Das Ende eines Schandflecks

Gefahrenabwehr: Landkreis lässt alten Fabrikschornstein in Wieren abreißen

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Mithilfe eines Baggers und einer Hebebühne wurde jetzt der marode Schornstein der ehemaligen Möbelfabrik in Wieren abgerissen. Es hatte die Gefahr bestanden, dass der Schlot umstürzt und Menschenleben gefährdet.

Wieren – Schon seit Jahren war die Bauruine der ehemaligen Möbelfabrik Harms in Wieren ein öffentliches Ärgernis. Vor einigen Jahren war das Gebäude, das nach der Firmenpleite als Kneipe und später als Ausstellungsfläche für einen Möbelhandel diente, abgerissen worden.

Doch der größte Teil des Abrissguts wurde einfach liegen gelassen, auch der Schornstein blieb stehen.

Von einem Schandfleck mitten im Dorf war die Rede, schließlich befand sich die Bauruine an zentraler Stelle vor der St. Jakobuskirche. Jetzt wurde auf Anweisung des Landkreises der marode Fabrikschornstein abgerissen und der Bauschutt abtransportiert.

Auf der Ruine waren in den vergangenen Jahren häufiger Störche zu sehen. Daher hatte es zwischenzeitlich Überlegungen zum Bau eines Storchennests gegeben. Birken, Kiefern und Büsche verdeckten zumindest im Sommer den Schuttberg. Doch immer wieder blickten die Bürger besorgt zum Schornstein – dort zeigten sich bedenkliche Schäden an den Backsteinen.

Der Abriss des Schlotes durch eine Fachfirma sei unumgänglich geworden, erklärt Kreissprecher Martin Theine gestern auf AZ-Anfrage. „Das war eine bauordnungsrechtliche Verfügung des Landkreises im Zuge der Gefahrenabwehr.“ Es sei nicht auszuschließen gewesen, dass der Schornstein umstürzt und dabei Menschenleben gefährdet oder Nachbargebäude beschädigt. Einige der Sicherungsringe aus Metall, die den Schornstein umgeben, seien defekt gewesen.

Das Verfahren um den Abriss habe sich schon jahrelang hingezogen. „Wir haben die Besitzerin des Grundstücks mehrfach aufgefordert, die Statik und Standfestigkeit des Schornsteins nachzuweisen“, sagt Theine. Dem sei die Frau aber nicht nachgekommen. Auch ein Zwangsgeld habe der Landkreis ihr angedroht – ohne Erfolg. Deshalb sei die Kreisbehörde nun eingeschritten.

Und so rückten eine Hebebühne und ein Bagger an, um den Schornstein abzutragen. Das erfolgte in mehreren Abschnitten. Mithilfe eines Stahlseils wurde am Backstein-Riesen gezogen, bis dieser zur Seite kippte. „Die Kosten für den Abriss und den Abtransport des Bauschutts werden der Besitzerin in Rechnung gestellt“, kündigt Theine an.

VON BERND SCHOSSADOWSKI UND DIETER SCHOOP

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