Wrestedter Unternehmerin Anja Packmohr war zu Gast in Ruanda / Handwerk soll gefördert werden

Hilfe für das Land der 1000 Hügel

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Die Wrestedter Unternehmerin Anja Packmohr (vorne Mitte) war zusammen mit sechs weiteren Handwerkerinnen aus Deutschland eine Woche zu Gast in Ruanda. Eines der Ziele war, die berufliche Bildung der Menschen vor Ort zu verbessern.

Wrestedt/Kigali. Von der Lüneburger Heide ins „Land der 1000 Hügel“: Eine Woche zu Gast im zentralafrikanischen Staat Ruanda war jetzt die Wrestedter Unternehmerin Anja Packmohr.

Die 52-Jährige, die zusammen mit ihrem Ehemann Jörn die Energietechnik-Firma Packmohr leitet, hat an einem neuartigen Handwerksprojekt in Ruandas Hauptstadt Kigali teilgenommen. Dabei ging es darum, die berufliche Bildung, den Transfer von Fachwissen und Beschäftigungsprogramme vor Ort zu fördern.

Zusammen mit sechs weiteren Handwerksfrauen aus ganz Deutschland besuchte Anja Packmohr mehrere Firmen, Berufsschulen und eine technische Universität in Kigali, unterhielt sich mit örtlichen Unternehmern und knüpfte Netzwerke zwischen beiden Ländern. „Wir waren erschlagen von den vielen Eindrücken und sind jeden Abend müde ins Bett gefallen“, erzählt die Wrestedterin, die zum ersten Mal in Afrika war.

Die Reise war Teil einer Initiative des Bundeswirtschaftsministeriums. Dieses will das ruandische Handwerk durch Praktiker und nicht, wie in früheren Jahren, nach Konzepten theoretisch arbeitender Planer fördern. Ein Ziel ist, in dem Land ein duales Ausbildungssystem nach deutschem Vorbild einzuführen.

Nach ihrer Rückkehr hat Anja Packmohr einige Ideen entwickelt, wie ruandische Handwerker unterstützt werden können. Sie sollten zum Beispiel zu einem Praktikum nach Deutschland eingeladen werden, schlägt sie vor. „Wichtig ist auch, dass ihnen in Ruanda Material und Werkzeug zu Verfügung gestellt werden, denn daran mangelt es häufig“, berichtet die Wrestedterin. Elektro- und Sanitärmeister aus Deutschland sollten zudem nach Ruanda fahren und die Jugendlichen dort ausbilden. In diesen Branchen gebe es großen Nachholbedarf. Und nicht zuletzt müsse Ruandas Handwerkernachwuchs bei Betriebsaufbau, Buchführung und Rechnungswesen unterstützt werden.

Imponiert hat Anja Packmohr, dass Frauen in der ruandischen Gesellschaft eine starke Stellung haben. Das liege auch daran, dass es vergleichsweise wenige Männer gebe – eine Folge des Völkermords von 1994, als Angehörige der Hutu-Mehrheit viele der in Ruanda lebenden Tutsi ermordeten. Schätzungen zufolge starben dabei bis zu eine Million Menschen.

Von dieser düsteren Vergangenheit sei heute in Ruanda nicht mehr viel zu spüren. „Für afrikanische Verhältnisse ist es ein modernes, sauberes Land, aber auch ein Polizeistaat“, erklärt Anja Packmohr. Die Menschen in Ruanda seien nicht nur sehr freundlich, sondern auch fleißig, wissbegierig und dankbar für die Unterstützung aus Deutschland. „Es ist ein junges, dynamisches Volk. Wir haben Hoffnungen geweckt, dass dort endlich etwas passiert“, erklärt sie mit Blick auf das Handwerksprojekt. „Die Menschen brennen darauf, dass es jetzt weitergeht.“

Gerne würde Anja Packmohr wieder nach Kigali reisen, um das Projekt zu vertiefen. „Der Blick über den Tellerrand hat sich für mich allemal gelohnt“, sagt sie. Zunächst wird jedoch ein anderer Wrestedter Handwerker ins „Land der 1000 Hügel“ fahren, um sein Wissen weiterzugeben. Es handelt sich um Anja Packmohrs Ehemann Jörn.

Von Bernd Schossadowski

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