Zwei Krippen – 142 Euro Unterschied

Familienvater aus Lehmke kritisiert hohe Krippengebühr in Samtgemeinde Aue

Für ihre Tochter Tilda sollen Daniel und Carolin Anlauf aus Lehmke pro Monat 472,50 Euro Krippengebühr an die Samtgemeinde Aue zahlen. Für den vierjährigen Sohn Lennard sind im Uelzener Sprachheilkindergarten keine Beiträge fällig.
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Für ihre Tochter Tilda sollen Daniel und Carolin Anlauf aus Lehmke pro Monat 472,50 Euro Krippengebühr an die Samtgemeinde Aue zahlen. Für den vierjährigen Sohn Lennard sind im Uelzener Sprachheilkindergarten keine Beiträge fällig.

Lehmke – Von Uelzen ins beschauliche Lehmke: Diesen Wunsch hat sich Familie Anlauf vor einem Jahr erfüllt und ein hübsches Haus am Ortsrand gekauft.

Dort fühlen sich Daniel und Carolin Anlauf und ihre beiden Kinder, der vierjährige Lennard und die knapp einjährige Tilda, sehr wohl.

Doch jetzt erlebte die Familie einen kleinen Schock: Für Tilda, die vom 1. September an die Krippe in Wieren besuchen sollte, ist der Gebührenbescheid der Samtgemeinde Aue eingetroffen. Die Anlaufs glaubten ihren Augen nicht zu trauen. Für die achtstündige Betreuung Tildas zuzüglich einer Stunde Sonderöffnungszeit pro Tag soll die Familie einen monatlichen Elternbeitrag von 472,50 Euro an die Samtgemeinde zahlen. Das  Essensgeld ist dabei noch nicht eingerechnet.

Mit ihrem Einkommen fallen Daniel Anlauf, von Beruf Rettungsassistent, und seine Frau, die als Krankenschwester arbeitet, in die höchste der sechs Stufen der Beitragsstaffel. „Ich habe mir mal die Vergleichszahlen für den Krippenbesuch in Uelzen ausrechnen lassen. Dort müsste ich für Tilda für die gleiche Betreuungszeit nur 330 Euro zahlen“, erzählt Daniel Anlauf im AZ-Gespräch. In der Hansestadt wäre die Familie in der sechsthöchsten von zwölf Einkommensstufen.

„Wie kann es sein, dass es in Uelzen und Wieren solche finanziellen Unterschiede gibt? Was ist da in den Krippen anders?“, fragt der Familienvater. „Für mich ist das nicht erklärbar.“ Ganz anders sieht es hingegen bei seinem Sohn Lennard aus. Der Vierjährige besucht den Sprachheilkindergarten in Uelzen. Dafür muss Familie Anlauf überhaupt keine Elternbeiträge zahlen, es fällt lediglich Essensgeld an.

„Jede Kommune hat ihre eigene Richtlinie und Sozialstaffel für die Erhebung von Kita-Gebühren beschlossen“, erklärt Aues Samtgemeindebürgermeister Michael Müller auf AZ-Anfrage. Außerdem sei das keine willkürliche Entscheidung der Verwaltung, sondern ein Beschluss des Samtgemeinde-rates.

Müller gibt aber zu, dass die Samtgemeinde Aue im Vergleich zu anderen Kommunen im Kreis Uelzen recht hohe Gebühren für den Krippen- und Kindergartenbesuch verlangt. Allerdings seien auch die Betriebskosten der Kitas hoch. „Wir müssen diese jährlich mit 1,6 Millionen Euro bezuschussen.“

Entschieden tritt Müller Spekulationen entgegen, dass die Samtgemeinde wegen des neuen Kindergartens in Wrestedt so hohe Elternbeiträge verlange. Wie berichtet, hat der im Januar 2019 eröffnete Neubau rund 4,5 Millionen Euro gekostet. „Die Richtlinie zu den Kita-Gebühren wurde bereits 2017 erlassen. Der Kindergarten in Wrestedt spielt da keine Rolle“, betont Müller.

Für Tilda Anlauf hat sich das Thema Krippenbesuch unterdessen erledigt. „Wir sind gezwungen, eine Tagesmutter zu engagieren. Anders ist das bei den Kosten in der Samtgemeinde Aue nicht möglich“, sagt ihr Vater. Bei etwas weniger Betreuungsstunden als in der Wierener Krippe, aber inklusive des Essensgeldes muss die Familie für die Tagesmutter nur 298 Euro pro Monat zahlen. VON BERND SCHOSSADOWSKI

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