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Fahrstuhl oder Rollstuhl-Rampe? Kontroverse um den Wierener Bahnhof

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Von: Bernd Schossadowski

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Ein Güterzug fährt durch den Wierener Bahnhof, im Vordergrund der Bahnsteig mit der Treppe zur Unterführung.
Neben der Unterführung im südlichen Bereich des Wierener Bahnhofs soll ein Aufzug installiert werden. Doch es gibt Stimmen, die stattdessen eine Rampe für Rollstuhlfahrer fordern. © Bernd Schossadowski

Am Wierener Bahnhof soll im Zuge des zweigleisigen Ausbaus der „Amerikalinie Ost“ ein Fahrstuhl installiert werden. Dieses Vorhaben der Deutschen Bahn ist bereits planfestgestellt. Doch es gibt immer mehr Stimmen, die stattdessen eine Rampe für Rollstuhlfahrer fordern.

Wieren – Noch ist gar nicht klar, wann am Wierener Bahnhof ein barrierefreier Zugang zu allen Gleisen geschaffen wird. Doch schon jetzt gibt es im Ort Unstimmigkeiten hinsichtlich des Fahrstuhls, der neben der über Treppen erreichbaren Unterführung auf der Südseite des Bahnhofs eingebaut werden soll. Das wurde jetzt in der Infoveranstaltung der DB Netz AG zum Ausbau der „Amerikalinie Ost“, der Bahnstrecke zwischen Uelzen und Stendal, deutlich.

Dort berichtete Projektleiter Andreas Hartwig, dass der Einbau eines Fahrstuhls im Wierener Bahnhof bereits in den 90er-Jahren planfestgestellt wurde. Das Ziel sei, Rollstuhlfahrern und Eltern mit Kinderwagen den barrierefreien Zugang zu ermöglichen. Am nördlichen Ende der Unterführung soll dann eine Rampe nach oben zum Gleis führen, sagte Hartwig.

Der geplante Fahrstuhl im Süden stieß bei einigen Zuhörern jedoch auf Kritik. So gab Wierens Ortsbrandmeister Marc Lehmker zu bedenken, dass Fahrstühle störanfällig seien. Das könnte dazu führen, dass die Feuerwehr vermehrt zu Einsätzen in den Bahnhof gerufen werde, weil Reisende aufgrund technischer Probleme des Lifts nicht weiterkämen. Eine Rampe hält Lehmker deshalb für die bessere Lösung.

Das sieht die Bürgeraktion „Wieren 2030“ ganz anders. Vorstandsmitglied Dieter Schoop weist darauf hin, dass eine Rampe viel Platz benötigen würde, denn sie sei in fünf Wendungen mit jeweils einem 180-Grad-Winkel angedacht. „Man müsste dafür ein Stück vom Marktplatz wegnehmen. Dann wäre der ,Treffpunkt Wieren‘ nicht mehr nutzbar“, warnte Schoop. Daher plädiere „Wieren 2030“ eindeutig für einen Fahrstuhl. Im Übrigen könnten von Süden kommende Rollstuhlfahrer die Bahnsteige im nördlichen Bereich des Bahnhofs barrierefrei über den Fuß- und Radweg erreichen, der in der geplanten Fahrbahn-Unterführung auf der L 270 gebaut werde.

Der SoVD-Ortsverband Wieren spricht sich hingegen für eine Rampenlösung aus, wie Vorsitzender Klaus Cichy erklärt. Man sei gegen einen Fahrstuhl, „da die Zerstörungen auf dem Bahngelände nach wie vor sehr auffällig sind und dass zu befürchten ist, dass der Vandalismus auch vor dem Fahrstuhl keinen Halt macht“. Cichys Fazit: „Es ist und bleibt ein Problembahnhof.“

Geteilt sind auch die Meinungen in der Wrestedter Politik. „Wir sind für eine Fahrstuhllösung. Dadurch gäbe es deutlich weniger Versiegelungen von Flächen im Vergleich zu einer Rampe“, argumentiert Torben Schoop, Sprecher der CDU/FDP/WGA-Ratsgruppe. Auch er weist darauf hin, dass die Gemeinde für den Bau einer Rampe einen Teil des Marktplatzes an die Bahn verkaufen müsste. Das lehnt die Gruppe ab. Zudem kritisiert Schoop die Optik einer Rampe: „Dort würde ein riesiger Betonklotz entstehen. Das würde das Ortsbild beeinträchtigen.“

Die SPD/UWG-Minderheitsgruppe im Rat favorisiert indes den Einbau einer Rampe, so Gruppensprecher Andreas Dobslaw. „Allerdings unter der Voraussetzung, dass sie für Rollstuhlfahrer problemlos passierbar ist, also am Anfang und Ende nicht zu steil ist“, bekräftigt er. Pläne für die bauliche Ausführung habe die Gruppe aber noch nicht gesehen.

Eine klare Meinung vertritt Alexander Kahlert, Bau-Fachbereichsleiter bei der Gemeinde Wrestedt. „Bloß keinen Aufzug, damit gibt es immer wieder Probleme“, betont er im AZ-Gespräch. Als negatives Beispiel nennt Kahlert den Fahrstuhl am Gleis 101 des Uelzener Bahnhofs, der über Monate hinweg immer wieder defekt war.

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