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Gelebte Integration in Wrestedt

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Von: Lars Lohmann

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Anja und Jörn Packmohr haben in ihrem Betrieb Amani Kouakou als Auszubildenden angestellt. Für ihr Engagement und weitere Aktivitäten werden sie jetzt mit dem Integrationspreis des Landes Niedersachsen geehrt.
Anja und Jörn Packmohr haben in ihrem Betrieb Amani Kouakou als Auszubildenden angestellt. Für ihr Engagement und weitere Aktivitäten werden sie jetzt mit dem Integrationspreis des Landes Niedersachsen geehrt. © Lohmann

Wrestedt. „Oma kannst du mir noch etwas Wasser bringen“, sagt Amani Kouakou zur Mutter von Anja Packmohr. Bei „Oma“ im Garten arbeitet der Flüchtling und Auszubildende zum Anlagenmechaniker Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik im zweiten Lehrjahr gerade mit dem Altgesellen Jens Rechenberg an der Abwasserleitung.

Amani sehe sie als Teil ihrer Familie, sagt Anja Packmohr. Sie, ihr Mann Jörn sowie ihr Wrestedter Unternehmen Packmohr werden am 29. August in Hannover für ihren Einsatz mit dem Integrationspreis des Landes Niedersachsen ausgezeichnet. Außerdem wird Anja Packmohr mit anderen Unternehmerfrauen für das Herausbringen eines mehrsprachigen Hefts mit Fachbegriffen des Handwerks geehrt.

„Als der Flüchtlingsstrom kam, haben wir uns überlegt, dass wir helfen wollen“, erinnert sich Anja Packmohr. Daher organisierte sie zusammen mit ihrem Mann und der Handwerkskammer eine Börse für Flüchtlinge und Unternehmen. Während der Veranstaltung lernten sie auch Amani Kouakou kennen. „Sie haben mir zunächst ein sechsmonatiges Praktikum angeboten und danach konnte ich dann die Ausbildung beginnen“, erzählt Kouakou.

„Anfangs ist Kouakou im Winter täglich mit dem Fahrrad von Kirchweyhe nach Wrestedt gefahren“, berichtet Jörn Packmohr. Das sei aber kein Problem gewesen, meint Kouakou, der auf seiner Flucht nach Deutschland eine Familie an der Elfenbeinküste zurückgelassen hat. „Inzwischen fahre ich aber doch lieber mit dem Zug zur Arbeit.“

Schwierigkeiten hat Kouakou zu Beginn die Sprache bereitet. „Am Anfang war das nicht einfach und sehr kompliziert“, sagt er. Das Problem war laut Anja Packmohr, das Kouakou keinen Deutschkurs bei der Bundesagentur mehr bekam, weil er ja in einer Ausbildung ist und somit integriert ist. Auch Nachhilfe für die Berufsschule wurde mit dem Argument abgelehnt, der 36-Jährige sei zu alt und nicht schlecht genug. „Da verzweifelt man schon“, sagt sie.

Inzwischen kriegt Kouakou Nachhilfe und Deutschunterricht von einer ehrenamtlichen Mitarbeiterin der Flüchtlingshilfe. „Er schreibt jetzt Zweien und Dreien“, sagt Jörn Packmohr. Durch die Sprachschwierigkeiten habe es auch anfangs Probleme bei der Arbeit mit den Gesellen gegeben. „Woher solle er auch wissen, was ein fünfviertel Zoll Außenwinkel in Messing ist?“ Jetzt ist Kouakou vor allem mit dem Altgesellen Jens Rechenberg unterwegs.

Die Ausbildung von Flüchtlingen ist laut Jörn Packmohr für das Handwerk eine Chance. „Wir haben ein Nachwuchsproblem und den demografischen Wandel vor der Haustür.“ Die Ausbildung von Flüchtlingen werde zwar nicht alle Probleme lösen, sei aber ein wichtiger Faktor.

Von Lars Lohmann

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