Tierdrama hat ein juristisches Nachspiel

Verhungerte Rinder in Wrestedt: Halter droht Haftstrafe

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Eines der von Hunger und Durst gezeichneten Rinder im Oktober 2017 auf einem Bauernhof in der Gemeinde Wrestedt. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz gegen den 44-Jährigen Landwirt. Archivfoto: Sternitzke

Wrestedt. Diese Nachricht schockierte im Oktober vergangenen Jahres viele AZ-Leser: Auf einem Bauernhof in der Gemeinde Wrestedt entdeckten Mitarbeiter des Kreis-Veterinäramts zehn verendete Rinder. 

Nach Aussage von Amtstierarzt Dr. Jörg Pfeiffer waren sie verhungert und verdurstet. Jetzt hat das Tierdrama auch ein juristisches Nachspiel.

„Die Staatsanwaltschaft Oldenburg führt ein Ermittlungsverfahren gegen einen Landwirt aus Wrestedt wegen eines möglichen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz“, teilt Behördenmitarbeiterin Nicole Nadermann auf AZ-Anfrage mit. Der Landkreis Uelzen hatte den 44-Jährigen wegen Vernachlässigung der Tiere angezeigt. Derzeit, so Nicole Nadermann, werde eine Strafbarkeit nach Paragraf 17 Tierschutzgesetz geprüft.

Der Passus lautet: „Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer 1. ein Wirbeltier ohne vernünftigen Grund tötet oder 2. einem Wirbeltier a) aus Rohheit erhebliche Schmerzen oder Leiden oder b) länger anhaltende oder sich wiederholende erhebliche Schmerzen oder Leiden zufügt.“

Insgesamt sollen laut Staatsanwaltschaft 13 Rinder verhungert sein. Dies sei auch durch Bildmaterial belegt. In die Ermittlungen ist die Wrestedter Polizei eingebunden, die die Unterlagen zwecks Befragung des Landwirts erhielt, berichtet Nicole Nadermann. „Die weiteren Ermittlungen dauern an.“

Darüber hinausgehende Angaben zu dem Fall macht sie nicht. Damit bleibt auch weiterhin offen, wie es zu dem krassen Fall von Vernachlässigung kommen konnte – ob etwa Überarbeitung oder eine Erkrankung eine Rolle gespielt haben könnten.

Die Mitarbeiter des Veterinäramts hatten den Hof Ende Oktober unter Polizeischutz aufgesucht. Teilweise mussten Stalltüren aufgebrochen werden. Neben den zehn toten Rindern wurden drei hochgradig geschwächte Tiere gefunden, die eingeschläfert wurden. Der Kot stand nach Auskunft des Amtstierarztes knöcheltief in den Ställen. 17 überlebende Tiere wurden auf einen anderen Bauernhof gebracht.

Im März hatten Behördenmitarbeiter den Landwirt bereits auf eine Anzeige hin aufgesucht. Die Auflage, regelmäßig auszumisten und Wasser zu geben, hatte er offenbar zunächst beherzigt. Nach dem grausigen Fund hat der Landkreis im November ein Tierhaltungsverbot für Rinder gegen den Mann verfügt. Laut Amtstierarzt Pfeiffer haben bislang zwei Kontrollen, die letzte am 30. Januar, ergeben, dass er das Verbot einhält.

Eine Anfrage der Grünen ergab im Dezember, dass Nutztierhalter im Landkreis Uelzen nur alle zehn Jahre mit einer Kontrolle rechnen müssen. 2411 Haltungen gab es, 198 wurden im Jahr 2017 überprüft. Das Kreis-Veterinäramt verfügt exakt über 1,25 Tierarzt-Stellen, und die sind auf zwei Tiermediziner verteilt, ging aus der Antwort der Verwaltung hervor.

Von Gerhard Sternitzke

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