Wrestedt will zu Unrecht überackerte Wegeseitenräume von Landwirten zurückfordern

Gemeindeland unterm Pflug

+
Landwirt beim Pflügen. In Einzelfällen haben Bauern auch in der Gemeinde Wrestedt nach und nach Seitenstreifen von Gemeindewegen übergepflügt.

Wrestedt. Moderne Maschinen machen die Landwirtschaft so schlagkräftig wie noch nie. Kaum sind die Getreidefelder abgeerntet, werden viele Äcker gepflügt oder gegrubbert, um die nächste Saat auszubringen. In einigen Fällen wird offenbar besonders gründlich gearbeitet.

Dann wird das Feld jedes Jahr ein Stück größer. Die Gemeinde Wrestedt will jetzt gegen diese schleichende Aneignung öffentlichen Eigentums vorgehen. Das hat am Mittwoch der Bauausschuss bei einer Gegenstimme beschlossen.

„Das ist ein klarer Gesetzesverstoß, wenn Wegeseitenränder überackert werden“, sagt Ausschussvorsitzender Michael Bombeck (Grüne). „Es ist im öffentlichen Interesse, die Wegeseitenräume zu erhalten, wo all die Tierchen leben, die keine Lobby haben.“

Bauamtsmitarbeiterin Johanna Rößler schildert ein krasses Beispiel aus Stederdorf. Dort haben Nachforschungen ergeben, dass ein Feld sage und schreibe vier Meter breiter war als im Grundbuch vermerkt – auf Kosten des Gemeindewegs. Der Landwirt habe nach einem Gespräch Konsequenzen gezogen. „Er hat dann bei der Frühjahrsbestellung vier Meter liegen lassen“, berichtet die Bauamtsmitarbeiterin.

SPD und Grüne haben drei Verdachtsfälle genannt, die sich in den Gemarkungen Nettelkamp, Wieren und Stadensen befinden. Sie sollen nun von der Verwaltung unter anderem anhand von Katasterunterlagen und Luftbildern geklärt werden.

Allerdings weist Gemeindedirektor Michael Müller auch auf die Schwierigkeiten hin. Die Gemeinde kann nur auf Hinweise hin tätig werden, weil lediglich zwei Mitarbeiter diese Fragen abarbeiten können. Und die Flurkarten weichen zum Teil von den Markierungen durch Grenzsteine oder eingegrabene Flaschen ab.

Bestätigt sich der Verdacht, dass Gemeindeland beackert wird, kommt es zu einem Verfahren in drei Stufen. „Wir versuchen erst mal, mit dem Landwirt oder Grundeigentümer ein Gespräch zu führen und einen vernünftigen Weg zu finden“, erklärt Müller. „Nur wenn sich der Betroffene stur stellt, müssen die genauen Grenzen per GPS festgestellt werden. Der letzte Schritt ist eine amtliche Grenzfeststellung.“

Grundsätzlich handele es sich bei der Thematik um Einzelfälle, betont Michael Bombeck. Sie müssten jedoch im Interesse all der Bauern geklärt werden, die sich an Recht und Gesetz hielten. „Man will aber nicht jemanden verunglimpfen, weil er drei, vier Zentimeter zu weit gepflügt hat“, stellt er klar.

„Wenn man auf dem Schlepper sitzt, sieht man nicht immer, ob man die Grenzlinie trifft“, gibt Dr. Jürgen Grocholl, Leiter der Landwirtschaftskammer Uelzen, zu bedenken. Die Landwirte seien aber bestrebt, sauber bis an den Rand zu pflügen. „Sonst wird der Acker immer kleiner.“ An der tatsächlich bewirtschafteten Fläche hänge nicht nur der Ernteertrag, sondern auch die Zahlung der EU-Fördermittel.

Von Gerhard Sternitzke

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare