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Kanal-Tunnel bei Bollensen droht im Extremfall der Einsturz

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Von: Bernd Schossadowski

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Blick in die Unterführung unter dem Elbe-Seitenkanal zwischen Stederdorf und Bollensen.
2012 wurden Bodenschwellen im Bereich der Kanalunterführung bei Bollensen eingebaut, um die Mittelwand vor Unfällen zu schützen. Doch die versprochene zeitnahe Instandsetzung ist bislang ausgeblieben. © Bernd Schossadowski

Dass der Tunnel unter dem Elbe-Seitenkanal zwischen Stederdorf und Bollensen statische und bauliche Mängel aufweist, war dem Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt schon seit etwa zehn Jahren bekannt. Doch die Instandsetzung der Unterführung lässt bis heute auf sich warten. Das sorgt für Kritik.

Stederdorf/Bollensen – Die Unterführung unter dem Elbe-Seitenkanal zwischen Stederdorf und Bollensen weist statische und bauliche Mängel auf und muss deshalb umfassend instand gesetzt werden. Das teilt Klaus Ripphahn, Fachbereichsleiter beim Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Mittellandkanal/Elbe-Seitenkanal, auf AZ-Anfrage mit. Die voraussichtlichen Kosten der Arbeiten beziffert er mit neun Millionen Euro.

Unter anderem sei die Mittelwand des Bauwerks beim Aufprall durch Fahrzeuge nicht standsicher. Daher wurden bereits 2012 im Bereich der Unterführung drei Bodenschwellen eingebaut und die Höchstgeschwindigkeit auf 30 km/h reduziert.

Ein weiteres Problem: Unter der Annahme eines hydraulischen Versagens der Kanaldichtung – sie besteht aus 16 Zentimeter Asphaltbeton – habe man die Tragfähigkeit von einzelnen Bauteilen der Unterführung rechnerisch nicht nachweisen können, erklärt Ripphahn. Eine weitere potenzielle Gefahr sei der fehlende Brandschutz in dem Tunnel.

Nach Aussage von Ripphahn werden die Instandsetzungsarbeiten voraussichtlich im Frühjahr 2025 beginnen und im Laufe des Jahres 2026 beendet sein. Vorher seien noch ausführliche Gespräche mit der Deutschen Bahn erforderlich. Denn parallel zur Straße verläuft die Bahnstrecke unter dem Trog des Elbe-Seitenkanals.

Der genannte Zeitplan stößt bei der Verwaltung der Samtgemeinde Aue jedoch auf Kritik. Sie kann nicht verstehen, dass seit der Untersuchung des Tunnels vor zehn Jahren nicht schon längst Arbeiten in die Wege geleitet wurden. „Uns wurde damals versprochen, dass spätestens nach fünf Jahren alles erledigt ist“, sagt Alexander Kahlert, allgemeiner Vertreter von Aues Samtgemeindebürgermeister Michael Müller. Dass die Behörde erst jetzt die Weichen in Richtung Instandsetzung der Kanalunterführung stelle, sei bedauerlich. „Ich hätte mir ein viel schnelleres Handeln gewünscht“, betont Kahlert.

Dagegen wirbt Ripphahn um Verständnis. „Leider ist es nicht zu vermeiden, dass umfangreiche, schwierige Bauvorhaben wie dieses einen zeitintensiven Planungsvorlauf und umfangreiche Abstimmungsprozesse benötigen“, sagt er. „Die getroffenen Maßnahmen sind wichtig, damit die Standsicherheit des Bauwerks zu jeder Zeit gewährleistet ist.“

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