe der Drohne von 80 Metern unwahrscheinlich. „In solchen sehr unwahrscheinlichen Fällen weicht die Drohne automatisch aus“, erklärt Mitja Wittersheim.

Außerdem werde bei der Flugplanung im Vorfeld ausgeschlossen, dass sensible Bereiche wie Privat- und Gewerbegrundstücke überflogen werden. Auch auf ausreichenden Abstand zu Windrädern wird geachtet.

Der ganze Flug wird zudem vom Steuerer am Monitor vom Boden aus überwacht. „Er sieht einen Videofeed ,aus dem Cockpit’.“ Dort werden auch alle wichtigen Daten wie Batterieladung, Flughöhe, Ausrichtung des Fluggeräts sowie GPS-Daten im Zehntelsekundentakt aktualisiert. VON LARS LOHMANN

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